Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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selben steht, nach der Mitte gewandt, ein Musiker, links ein
Kithara-, rechts ein Flötenspieler. Hinter dem letzteren hängt der
zum Krater gehörige sorgfältig verzierte Schöpflöffel, offenbar aus
Metall gedacht. Links von der Mittelgruppe sieht man, von ihr
abgewandt, eine reich gekleidete und geschmückte Tänzerin, weit
ausschreitend und mit den Armen agierend. Zur Rechten entspricht
ihr eine Gruppe von zwei einander zugewandten Personen, gleich-
falls in tanzender Beweeunsf: eine Frau im Chiton, welcher die
Formen des Körpers deutlich durchscheinen läfst, und einen nackten
ithyphallischen Mann. Er erhebt wie um zuzugreifen die Rechte,
während sie mit ausgestrecktem kleinen und Zeigefinger der eben-
falls erhobenen Linken die bekannte apotropaeische Gebärde (*le
corna*) macht. In der anderen gesenkten Hand halten beide ein
Gefäfs, sie einen kleinen schwarzgemalten Becher (aus buchero?),
er eine anscheinend metallene Kanne. Rechts an der Erde steht
eine gröfsere schwarze Schnabelkanne, einer Form, wie sie unter
der Klasse der eigentlichen (im Ofen gebrannten) Bucheri vor-
kommt.

Im Giebelfelde ist je eine Löwin mit auffallend grofsen
Zitzen gemalt, der Körper mit kleinen Kreisen bedeckt, welche
offenbar nur die Behaarung, nicht ein geflecktes Fell andeuten
sollen. Dieselbe Zeichnung findet sich an den Löwen der tomba
del Morente in Corneto (s. Brizio Bull, d. J. 1873, S. 196 ff,
der übrigens die Verzierung des Giebelfeldes nicht erwähnt).
Wand B (Hülfstafel Fig. 9, 10); Moscioni n. 8627, 8628:
Der obere Wandstreif ist durch zwei in wesentlich gröfserem
Mafsstab als die Figuren auf A gezeichnete gelagerte Männer
ausgefüllt, die durch die gemalte Mittelsäule von einander getrennt
sind. Beide sind mit an den Rändern reich verzierten Himatia
bekleidet, welche den Oberkörper freilassen, stützen den linken
Ellenbogen auf Kissen und haben das Haar mit einer Binde ge-
schmückt. An dem ersten (Fig. 9), dessen Oberkörper wohl er-
halten ist — der des zweiten (Fig. 10) ist grofsenteils von einer
weifslichen Ausschwitzung der Wand bedeckt bezw. zerstört —
erkennt man deutlich einen langen spitzen Kinnbart, dagegen nur
schwach entwickelten Schnurrbart; sein Haar fällt in langen Strähnen
vorn über Brust und Schultern herab. Er hält in der Linken eine
zierliche Trinkschale mit Fufs und abgesetztem Rand, in der nach
links hin ausgestreckten Rechten einen Ring. Zu seinen Füfsen
hängt an zwei Haken eine mit Punkten gemusterte und an den
Enden befranzte Taenie, über dem Oberarm ein Kranz. Der
andere hält in der Linken einen unkenntlichen Gegenstand, mit der
Rechten streckt er einen Zweig einem zu seinen Füfsen stehenden
nackten Knaben entgegen, der in der Linken zwei Flöten, in der
erhobenen Rechten mit zierlicher Fingerhaltung einen Ring hält.
Zum Unterschiede von dem Manne zeigt der Knabe helle Carnation.
Zu seinen Füfsen (zwischen denen des Mannes) wird am Boden
ein nicht ganz deutlicher, dem Steg einer Kithara gleichender
Gegenstand sichtbar. Im Felde oben hängen eine Binde und ein
aus ineinandergesteckten Blättern bestehender Kranz.

Die Typen der auf der Wand A dargestellten Gefäfse gehören
sämtlich dem sechsten Jahrhundert und zwar der ersten Hälfte
desselben an; daher darf auch unser Grab und seine Malereien in
dieses gesetzt werden. Den Einflufs ionischer Kunst läfst zu-
nächst das Palmetten-Lotos-Ornament erkennen, welches sehr ähn-
lich auf den Caeretaner Hydrien wiederkehrt, deren ionische Her-
kunft Dümmler, Rom. Mitt. III, 166 ff., erwiesen hat. Mit geringer
Abänderung findet es sich auf einer Felsfagade in Phrygien (vgl.
Alfred Körte, Athen. Mitt. XXIII, 1140".). Auch an den Figuren
erinnert die Zeichnung von Augen und Haar an die Weise der
genannten Vasenklasse.

(vgl. Grundrifs und Schnitte Fig. 1 — -3). Die Dekoration der Decke
mit abwechselnd grundfarbigen und roten Ouerstreifen ahmt die
Dachsparren nach; auch der Firstbalken zeigt solche Streifen der

Tafel 43. Tomba della Pulcella.

Entdeckt 1865, wieder geöffnet 1873; beschr. von Brizio,
Bull. d. y. 1873 S. 98—101; L. Dasti a. a. O. S. 314 n. 3
(beide Beschreibungen sind unvollständig und mehrfach ungenau).

Das Grab besteht nur aus einem Gemach, dessen Decke als
Satteldach gestaltet ist, der Firstbalken springt nach innen vor

Länge nach. In der Rückwand (A) ist eine Art Alkoven (a) an-
gebracht für die Beisetzung eines Leichnams; die Decke desselben
ist ebenso gestaltet und weist dieselben Quer- bezw. Längsstreifen
(an der Unterseite des Deckbalkens) auf wie das Grabgemach.

Alle vier Wände, sowie die Rückwand des Alkovens, sind
mit Malereien verziert, von denen die auf A und D wohl erhalten
sind, weniger gut die auf B und stark zerstört die auf der Ein-
gangswand C zu beiden Seiten der Thür.

Die Conture sind vorgeritzt, dann gemalt; bei der Ausführung
sind vielfache Korrekturen vorgenommen, wie unsere Tafel deut-
lich erkennen läfst.

Wand A (Taf. 43 Fig. 2, 3):

Die Dekoration dieser Wand wird durch den Alkoven (a)
bedingt, dessen Aufsenseite reich, aber in ziemlich unorganischer
Weise verziert ist. Die Giebelbalken (der zur Rechten kürzer als
der linke) ruhen auf niedrigen Säulen, sind unten durch eine
Volute begrenzt und endigen oben in einem Akroter, das aus
zwei nach oben offenen Voluten und einer in diese hineingesetzten
Palmette besteht. Längs der Balken läuft ein flüchtig gearbeitetes
Kyma und der Rand ist mit einem Wellenornament verziert. In
dem dreieckigen Felde, das durch den Giebel und die Vorderseite
des Firstbalkens des Alkovens gebildet wird, ist ein Gorgoneion
des archaischen Typus mit grofsen Flügeln an den Schläfen ge-
malt; unten rechts scheint der Rest einer Schlange zu erkennen
(Moscioni 8617; vgl. zum Typus Furtwängler bei Röscher II
Sp. 1712 ff. u Abb. Sp. 1716). Zu beiden Seiten des Alkovens
bleibt nur Raum für je eine Figur, welche in feierlicher Haltung
und Tracht (Chiton mit Überfall, dessen Kanten reich verziert
sind) ihre Instrumente zu Ehren des Toten, der im Alkoven ruht,
ertönen lassen. Dafs es Männer sind, nicht, wie Brizio angiebt,
Mädchen, oder wie Dasti, ein Mädchen und ein Mann (r.\ beweist
schon das dunkle Colorit, ebenso wie die noch genügend deutlich zu
erkennende Haartracht. Der zur Linken (Moscioni n. 8619) spielt
die Kithara, an der die Länge der senkrecht emporstehenden
Zapfen, an denen der Spannwirbel befestigt ist, auffallen; der zur
Rechten (M. 8620) die Doppelflöte. Hinter ihnen je zwei aus den
Seitenwänden herkommende Zweige.

Auf der Fläche zu den Seiten des Alkovengiebels sind noch
zwei jener eigentümlichen etruskischen Schmuckketten (aus runden
scheibenförmigen, an eine Schnur gereihten Gliedern bestehend)
und je ein fliegender Vogel gemalt.

Merkwürdig und eigenartig ist die Darstellung auf der Rück-
wand im Innern des Alkovens (Taf. 42 Fig. 3, Mose. 8618). Zwei
geflügelte Jünglinge halten herabschwebend mit beiden Händen
ein grofses, mit kreisförmigen Verzierungen versehenes Gewand-
stück aus schwerem Stoff, offenbar um es über den im Alkoven
ruhenden Toten zu decken. Auf einem griechischen Denkmal
würde man sie als Hypnos und Thanatos deuten dürfen.
Wand D (Taf. 43 Fig. 1, Mose. 8623, 8624):
Auf zwei mit Polstern und doppelten Kissen zum Aufstützen
des einen Ellenbogens belegten, mit reich gestickten Decken be-
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