Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 3) — Berlin, 1926

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Abb. 7.

Valentinian I, Gold. Rom. — London, Hnt. Mus. — Rover» von Abb, 9, 4c
Derselbe, Uuldraca.il]Ion, Antioclu.i. — Brunei, Musees Ro\aux. — Revers von Abb. 9, 3a.
Valens Gold. Siscia — London, Btil Mut, — Ähnlich Coli. Montagu nr. 916.
TheodosiU* It. Gold R.uenna. — London, Hrit. Mus. — Ahnlieh Coli. Monl.igu nr. 1046.
Valentinian I[I. Gold. Rom. — London, Hrit. Mus. — Ähnlich Coli. Montagu nr. 994.
Honoriu*. Gold. Ravcnna. — Paris, Hibl. \.it. — Ahnl^h Colt Montagu nr. 967.
Hononus. Gold Ravenna. — London, Hnt. Mus. — Wie 6.
Glycenus. Gold. Ravcnna. — Berlin, Kgl. Münikab. — Miniich Coli. Montagu nr. 1025.

Abb. g Nr. i. 6 a. — Vielleicht war die Agraffe aus anderem
Material als die Statue.

Außer dem Diadem könnte, da die Klammern für die Be-
festigung der Calotte übertrieben stark erscheinen, noch der
Helm dagewesen sein, eine Tracht, die seit Constantius II. häufig
nachzuweisen ist1), vgl. Abb. 8. Ein Bedenken dagegen wäre
nur, daß die gepanzerten Imperatoren aufMünzreversen stets das
Diadem allein tragen, nicht auch den Helm.

Einzelheiten an der Statue sind bemalt gewesen, nachweislich
die Augen, ursprünglich aber wohl mehr1); von Vergoldung haben
sich keinerlei Reste erhalten, doch wird sich die eigentümlich
regelmäßige Beschädigung durch Meißelschlage kaum anders als
dadurch erklaren lassen, daß man einen Goldbelag sehr sorgfaltig
entfernt hat; vielleicht war auch die Vergoldung nur eine teilweise,
da die Meißelschlage in den Faltentiefen aussetzen dazu wären
die Darstellungen goldener Gewänder auf Mosaiken zu vergleichen,
mit den stumpf gelassenen Schatten 3).

Über die ursprüngliche Aufstellung läßt sich nur sagen, daß
die Statue frei gestanden haben wird, nicht vor einer Architektur;
das Größenverhältnis zu einer etwa 50 m hohen Säule zeigt
C. Gurlitts Rekonstruktion4).

Für eine genauere Datierung innerhalb der oben genannten
Zeitgrenzen (Constantin d. Gr. bis justinian) bietet die Tracht der
Statue geringen Anhalt. Der Panzer ist in dieser Ausführung und
mit ebenso geknüpftem cingulum bereits im 2. Jh. denkbar5); für
die langärmlige tunica unter dem Panzer sind die frühesten Beispiele
noch diocletianisch6). Dagegen kommt die Frisur auf Münzen
Constantins d. Gr. zwar schon recht ahnlich vor, wenigstens im Profil
gesehen; die seltenen Vorderansichten zeigen aber die fein gra-
vierten Büschel etwas bewegter7), und dazu stimmen die plastischen
Porträts aus diesem Zeitabschnitt*1}. Den Bart haben Constantin
und seine unmittelbaren Nachfolger, wie es scheint, nie getragen,

') Vorstufen Münzen Constantins d. Gr., %, B. Maurice, Num. Conat. II Taf. X 4—6.
wo der untere Ilelmrand ganz diadcmartig behandelt ist. — Vgl. a. Codinus De officfls VI
p. 81H u. bes. Commentar S. 292 . (tuphaj <J7E'f ävip /ptrt<5 UfOV fcpjrrtpthv i/ovii tftplrffi-

*} Vgl, die Re^te von Bemalung an dein Bron/ckopf iles MazimlnoB llirax, Münchner
Jb. d. ». K. I 1907 S. 8f. — Delbrucck. Antike Portritt, S. UV. — An der Marmorbllstc in
Vicnne (»Magnentius«) Esperandicu III 2619 war das Perlindi.idem vergoldet.

J) Z. 11 de Rossi, Musaici I, Taf. III (St* Costanza) XV (SS. Cosma c n.imiano).

4) Baukunst Konstanlinopels I af. XVII; Antike Dcnknialssaulen in Kpl. S. 1 f. Tafel
link»; benutzt ist die Arc.idiussjule.

5) Das bestitigt nur freundlichst A. Hekler, der eine zusammenfassende Arbeit Über
Panzerstatuen vorbereitet, — Em frühes Beispiel: Marc Aurel in Alcsandria, Botti,
Catal. 5. 484, 3.

6) Maximian js llcrculcus, Bronzcmedaillon Gnecchi II laf. 117, b. — Comeo mit dem
lriumph des Licinius, vielleicht daticrbar 313 Itabelon, Camccs de la Bild. Nat. Nr. 308.

— Viele Beispiele am Constantinshogen.

7) Profile- 1. B. Maurice, Num. Conit. I Taf. VIII 12. 15. IX 1. 7. — Vorderansichten
ebenda 11 Taf. VII 19. 20. — Nicht entscheidend ist das Nacken haar, das auch unter
Constantin öfter kurz getragen wird.

»_) Constantin d. Gr., Lateran, Arndt-Bruckmann Taf. 82 83. — MarmorbUstc im
1 hermcnmui.eum, Boll. d' Arte VI 1912 S. 176 Fig. 7.

Antike Denkmaler 1913.

und er ist wohl überhaupt vor Julian nicht wieder hoffähig'
geworden; auf Münzen werden erst Gratianus und Hononus wieder
bärtig dargestellt''). — Was endlich das Diadem betrifft, so scheint
es, daß ähnliche Formen in der letzten Zeit der constantinischen
Dynastie aufkommen, noch nicht unter Constantin selbst; wo
dieser und seine Mutter Helena Diademe aus Edelsteinen zwischen
Perlenreihen tragen, sind keine Mittelscheiben da, und vor allem
sind die Perlen viel kleiner, so daß es wirkliche sein konnten10).
Große Perlen wie an dem Koloß in Barletta und verschieden ge-
formte Mittelstücke sind dagegen auf Münzen von der Mitte des
4. Jh. an sehr häufig. Ganz genaue Analogien für das Ganze sind
allerdings bisher nicht nachgewiesen. Auf den Münzen, selbst den
großen Medaillons, ist das Band zwischen den Perlenreihen immer
glatt. Für die engstehenden, rechteckig gefaßten, konvexen Edel-
steine kenne ich folgende Parallelen11):

1. Amethyst-Intaglio im Brit. Mus. abg. J. Hell. Stud. 1909 S. 166
Fig. 2 1. (besonders in der Anordnung der Perlen sehr ahnlich).

2. Honorius-Diptychon in Aosta, abg. z. B. Venturi I Fig. 330;
Photo AHnari 15813. — Datiert 406.

3. Statue eines jugendlichen Kaisers aus Aphrodisias in Kon-
stantinopel * CR. Ac. d. inscr. 1906 S. 174. — Photos des
Kpler. Museums 1035 u. 2212.

Bei allen dreien ist die Mittelscheibe anders als in Barletta;
sie findet sich immerhin ahnlich auf dem Medaillon Constantius1 IL,
Abb. 8, Nr. i, auf Münzen von Valentinian I. und Honorius11). —
Bei 2. und 3. sind hinten am Diadem keine Pendilien; 2. zeigt statt
dessen die zwei Paare von Bommelschnüren hinter den Ohren.
Die gleiche Tracht findet sich auf Münzen des Honorius1'), sonst
im 4. und 5. Jh. sehr selten, regelmäßig aber im 6. bei Justinian
und seinen Nachfolgern1*).

Stilistische Kriterien fuhren zu keiner genaueren Datierung
als die Tracht; denn das Porträt der nachconstantinischen Zeit
ist noch wenig, das des 5. Jh. überhaupt noch nicht bekannt.
Man ist also auf die rein ikonographische Beurteilung angewiesen15).

Der Kaiser ist als angehender Fünfziger dargestellt, nicht
jünger, wie die gefurchte Stirn und die tiefen Falten von der
Nase zum Munde herab zeigen, aber auch kaum sehr viel älter.
Die physiognomischen Eigentümlichkeiten lassen sich kurz so be-
schreiben: ein äußerst flaches Gesicht mit fast rechtwinklig auf-
biegenden Kinnbacken, dabei ein ziemlich tiefer Hinterkopf; sehr
starker Hals; gerade, steile Profillinie; auffallend langes Unter-
gesicht, hohe Oberlippe; gerader Mund mit dünnen Lippen; starke
Backenknochen, breite, magere Wangen, durchmodellierte Stirn, sehr
große, tiefliegende Augen unter hochgezogenen Brauen; eine feine,
an der Wurzel deutlich eingesattelte Schnabelnase; kein glatter
Gesichtskontur.

Durch die Altersstufe engen sich die Möglichkeiten für die
Identifikation erheblich ein. Im 4. Jh. sind nach Constantin d. Gr.

Abb. s.

Constnntius II, Goldmcd.nllon. Nicomedu. — London, Btit. Mus. —
Rom in Medaillons Tf. LXI 2, — Gnecchi I Tf. 13 nr. 2.
Valens. Goldnied.ullon. 1 hessalonike. — Abb. nach Coli. Ponton d'Aine
Replik in Wien abg. Gnecchi I If. iS nr. 3.

Abg. Gruber
:ourt nr. 758-

9) Gratianus 1, B. Bcrnoulli R. Ik. HI Münzt. IX 15. — Honorius 1. B, Hirsch 29.
Aukt-Kat. (Lambtos) Nr, 1542. — Von den kurz regierenden Noldatenkancrn wie Vctranion,
Ncpotianus, Procopius ist bei der Beurteilung der Hoftracht naturln.li abzusehen. —
Plastische Beispiele, die in die 2. Hälfte des 4. Jh. gehören können: Vienne, Lspcrandieu
III 2619. — Iner; Hettner, III. Führer 1<><>3 Nr. 146. (Gratianus1); Paris, Louvre. sog.
Eugemus. Bcrnoulli II 3 Taf. 57.

■°) Constantin: *. B. Maurice I Taf XVIII 13 II laf. XVII iS (rechteckig gefaßte
Steine); Helena X, B. Maurice III Taf VIII 17.

<>) Nicht iu erkennen ist nach den Abbildungen die Form der Edelsteine an der
Büste in Vicnne, Espcrandicu III 2619; nn dem Diadem des sog Eugcnius, im Louvre
Bcrnoulli II 3 laf. S7 scheinen sie konkav und anders gefallt, bei der Statue Clarac VI
pl, III2 Nr. 3joS fehlen die Perlen.

") Valentinian I.. Hirsch, 24. Aukt.-Kat. (Weber) Nr. 2719 und, bei sonst ab-
weichender Diadcmforni, bes. 2720,— Honorius. Hirsch, 29. Aukt-Kat. (Lambros) Nr 1542.

■3) Z. B. der in Anm. 12 ritierte aureus.

M) Cot. of the Imperial Byi. Coins in lue Bnt. Mus. laf. Vf.

■5) VorxUgUche prinzipielle Bemerkungen tiber den ikom.gr.iphiscbcn Wert der Münzen
im 4. Jh. stellen bei Maurice I S. 1 —17.

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