Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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ziegel mit einer Palmette geschmückt, wohl in ähnlicher Weise
wie am Dach des Schatzhauses der Megareer, doch ist der An-
schluß der Palmette an den Firstziegel nicht mehr ersichtlich.1)
Auch die Ausbildung der Dachecke im Anschluß der Traufseite
an den ansteigenden Giebel ist nicht mehr erhalten. Ich habe
deshalb auf der Tafel diese Punkte bei Seite gelassen, in Abb. 4
jedoch angegeben, wie ich mir die Ecke gestaltet denke. Da

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Abb. 4. Schnitt durch das Gebalk.

Teile des Sphinxkörpers (Abb. 5) und zwar gerade an einer
Fempelecke gefunden sind, wird ein Bedenken gegen diese Lösung
kaum zu erheben sein.2) In den vorhandenen Traufziegel- und
Geisonstücken sind Nagellöcher nicht erhalten, es ist aber klar,
daß solche existiert haben müssen. In der Zeichnung habe ich
mit der Andeutung der Nagelung nur eine von vielen Möglich-
keiten angeben wollen.

sprechenden Sima des Schatzhauses der Megareer gleich ist. Die
Übereinstimmung ist so groß, daß der Schluß auf ein gemeinsames
Kunstzentrum für beide Bauten unabweisbar scheint. Für Thermos
hat Sotiriadis den starken Einfluß von Korinth nachgewiesen.
Unsere Sima ist eine weitere Bestätigung dafür; denn daß auch
für Megara die Abhängigkeit von korinthischen Werkstätten an-
zunehmen ist, wird keines Beweises bedürfen.

Die Traufziegel des Daches waren auf das Geison aufgelagert-
Zu dem einen an gleichem Ort mit den anderen Terrakotten ge-
fundenen Geisonstück, bei dem die Bemalung stark zerstört ist,
kamen einige andere verschleppte Bruchstücke zur Ergänzung
hinzu, so daß die Ornamentierung erkennbar wurde. Die Vorder-
fläche ist mit einem einfachen
Flechtband großen Maßstabes be-
malt, dessen Linienführung sich
mit Sicherheit feststellen läßt; es
sind, wie gezeichnet, zwei durch-
einander geschlungene Bänder.
Nach den geringen erhaltenen
Farbspuren glaube ich jedoch,
daß in der Bemalung drei Far-
ben statt der zu erwartenden zwei
abwechselten, in gleicher Weise wie
es die Bemalung der Unterseite
zeigt. Auch bei einem anderen
in Thermos gefundenen gemalten
Flechtband archaischer Zeit habe
ich die gleiche Inkongruenz

zwischen Zeichnung und Färbung bemerkt. Die Unterseite ist mit
einem Schema von langgestreckten Blättern im Wechsel von Gelb,
Rot und Schwarzbraun bemalt. Die Zwickelflächen zwischen Blatt-
kontur und Wassernase sind rot gefärbt, auch die Umrißlinien der
Blätter scheinen rot gewesen zu sein. Die Blattreihe wird durch
einen dunklen Streifen, dessen hintere Grenze nicht mehr festzu-
stellen ist, abgeschlossen. Die Vertiefung in der Anschlußfläche,
mit der jede Geisonplatte an das Nachbarstück seitlich anstößt,
ist nicht vor dem Brande eingeformt, sondern nachträglich einge
hauen. Soweit kann über die Rekonstruktion kaum ein Zweifel
■ herrschen.

Für den sonstigen Aufbau ist folgendes bestimmend. Erstlich
muß über den wie auch immer gestalteten Säulen ein hölzernes

Abb. 5. Sphinxtorso.

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Abb. 6. Giebelsima.

Die Giebelsima ist in mehreren Stücken erhalten (Abb. 6);
sie scheint mir besonders wichtig, weil sie in äußerer Form sowie
in Zeichnung und Bemalung des Ornaments fast genau der ent-

J) Es sind eine Reihe von Palmetten erhalten (Proben auf Phot. d. Athen. Inst.
Akarnanien 290), zum Teil im Tempel selbst gefunden, aber sämtlich unten abgebrochen.
Der einzige Firstziegel, der nach Athen ins Museum gelangt ist, gehört nicht zum Tempel,
sondern eher zu dem Bau, von dessen Walmdach Traufziegel mit Löwenköpfen erhalten
sind (s. unten S. 8). Er ist von mächtigen Abmessungen (Br. 0,31, größter erhaltener
Durchmesser 0,35 m), in vier kantige Wülste gegliedert, unbemalt und trug nie eine Palmette
oder einen anderen plastischen Schmuck; abgebildet 'Ecp. ötp^. 1900, 198.

2) Es muß jedoch hervorgehoben werden, daß die Sphingen, deren Länge auf
höchstens 0,40 m berechnet werden kann, für den großen Tempel etwas kleinlich er-
scheinen. Zudem ist ihr Stil entschieden weniger archaisch als der der Metopen. Vielleicht
stammen sie, ebenso wie ein Löwe ähnlicher Größe und jüngeren Stils (Phot. d. Athen.
Inst. Akarn. 281. 285) von einer Reparatur, oder von einem kleineren und weniger alten Bau.

Epistyl gelegen haben, sodann müssen für die Befestigung der
Tongeisa sowie für das Auflager der Dachsparren hölzerne Längs-
balken, in welche auch die Zapfen der Metopenplatten eingreifen
können, über dem Triglyphenfries angenommen werden.

Um schätzungsweise die Epistylbreite zu ermitteln, lege ich
die Maße der jefzt — wenigstens in ihren untersten Trommeln —
erhaltenen Steinsäulen zugrunde. Der untere Durchmesser beträgt
etwa 65 cm, wonach ich die Epistylbreite auf 56 cm schätze.
Um nicht unwahrscheinliche Holzdimensionen zu erhalten, lasse
ich das Epistyl aus zwei nebeneinander gelegten Balken von
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