Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 3) — Berlin, 1926

Seite: 5
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Tafel 7. 8. ALTGRIECHISCHES MARMORWERK IN BOSTON.

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Dieses dreiseitige Reliefwerk steht seit zwei Jahren im Fine
Arts Museum zu Boston, dessen Leitern die Erlaubnis zur Ver-
öffentlichung, die photographischen Aufnahmen und andere Mit-
teilungen verdankt werden. Ausfuhrlich besprochen ist es vom
Unterzeichneten im Jahrbuch XXVI 1911 50—192, (fortan kurz-
weg mit dem Namen der Zeitschrift zitiert). Dort ist zu Anfang
die erheblichere Literatur angeführt. Das Denkmal befand sich
vorher viele Jahre in der Sammlung Warren zu Lewes in Sussex,
wohin es aus dem römischen Kunsthandel gelangt war. Über den
Fundort ist nichts bekannt. Doch erkennt man in dem Reliefwerk
(B) ohne weiteres das Gegenstück der berühmten Ludovisischen
»Thronlehne« (L) im Nationalmuseum der Diokletiansthermen, die
Petersen in diesen Denkmälern II Taf. 6 und 7 herausgab und in
den Römischen Mitteilungen VII 1892, 32—So erläuterte.

Beide Werke sind aus dicht durchkrystallisiertem Inselmarmor,
wohl von Paros, gearbeitet, beide im allgemeinen gleich, hellgrau-
braun verwittert. B ist im wesentlichen vollständig auf uns
gekommen. Nur der linke Flügel ist ärger verstümmelt als an
L, namentlich durch einen alten, vom Boden ausgehenden unregel-
mäßigen Riß, den John Marshall überzeugend auf einen beim
Transport abgeglittenen Hebehaken zurückführt (Jahrbuch S. 53).

Die tektonischen Formen beider Denkmäler stimmen im wesent-
lichen überein, wie die hier aus dem Jahrbuch S. 54—57 wieder-
holten Ansichten von oben und halb von hinten, diese leider etwas
zu verschieden aufgenommen, veranschaulichen helfen (Abb. 1—4).
Das wagrechte Hauptmaß ist an den vernachlässigten Innenseiten
fast gleich, in B durchschnittlich 1,11 m gegen 1,05 in L. An
den oberen Ecken der Außenseite ist B 1,40, L 1,33 breit. Die
Höhe dagegen ist bei L größer, außen links 0,835, rechts 0,86,
am Giebel, nach der im Archäologischen Institut der Universität
Leipzig vorgenommenen Ergänzung des Abgusses, 1,03, an B ebenso
nur 0,96, während die beiden Außenecken nur 0,82 hoch liegen.
Diese Verschiedenheiten ergeben sich durchweg aus der Ungleich-
heit der Giebelreliefkompositionen. Der Giebel von B ist an der
Vorderseite gekappt durch eine sehr glatt gearbeitete, etwas nach
hinten geneigte Bettung von 0,325 L. und 0,08 Br. Sie hat in
der Mitte ein Zapfenloch, 0,025 1., 0,02 br., 0,015 tief, das an den
Kanten seines Bodens sechs schräge Bohrlöcher für Bleiverguß um-
geben. Diese Bettung kann schwerlich etwas anderes als ein Akroter,
vermutlich in Palmettenform, getragen haben. Die entsprechenden
Eckakroterien waren nur mit je einem Eisenstift befestigt, von dem
sich auf L links im Bruch noch ein Rest, sonst nur die Bohrlöcher

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