Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 3) — Berlin, 1926

Seite: 8
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Tafel 9. ATHENA IN DER STÄDTISCHEN SKULPTURENSAMMLUNG

ZU FRANKFURT A. M.

Nur einige kurze Erläuterungen sollen an dieser Stelle die
schöne Athenastatue begleiten, die seit wenigen Jahren den wertvollen
Besitz der jungen Frankfurter Skulpturensammlung bildet Dort
hat sie Aufstellung gefunden als das (ieschenk einer Anzahl von
Kunstfreunden, denen für ihre hochherzige Spende nicht nur ihre
Vaterstadt Frankfurt /u Dank verpflichtet ist. Mit freundlicher
Genehmigung der Museumsverwaltung dürfen wir die Statue hier
\ eröffentlichen, die bisher nur durch verhältnismäßig kleine Abbil-
dungen bekannt geworden ist.

Das Werk hat, sobald es aus seiner bisherigen Verborgen-
heit hervorgetreten war, die allgemeine Aufmerksamkeit erregt,
die es in künstlerischer wie in kunstgeschichtlicher Beziehung ver-
dient. Als erwiesen dürfen wir heute ansehen, daß wir in der Statue
eine Replik der ehernen Athena besitzen, die Myron auf der

Akropolis von Athen mit dem Original des durch die Statue des
Lateran bekannten Marsyas zu einer Gruppe vereinigt hatte. Damit
ist uns ein neues Werk eines der bedeutendsten und originellsten
Meister der Blütezeit griechischer Plastik wiedergegeben; die
erste weibliche Figur des Künstlers wird uns bekannt und zu-
gleich eine der köstlichsten Schöpfungen antiker Kunst überhaupt,
die sich würdig neben tlen Marsyas und den Diskobol des Meisters
stellt. Myrons Schöpfung ist in der Frankfurter Athena in einer
guten Marmorkopie der frühen Kaiser/eit erhalten, die, wenn sie
auch in Einzelheiten wohl etwas frei ist und manche Feinheiten des
Originales verwischt, namentlich die Ruckseite vernachlässigt, doch
dem Gesamteindruck des Originales gerecht wird und gegenüber
vielen korrekteren, aber trockenen Kopien, wie sie uns die römische
Kaiserzeit erhalten hat, etwas von dem Reiz eines originalen Kunst-

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