Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 3) — Berlin, 1926

Seite: 12
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Tafel 10. iL.LYRISCHER SARKOPHAG UND SARKOPHAG DER KLAGEFRAUEN,

AUS SIDON, IN KONSTANTINOPEL, OTTOMAN, MUSEUM.

Hamdy Rey et Th. Reinach, Une necropole royale ä Sidon
S. 209 ff. Taf. XII—XVII, S. 238 ff. Taf. IV—XI.

Die aquarellierten Vorlagen, nach denen die Tafeln von der
Hofkunstanstalt Albert Frisch in Farbenfaksimilednick hergestellt
worden sind, habe ich im Herbst 1910 anfertigen können, dank
dem Entgegenkommen und der weitgehenden Unterstützung,
die der Leiter des Ottomanischen Museums, S. Exzellenz Halil
Rey, und Edhem Rey der Arbeit haben zuteil werden lassen.
Den Vorlagen liegen neue, von der Firma Sebah et Joailler in
Konstantinopel ausgeführte photographische Aufnahmen zugrunde,
für die Hauffsche lichthoffreie orthochromatische Platten verwendet
worden sind.

Taf. 10. Lykischer Sarkophag, aus parischem Marmor. Von
der einstigen Remalung sind blaue und rote Farbreste erhalten,
am reichlichsten an der auf unserer Tafel wiedergegebenen einen
Frontseite des Deckels mit dem wappenartig komponierten Rüde
der beiden Sphinxe. Das Blau hat einen dem Kobalt am nächsten
kommenden, aber um eine kleine Nuance wärmeren Ton. Mit
ihm war der ganze Grund des Reliefs abgedeckt. Davon ist in
der Hauptsache nur ein Schimmer zurückgeblieben, unter dem in
größeren Flächen das Weiß des Marmors in fast kreidigem Ton
hervorkommt. An manchen Stellen jedoch, an den Umrissen,
namentlich zwischen den Reinen der Figuren liegt die Farbe in voller
Substanz noch auf. Gegen den Grund hob sich die Darstellung
in weißem Marmorton mit nur sparsam angebrachter Remalung
ab. Der jetzige goldgelbe Ton der Oberflache, der auch in der
Abbildung wiedergegeben ist, rührt von der Patinierung des
Marmors her; er vertieft sich stellenweise fast ins Rot und geht
da fast in die in Rot ausgeführte Remalung selbst über. Geringe
Reste von dieser sind in den Locken und an den Augen der
Sphinxe erhalten, gar nichts mehr an den Lippen. An den
Flügeln ist die ausführlichere einstige Remalung der Federn
mehr an den negativen Spuren, an den unter der früheren
Farbendecke geschützt gewesenen und daher licht zurückgebliebenen
Stellen, als an Farbresten selbst zu erkennen. Ahnlich ist es mit
der Dekoration der flachen Streifen der Umrahmung und der
mittleren Teilung der Bildfläche: man sieht an einigen Stellen rote
Farbenflecken und daneben unpatiniert gebliebene helle Teile.
Auf dem Mittelstreifen war eine Palmettenkomposition in die Höhe
gefuhrt, die aber in ihren genaueren Einzelheiten unsicher bleibt.
Deutlich dagegen vermag man auf den seitlichen Umrahmungen
und auf dem breiteren unteren Streifen ein Flechtband zu erkennen,
das aus einem zweifarbigen Geschlinge zusammengesetzt war. Die
zweite Farbe, die vermutlich ebenso an den Flügeln zur Unter-
scheidung der einzelnen Reihen der Federn verwendet gewesen
ist, wird am wahrscheinlichsten wieder Blau gewesen sein.

An den übrigen Teilen des Sarkophags sind nur sehr wenig
Farbreste erhalten. Auf dem Kentaurenbilde unterhalb des Sphinx-
giebels sieht man ein paar Spuren von Blau neben den Umrissen
der Figuren und ein größeres Stück Rot auf der Innenflache
des Felles im Rücken des rechts stehenden Kentauren An der
anderen Schmalseite sind nur schwache Spuren namentlich von
den Ornamenten der Deckelstreifen zu erkennen. Aus dem völ-
ligen Fehlen von Farbresten an den beiden Langseiten vermutet
Reinach S. 215 Anm. 4, daß diese überhaupt unbemalt ge-
blieben wären.

Bezuglich der Ausfuhrung der Bemalung spricht Reinach von
einem pimcau malhabile und von einem dessm plus gut wmmairc
der Ornamentik. Ich kann dieses Urteil nicht begründet finden.
Die deutlich gebliebenen Teile zeigen eine durchaus präzise und
sorgfältige Behandlung und lassen annehmen, daß die Bemalung
mit der bei manchen Härten der Formengebung und einem ge-
wissen Mangel an genauerer Detaildurchbildung überaus reizvollen
plastischen Ausführung, die namentlich in der fein empfundenen
Zeichnung der Linien der Umrisse und in der Zartheit der Relief-
behandlung eine hohe Schönheit erreicht, im Einklang war. Eine
entsprechende Art der farbigen Ausstattung vorwiegend in Blau
und Rot ist gerade an lykischen Denkmälern in verhältnismäßig
häufigen Beispielen, die Benndorf, Heroon von Giolbaschi-Trysa
S. 54 zusammengestellt hat, nachgewiesen und findet sich unter
den Sarkophagen der Sidonischen Nekropole ganz gleichartig —
in freilich nur sehr geringen Resten — auch am Satrapensarko-
phag wieder. Wir sehen in ihr die in der archaischen Marmor-
kunst ausgebildete Polychromie unverändert bewahrt. Der lykische
Sarkophag ist in der Reihe der Denkmäler, die sie überliefern,
das entwickelteste Stück. Er steht der Stufe und besonderen
Stilart nach dem Parthenonfries sehr nahe. Man wird von ihm
vermutlich auch auf dessen Remalung zurückschließen, diese
wenigstens in den Hauptzügen der farbigen Behandlung sich
ahnlich vorstellen und annehmen dürfen, daß die plastische
Kunst allgemein für ihre dekorativen Aufgaben bis gegen
Ende des fünften Jahrhunderts im wesentlichen an der Tra-
dition der einfachen, vorwiegend auf Blau und Rot gestimmten
Buntfarbigkeit festgehalten hat. In der Folge aber sind die in
der Malerei schon vorher aufgekommenen koloristischen Neu-
erungen auch in die Plastik voll übernommen und haben zu
einer veränderten Polychromie geführt, die wir in einem zu-
sammenhängenden Bilde zuerst aus dem Sarkophag der Klage-
frauen kennen lernen.

Taf. 11. Sarkophag der Klagefrauen, aus pentelischem
Marmor. Die Kammer, in der der Sarkophag über einem von
früherer Benutzung der Grabstätte herrührenden anthropoiden
Sarkophage zusammen mit einem kleineren unverzierten Marmor-
sarge aufgestellt war, ist mehr als die übrigen Kammern*der
Nekropole eindringender Feuchtigkeit ausgesetzt gewesen. Spuren
davon zeigt ein Stück Versinterungskruste an der einen Ecke
des Deckels. Die Farben haben der Feuchtigkeit ungleich
widerstanden, das Blau ist bis auf ganz winzige Reste
verschwunden, während sich das Gelb und namentlich die roten
Töne besser gehalten haben. An den auf unserer Tafel
abgebildeten Seiten (A), von denen die eine Giebelseite ganz, die
links anstoßende Langseite zur größeren Hälfte wiedergegeben
ist, sind die Farbreste reichlicher als auf den beiden anderen
Seiten (B). Die Malerei scheint in den letzteren Jahren etwas
zurückgegangen zu sein. Der Zustand nach der Auffindung ist in
den freilich nur auf die Bemalung der architektonischen Teile
eingehenden Angaben Hamdy's S. 28 f. verzeichnet. Dazu gibt
Reinach S. 251 f. eine Ergänzung, die aber in der Reschreibung
der Farbreste der figürlichen Teile manches Wichtige, heute noch
deutlich Sichtbare unerwähnt laßt. Die Necr. Taf. XI ver-
öffentlichte farbige Abbildung von zwei Seiten des Deckels (es
sind derselbe Giebel A, wie auf unserer Tafel, und die andere
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