Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 3) — Berlin, 1926

Seite: 10
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von der phidiasischen Gruppe löst1). Was sie von den phidiasi-
schen Figuren ihrem inneren Wesen nach trennt, verbindet sie mit
der Athena des Myron. Es wird kein Zufall sein, daß auch ihr
feines Profil mit dem der myronischen Verwandtschaft zeigt.

Die Marsyasgruppe wiederherzustellen war ein Wunsch, der
begreiflicherweise sofort nach Entdeckung der Frankfurter Athena
rege wurde. Ebenso selbstverständlich konnte es sich bei der
schon angeführten Münchener Rekonstruktion nur um einen ersten
Versuch handeln, da sie noch mit unzureichenden Mitteln arbeitete.
Jetzt muß die seither zuganglich gewordene Frankfurter Athena
und ihr Abguß den Ausgangspunkt zur Ergänzung der fehlenden
Teile bilden, und diese Arbeit ist von verschiedenen Seiten auf-
genommen 2).

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, und auch ich
kann an dieser Stelle nur kurze Andeutungen geben über einiges,

■) Ich kann für die Frage jcUt auf den eben erschienenen Auf-.ati bchr.iders in den
Öitcrr. Jahresheftcn XIV 1911 verweisen.

*) Mittlerweile sind auch Rekonstruktion** ersuche »on Bulle (Der schone Mensch,
II. Aufl. S. 247 Abb. 55) und Klein (Kunstwart 1911 November) erschienen

was mir, der ich das Original oft und eingehend studiert habe,
aber keine praktischen Ergän/ungsversuche machen konnte, mög-
lich oder nicht möglich scheint.

Die einzige wirkliche Schwierigkeit bilden die beiden Arme.
Am wenigsten befriedigte an der Münchener Rekonstruktion die
Ergänzung des rechten Armes, der dort ziemlich stark nach außen
gestreckt die aufgestüzte Lanze schräg vom Körper weg hielt. Dem
widersprach schon in gewissem Sinne die erhaltene rechte Hand,
deren Daumen, von den übrigen, den Schaft fest umschließenden
Fingern im rechten Winkel weggespreizt, sich eng gegen den
Stab, den die Hand halt, legt. So hält man die Lanze nicht in
der rekonstruierten Stellung ohne sehr gezwungene Drehung der
Gelenke. Schon Pollack schlug eine Ergänzung vor, die die rechte
Hand nahe an den Korper und die Lanze schräg vor den Körper
brachte und dem Silen näherte. Er wurde in seiner Vermutung
nachtraglich bestärkt durch das Vorhandensein eines kleinen
Stutzenrestes in den Falten des vorderen Peplosuberschlages unter
der rechten Hüfte (auch in unseren beiden Abbildungen der

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