Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 3) — Berlin, 1926

Seite: 22
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gebrochen, hinten in der Mitte ein Teil der tunica, — Das Kinn
ist verbeult; Kopf und Körper sind durch Kugeln und Risse be-
schädigt und über und über durch dichte Schläge mit einem kleinen
Instrument (Meißel*-) verletzt; nur die Faltentiefen am paludamentum
sind verschont. —

Das Erhaltene war in mindestens 7 großen Stücken gegossen.
Der Körper besteht aus drei Teilen; eine Naht lauft etwa 75 cm
über dem Hemdrande, eine zweite 1,30 m höher quer über das
paludamentum weg. Die Nähte
sind außen mit länglich recht-
eckigen Einsatzstücken geschlos-
sen. Der linke Arm ist viel-
leicht im .Gelenk gestückt, der
Zipfel des Tuches besonders
angefügt. Der rechte Arm war
für sich gegossen und über
einen kegelförmigen Stumpf ge-
schoben; er sitzt nicht richtig,
so daß die rechte Schulter zu
kurz wirkt; nach dem Modell
sollte er wohl weniger stark,
etwa nur horizontal gehoben
und vielleicht auch etwas nach
vorn gedreht sein; die Gußteile
schließen nur hinten an der
Schulter genau; eine in der
Achselhöhle bleibende Lücke ist
ziemlich roh mit einem halb-
mondförmigen Bronzekeil ge-
füllt; dies geschah wohl bereits
bei der ersten Zusammensetzung.
— Kopf und Hals sind aus
einem Stück und im Torso
auf einem etwa 12 cm breiten
Kragen befestigt. Kleinere Teil-
stücke waren der Oberschädel,
die Mittelscheibe am Diadem,
die Perlen an den Pendilien,
die Fibel.

Die Bronze ist im Verhält-
niß zur Größe der Statue ziem-
lich dünn, am Kopf z. B. nur
1 — 2 cm, an den Stoffenden
Va cm, an den Troddeln des A

Futterrockes 4 cm stark.

Das Innere des Kolosses ist zugänglich und würde eine fach-
männische Untersuchung verdienen. Man sieht im Rumpf drei
Hauptverstarkungen in horizontaler Richtung, von denen die untere
und obere den schon envähnten Nähten entsprechen, die mittlere
in Hüfthöhe läuft. Es sind knapp 1 cm starke, 5 cm breite, mit
der Innenwand der Statue verlötete Bronzereifen; darüber und
darunter sind Klammern angebracht, die an den Seiten enger
stehen als im Rücken und vorn, je zwei vertikal übereinander; in
jedem Klammerpaar steckte ein riesiger Eisennagel, der über den
Reifen fortging und ihn festhielt, an einigen Stellen sind die großen
senkrechten Nagel wieder durch ähnliche, kleinere, horizontal über-
greifende Verbindungen gesichert, die z. T. am Reifen sitzen.
Klammern und Nagel sind mit mächtigen, runden, eckigen oder
formlosen, anscheinend weich gehämmerten Metallkloben überdeckt.
Die Eisennägel sind in Blei gebettet, einer steckt noch in einer
besonderen Bronzehülse. Die Klammern sind fast alle rechteckig,
nur wenige rund, und scheinen mit der Statue gegossen zu sein.
Die großen Eisennägel sind breit, vierkantig, mit viereckigem
Kopf, unten spitz, etwa 40 cm lang. — Senkrechte Versteifungen
aus Metallkloben, vielleicht gelegentlich mit kurzen Horizontal-
verbindungen, finden sich vorn und hinten in der Mitte des Rumpfes;
sie reichen vom Halsansatz bis zum Hemdrande herab. — Einzelne
große Kloben sieht man auch sonst an allen Ansatzstellen, besonders
in der rechten Achsel.

Der Kern ist ziemlich sorgfaltig aus der Statue entfernt, doch
findet man in den Tiefen noch Reste von reinem, hartgebranntem

Ton. — Spuren von Stützstabchen für den Kern lassen sich fest-
stellen, sie sind meist oblong und regelmäßig verteilt; oft sind die
Plomben ausgefallen1). Ähnliche Spuren rühren von geflickten
Gußfehlern her.

Das Modell war sehr weit ausgeführt, so daß man gewisse

Einzelheiten jetzt innen am besten beobachten kann. Außen ist

die Nachziselicrung anscheinend ziemlich oberflächlich gewesen.

Der Rücken ist ebenso durchgebildet wie die Vorderseite;

die Statue war also zur freien

Aufstellung geeignet.

Der Kaiser tragt zweiUnter-
gewänder, ein dünnes Hemd mit
langen, faltigen Ärmeln, die wohl
richtig bis ans Handgelenk er-
gänzt sind, und eine tunica, die
unter dem Panzer vorkommt;
sie ist auf der linken Seite wenig-
stens unten geschlitzt und hat
ganz kurze, ungesäumte, oben
aufgeschnittene Ärmel. — Der
Panzer besteht aus einem nie-
tallnen Oberteil und aus einem
Futterrock mit Ledergehängen
zum Schutz von Unterleib und
Oberarmen. Die Lederstreifen
sind der Länge nach mit star-
ken rechteckigen Rändern ein-
gefaßt, unten mit einer durch-
gehenden dreifachen Kante ver-
bunden, wohl auf in Falten
geplätteten Stoff genäht; sie
schieben sich gruppenweise in
verschiedener Richtung überein-
ander. Unten hängen dicke
runde Troddeln, je zwei im
Gegensinne schraubenförmig
eingerollt, die Enden voluten-
artig, der Breite nach kommen
auf einen Lederstreifen 6 Trod-
deln, der Tiefe nach sind 1 bis
5 Reihen sichtbar, am meisten
etwas hinter der Hüftlinie, vorn
zwei, an den Ärmeln nur eine.
*• — Der Harnisch ahmt die nack-

te Körperform nach, bedeckt
den Bauch, reicht hinten bis zur Taille; die untere Grenze bilden
zwei stumpfwinklig profilierte, vorn wenig, hinten mit starkem
Absatz vortretende Ränder. Die Armöffnung ist mit Rundstab
und glattem Streifen profiliert. „Schuppen" hängen am untern
Rande und um die Armöffnung, dort enger, kleiner und von etwas
abweichendem Modell. Es sind dicke runde Klappen mit einem

Abb. 3. Unter« Panierscharnicr.

durchlaufenden, breiten, flachen, rechteckigen Rand, der vorn die
Pan/ergrenze berührt, hinten wenig, an i\en Hüften stärker absteht;
in jeder Schlaufe sit/t eine große birnförmige Perle. Jede Klappe
ist mit einem Gorgoneion in Relief verziert. Die Masken sind
sehr summarisch und ungleich ausgeführt; an den besterhaltenen

>) vgl. zur l ■-■■ liinl, z. B. Hermann 1,11er, lecliniL der lironitpltutik S. ai, (Moi
gra^him de* Kunstgewerbe-.).
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