Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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Tomba deiTori(Tafel4i, HülfstafelFig. i—8). Im Jahre 1892
entdeckt, beschrieben von L. Mariani, Not. d. scavi S. 261 — 263.

Das Grab besteht aus einem gröfseren Gemach (I) und zwei
dahinter liegenden kleineren (II, III), deren Anordnung und Gröfsen-
verhältnisse die Figg. 1—3 veranschaulichen. Bänke zur Aufnahme
der Leichen, aus dem gewachsenen Tuf ausgehauen, finden sich
an der Eingangs- und den beiden Langwänden von I; in II und III
nehmen sie fast den ranzen Raum ein, in dem nur ein schmaler
Gang zwischen ihnen frei bleibt. Nur eine Wand von I ist voll-
ständig bemalt; aufserdem sind figürliche Malereien nur in den
Giebelfeldern der drei Gemächer vorhanden,

die Wände lediglich mit buntfarbigen Streifen wßH% --------,

(s. Taf. 41) verziert, die Decke bis auf
einen rotbraun gemalten Firstbalken unver-
ziert. Die Farben sind unmittelbar auf die
geglättete Wand aufgetragen und haften bei
Berührung am Finger. Die Gemälde sind
demnach nicht al fresco ausgeführt. Eine ||
Vorzeichnung mit stumpfem Griffel ist deut- Jl
lieh erkennbar.

II

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W/MMW/Mm.

Gemach I.
Das Hauptbild (Taf. 41, Moscioni n. 5861a,
in zwei Hälften mit Giebel n. S606, 8607) be-
findet sich auf der Wandfläche zwischen den
beiden Thüren zu II und III (a in Fig. 1).
Der untere Teil dieser Fläche, in Höhe der
an den Langwänden hinlaufenden Bänke und
ebenso die schmalen Flächen über diesen,
rechts und links von den Thüren, ist mit
teils kahlen, teils mit Blättern versehenen
Sträuchern bemalt, an deren Zweigen zwei
Taenien und ein Kranz hängen. Darüber,
durch ein schmales Ornamentband getrennt, die
folgende figürliche Darstellung. Die Deutung

auf Achill und Troilos habe ich in der Sitzung des römischen
Instituts vom 13. März 1898 gegeben (vgl. Rom. Mitt. XIII, 96).
Links von der Mitte sieht man einen aus grofsen Blöcken
(Binder und Läufer wechseln,
jedoch nicht regelmäfsig, ab)
hergestellten, mit Basis und
Bekrönung {beide ganz gleich
gestaltet) versehenen Aufbau,
auf welchem zwei Löwen mit
dem Rücken gegeneinander ge-
lagert sind. Aus dem Maule
des nach rechts gewandten fliefst
Wasser in ein daneben stehendes
Becken. Diesem Brunnenbau nähert sich von rechtsher zu Pferde
ein nackter, mit Schuhen versehener und mit einem Oberarmband
geschmückter Jüngling (Troilos). Er führt mit der Rechten
die Zügel und hält in der Linken ein Kentron,
das am oberen Ende mit einer Art Krücke ver-
sehen ist. Links, hinter dem Brunnen steht
Achilleus, den linken Fufs auf dessen Basis
setzend, im Begriff, aus dem Hinterhalt hervor-
zustürzen. Er ist bärtig (der lange spitze Bart
kommt neben dem Backenschirm zum Vor-
schein), nur mit einem Lendenschurz bekleidet,
mit Helm und Beinschienen ausgerüstet, holt
mit der erhobenen Rechten zum Hiebe mit dem Schwerte aus,
dessen Spitze auf die Thürumrahmung übergreift, und hält in der
vorgestreckten Linken eine nur durch einen dünnen Strich ange-
deutete Lanze. Im Hintergrund links vor dem Brunnen sieht man
mehrere schematisch gezeichnete Sträucher, andere kleinere über
dem Brunnenbau. Rechts von diesem ist ein gröfserer, einer
Palme ähnlicher Baum mit fächerförmigen Blättern und zwei von
der Mitte des Stammes herabhängenden Früchten oder Blüten-
bündeln gemalt; ein kleiner Zweig und ein eigentümlich geformter
niedriger Strauch zwischen den Beinen des Pferdes. Eine Ranke
ragt hinter diesem in das Bildfeld hinein.

Fig. 2.

Fi?- 3

Am Kopf und rechten Hinterbein des Pferdes zeigt die
deutlich erkennbare Vorzeichnung, von der der Maler später ab-
gewichen ist, doppelte Conture, als ob ursprünglich die Dar-
stellung zweier Pferde, von denen das eine (das Handpferd) durch
den Körper des andern fast ganz verdeckt sein mufste, beabsichtigt
gewesen wäre. Dafs in der griechischen Vorlage Troilos noch
ein Handpferd bei sich führte, ist in der That überwiegend wahr-
scheinlich; jedenfalls gehört es zum ursprünglichen Typus dieser
Scene: Troilos reitet das Gespann seines Vaters zur Tränke,
daher ist er auch mit dem Kentron, dem Attribut des Wagen-
lenkers, versehen und gerade dies ist auf
IHHL J8f§l unserem Bilde deutlicher als auf irgend einer

der griechischen Darstellungen. Freilich zeigt
unter diesen wenigstens eine, nämlich die
Hydria aus Caere Ann. d. Inst. 1866, R,
auch nur ein Pferd, ebenso wie drei unter
den 16 von Schneider Tro. SagenkreisS. 122 f.
zusammengestellten der Verfolgungsscene. So-
mit mufs die Möglichkeit offen gehalten
werden, dafs auch unser Maler schon in
seiner Vorlage diese willkürliche Abweichung
vom ursprünglichen Typus vorfand. Um so
mehr als jenes singulare griechische Bild auch
in einem andern ihm allein eigenen Detail,
nämlich dem aus Blöcken aufgemauerten
Brunnen mit davorstehendem Becken, mit
dem etruskischen Wandgemälde übereinstimmt.
Nach oben ist das Bildfeld durch eine
Gruppe buntfarbiger Streifen begrenzt, an
die sich nach oben und unten das nament-
lich von den kyrenäischen Vasen her be-
kannte Granatapfel - Lotosknospen - Ornament
anschliefst. Dieses Ornament findet sich
auch an den Längswänden des Gemachs, an
der Eingangswand dagegen nur die farbigen
Streifen. Auf der breiten Fläche über dem Bilde steht die rot
aufgemalte Inschrift: ara &ptman(>)a . . . Ihecece ■ fariceka :, deren
Mitte leider zerstört ist.

Auf derselben Fläche über
den Thüren zu II und III be-
finden sich die folgenden Dar-
stellungen:

Über derThür zu II (s. Hülfs-
tafel Fig. 2, Moscioni n. 8606):
Ein nach links hin gelagerter
Stier, der Kopf in Vorder-
ansicht, und rechts davon eine
aus zwei Männern und einer
Frau bestehende obseöne Gruppe (diese gröfser Moscioni n. 5861).
Über der Thür zu III (s. Hi'ilfstafel Fig. 3, Moscioni n. 8607,
gröfser n. 5862): Ein Stier mit Menschenantlitz im Galopp los-
stürmend auf die paederastische Gruppe zweier
Männer, von denen der eine (mit langem,
wehendem Haar) sich nach rechtshin umsieht.
Die zuletzt erwähnte Fläche ist nach oben
wiederum begrenzt durch eine Gruppe farbiger
Streifen, die sich längs des oberen Randes aller
vier Wände hinzieht.

Die Giebelfelder sind durch je eine.ge-
malte Stütze für den gleichfalls gemalten First-
balken in zwei Felder geteilt; jene ist an der bevorzugten Rück-
wand (a) ausgeschweift und durch reiches ornamentales Beiwerk
verziert, an der Eingangswand dagegen ohne jeden Schmuck,
einfach viereckig.

Rückwand (Tafel 41, der ganze Giebel Hülfstafel Fig. t, ia,
Moscioni 8606, 8607, 1. Hälfte gröfser 5861). Links: Chimaera,
deren blaugemalter Ziegenhals gleich einem Flügel gestaltet ist
und wie ein solcher vorn an der Schulter ansetzt; der Schwanz
geht in einen (Schlangen?-)Kopf aus (ähnlich auf der Situla von
Defenneh Jahrb. 1895 S. 37, Fig. 1). Es folgt eine laufende
Sphinx, in der Ecke ein Zweig. Ein Gewächs mit fächerförmigen
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