Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 2): Monographie — Berlin, 1908

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3. DIE METOPEN.
Außerhalb des östlichen und zum Teil des nördlichen Stylobats, '
dicht neben ihm, wurden zahlreiche Fragmente von bemalten Ziegel-
platten gefunden. Aus solchen Stücken sind ziemlich vollständig
die sechs auf Tafel 50—52 A wiedergegebenen zusammengesetzt.
Daß sie Metopen und keine Friesplatten sind, beweisen ihre
breiten, einst in Holz gefaßten Ränder, wie denn auch ihre Dar-
stellungen mit den das Bildfeld umgrenzenden breiten Streifen
und Rosettenbändern als vereinzelte und nicht zusammenhängende
Bilder einer fortlaufenden Reihe anzusehen sind. Eine siebente
aus Fragmenten vollständig zusammengesetzte Platte zeigt Spuren
von den Flügeln einer Sphinx, die das ganze Bildfeld füllte. Die
übrigen Stücke haben meist ihren farbigen Schmuck verloren; er
ist gut erhalten auf den beiden Taf. 51 abgebildeten Fragmenten.
Die Platten sind rechteckig und haben nicht dieselbe Größe.
Zwei haben eine Breite von 0,99 m, eine Höhe von 0,87, zwei
andere sind 0,84 m breit, 0,88 m hoch, eine fünfte 0,995 m breit,
0,89 m hoch. Indessen bleibt an allen vier Seiten ein 0,10—0,12 m
breiter Rand übrig; er steckte in der die Metopen zusammen-
haltenden Holzumrahmung. So blieb nur eine fast genau quadratische
Fläche sichtbar, das Bildfeld, dessen Seiten, je nachdem, etwa 0,50,
0,60 oder 0,65 m betragen.

Das Bildfeld wird durch einen breiten Streifen an allen vier
Seiten umgrenzt. Rechts und links schließt sich ein zweiter 0,10 m
breiter Rand an, der mit sechs vertikal übereinander angeordneten
Rosetten geschmückt ist.

Die Platten bestanden aus einem Stück. An vier der großen-
teils erhaltenen und zwei kleinen Fragmenten hat sich am oberen
Rand ein zahnartiger Vorsprung erhalten, welcher zur besseren Be-
festigung der schweren Metope in der Holzumrahmung diente. Es
waren dieser Zapfen zwei an jeder Metope. Nur Tafel 50, 2 be-
stand aus zwei Stücken. Allein das kommt von einer Beschä-
digung der Metope, die eine Ausbesserung durch ein Ersatzstück
nötig machte.

Die Dicke der Platten beträgt 0,065—°i°7 mi die von Taf. 50, 2
nur 0,055 m-

Der Ton ist grobkörnig, ungeschlemmt, rötlich, mit vielen
kleinen Feuersteinsplittern durchsetzt.

Die vordere Seite trägt keinen Überzug aus besser ge-
schlemmtem Ton, wie ihn z. B. die klazomenischen Sarkophage
auf dem ebenfalls ungeschlemmten und grobkörnigen Ton in einer
Dicke von 2—3 mm tragen. Anstatt dessen hat der Verfertiger
die ganze vordere Seite einfach mit einer reinen Tonsauce
getränkt und sorgsam geglättet. Auf die so gewonnene, ganz
saubere und spiegelglatte Oberfläche hat er dann eine papier-
dünne Schicht von jenem gelbweißen Ton aufgelegt, den wir als
Material der besten korinthischen Vasen kennen und der wohl aus
den korinthischen Tongruben stammte. Diese überaus feine
gelbweiße Tonschicht, die den Grund für den Auftrag der Farben
bildet, sitzt nicht ganz fest .auf der geglätteten Oberfläche der
Platte; sie hat sich meistens abgeschält und ist nicht überall er-
kennbar; gut hat sie sich auf der Gorgoneion- und der Jägerplatte
rechts erhalten, zum Teil auch auf der Metope mit den zwei weib-
lichen Personen, bei der Inschrift %ifodFwv, da kann man sie leicht
als eine papierdünne Haut erkennen.

Der Maler hat sich dreier Grundfarben bedient: der roten,
schwarzen und weißen. Rot erscheint in drei Nuancen: als braun-
rot, orange und purpurrot.

Braunrot sind die breiten äußersten Ränder der Platten,
welche in der Holzumrahmung eingefalzt waren. Durch wieder-
holtes Auftragen derselben Farbe sind die schwärzlichen breiten
Streifen entstanden, welche das Bildfeld umgrenzen. Die nackten
Fleischteile der Männer haben eine orangerote Farbe bekommen.
Das Purpurrot ist in den Rosettenbändern, an den Gewändern und
zum Teil in der Innendekoration angewendet worden. Schwarz
wurden das Haar, der Bart und die Augenbrauen gefärbt. Das
Weiß ist eigentlich nur für die nackten Fleischteile der Frauen
gebraucht worden; sonst ist es verhältnismäßig wenig zur An-
wendung gekommen, und es läßt sich nur an den Flügelschuhen
des Perseus, zum Teil an den gekräuselten Haarlocken der als
y_tfot5Fwv bezeichneten Frau und in einigen anderen Kleinigkeiten
Antike Denkmäler 1908.

erkennen. Reichlich angewandt ist die weiße (und daneben eine
lehmgelbe) Farbe nur auf der Metope der drei thronenden Gott-
heiten, und zwar in den Mustern der Gewänder; allein diese Platte
fällt ganz aus der Reihe der übrigen Metopen, da sie offenbar eine
Ausbesserung oder eine vollständige Renovation in viel späterer
Zeit erfahren hat.

Die Farben werden auf den frischen, noch nicht gebrannten
Ton aufgetragen worden sein. Außer dem Weiß, welches mit der
gelbweißen Haut darunter meistens abgerieben ist, sind alle anderen
Farben fest mit dem Ton inkorporiert geblieben.

Spuren von einer ganz allgemeinen Vorzeichnung mit dem
Griffel auf der noch frischen Platte sind zu erkennen. Die eigent-
lichen Umrisse hat aber der Maler erst mit dem Pinsel hergestellt,
indem er durch feine schwarze, zum Teil auch rote Linien, die
Konturen umrissen hat. Nachdem er auch im Innern der Dar-
stellung die Gewänder und ihre Ornamente in ähnlicher Weise
vorgezeichnet, hat er dann auf den Grund die angegebenen Farben
aufgetragen.

Den gelbweißen Malgrund haben die Metopen gemein einer-
seits mit den aus rötlichem Ton hergestellten großen Vasen der
altkorinthischen Kunst, andererseits mit den aus Pente-Skuphiä
bei Korinth stammenden Votivtäfelchen und auch mit dem be-
malten Tonpinax von der Akropolis (E(prijn. ä^x- 1887 Taf. 7).
Auch inbezug auf die Anwendung der Farben stehen sie in naher
Beziehung zu der genannten Reihe korinthischer Vasen und weichen
ab vom Stil der gleichzeitigen ionischen Keramik. In dieser
Hinsicht wären die Metopen z. B. mit der Eurytios-Kelebe im Louvre
zu vergleichen, welche als besonders hervorragendes Beispiel unter
den besten altkorinthischen Vasen eine gute Idee von der in Korinth
geübten Großmalerei gibt, auf die ja die Metopen hinweisen. Der
Gesichtstypus findet ebenfalls Analogien auf diesen Vasen sowohl
wie auf den Votivtäfelchen. So bildet die Profillinie von Stirn
und Nase keine fortlaufende Krümmung, wie beim ionischen Typus
des VI. Jahrhunderts, sondern verläuft gerade, mit einem leichten
Knick an der Nasenwurzel. Auch die bei Männern und Frauen
gleiche Augenbildung entspricht den korinthischen Pinakes.

Die Darstellungen der einzelnen Metopen sind folgende:

1. Taf. 50, 1. Zwei Frauen stehen einander gegenüber,
etwas vorgebeugt, und scheinen auf vorgestreckten Armen einen
leider zerstörten Gegenstand (oder deren zwei) zu halten. Sie
tragen lange gegürtete ärmellose Chitone, über dem Gürtel ein-
farbig purpurrot, mit reich gestickten Säumen am Hals- und
Schulterausschnitt. Unter dem Gürtel ist der Rock bunt gemustert
in kleinen rot-weiß-schwarzen Dreiecken; unten ein breiter Saum
von Strahlen und Stabornament. Die Füße sind bloß; um das
Haupthaar, das sich auf der Stirne lockt, und um die lang auf
Schultern und Rücken herabfallenden Locken legen sich zwei breite
Binden. Dunkel ist die Deutung. Bringen die Frauen etwa Weihe-
gaben zu einem zwischen beiden zu denkenden Altar? Der bei-
geschriebene Name XthöFu'n' (wenn nicht etwa XehüFÖvwv) kann
ein einfacher Frauenname ohne mythologische Bedeutung sein.
Allerdings ist man versucht, in den beiden vorgebeugten Frauen
Aedon und Chelidon zu erkennen, die Itys töten oder seinem Vater
das grausige Mahl richten (vgl. Höfer in Roschers Lexikon III 2344f.).

2. Die Metope Taf. 50, 2 zeigt drei nach rechts hin thronende
Göttinnen, in prächtig gestickten Gewändern; lange Locken fallen
auf Schultern und Rücken, die beiden vorderen Göttinnen halten
in der Rechten eine flache, henkellose Schale, die dritte erhebt
beide Hände (die weggebrochene Linke hielt einen Gegenstand,
dessen kurzer Stiel noch erkennbar ist). In allem zeigt sich eine
viel jüngere Arbeit als die der übrigen Metopen. Wenn diese
als gleichzeitig mit den großen Vasen der altkorinthischen Kunst
anzusehen und wohl etwa in den Ausgang des VII. Jahrhunderts zu
setzen sind, so weist uns die Verzierung der Gewänder und des
Thrones hier frühestens in das III. Jahrhundert. Die unvollständigen
Rosetten rechts unten und links oben, die einen (abgebrochenen)
unteren Rand, wie an den übrigen Platten, bezeugen, noch mehr
aber die altertümlichen Motive in der Musterung der Gewänder
zeigen, daß ein älteres Plattenstück überarbeitet und vollständig
renoviert worden ist. Auf dem linken Rosettenrand sind die Um-
risse älterer Rosetten zu erkennen. Das Haar ist viel freier be-
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