Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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Abb. i. Drei Stirnziegel in der ursprünglichen Anordnung (vergl. S. 7 Anm. 2).

i9o2-i9o8

Tafel 49—53 A. DER APOLLOTEMPEL ZU THERMOS.

1. DAS GEBÄLK.
Tafel 49. Über die Ausgrabungen in Thermos hat deren
Leiter, Georgios Sotiriadis, in der'Eytj/iisyls ä(j%a.ioloyixi] 1900, 161
bis 212 und 1903, 71—96 eingehenden Bericht erstattet und er
rekapituliert hier zu den Tafeln 50—53 A die Resultate seiner Unter-
suchungen. Ich darf mich für das Folgende auf diese seine An-
gaben beziehen. Auch die architektonischen Terrakotten hat So-
tiriadis zutreffend besprochen; seinen neuen Darlegungen darüber

Abb. 2. Terrakotta-Geison.

schicke ich auf Taf. 49,2 einen zeichnerischen Versuch voraus,
Dach und Gebälk des Apollotempels in Thermos im Bilde wieder-
herzustellen. Untersuchungen, die ich im Auftrage des Deutschen
Archäologischen Instituts an den in Thermos sowie im Athenischen
National-Museum befindlichen Baustücken machen durfte, haben zu
dieser Rekonstruktion geführt.

Nach den Fundumständen muß ich der Meinung von Sotiriadis
beitreten, daß uns der jetzt erhaltene Tempelgrundriß, Taf. 49,1
(nach der Aufnahme des Architekten Alex. Lykakis, vgl. 'Eiprjfi. d(>/.
1900 Tafel zu S. 175) noch das Schema des älteren, zerstörten
Tempels überliefert. Der ältere Tempel muß mindestens vom VI.

Antike Denkmäler 1908.

bis ins III. Jahrhundert v. Chr. bestanden haben. Dann wird nach
Zerstörung des Oberbaues ein Wiederaufbau erfolgt sein, der z. T.
sogar die Unterschicht des Stylobats miteinbegriff; andere Teile
des Stylobats sind vermutlich erhalten geblieben. Nur bei einem
Wiederaufbau unter Beibehaltung alter Teile des Unterbaues ist es
zu erklären, daß noch im III. Jahrhundert ein Tempel mit so völlig
archaischem Grundriß errichtet werden konnte; bei einem voll-
kommenen Neubau wäre dies nicht verständlich.

Für die Rekonstruktion des Aufbaues entscheidend war die
Beobachtung, daß neben dem reichen Terrakottenmaterial nicht
das kleinste Stück von einem steinernen Gebälk gefunden worden
ist; wir müssen also für den Aufbau Holz zur Überdeckung der

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Abb. 3. Deckziegel und zugehöriger Stirnziegel.

Spannungen sowie zur Auflagerung der Dachsparren, im übrigen
als Hintermauerung das einzige Material, das sich mit einem Holz-
gebälk technisch verbinden läßt: Lehmziegel, annehmen. Das Dach
selbst sowie die Schmuckformen bestanden aus Terrakotta. Diese
Annahme wird durch die Auffindung der großen Tongeisa (Abb. 2)
gesichert. Ein so gestaltetes Stück von so großer Höhe und
Ausladung kann nur ein richtiges Geison gewesen sein; ein
steinernes Geison kann daneben nicht existiert haben.

Die Dachbildunor Jst im wesentlichen gesichert. Die mit
Silen- oder Männerköpfen geschmückten Endflachziegel und die
mit Frauenköpfen ausgestatteten entsprechenden Deckziegel passen
ganz genau aneinander, so zwar, daß die Rinnleiste aus einer
fortlaufenden Reihe von Köpfen besteht (s. Abb. 1). Die Form
der Deckziegel sowie ihr Anschluß an die Frauenkopf-Antefixe wird
durch Abb. 3 erläutert. Am First waren die obersten Deck-
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