Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 3) — Berlin, 1926

Seite: 26
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nur Magnentius, Valentinian I., Valens und Theodosius d. Gr. so
alt geworden. Von diesen scheidet Magnentius aus, da seine
Mimzportrats sehr charakteristisch und völlig abweichend sind").
Im 5. Jh. würde dem Alter nach Theodosius II. in Betracht kommen;
sein Bild") ist aber mit dem Profil der Statue nicht vereinbar:
er hat eine wenig abgesetzte, gerade Nase, ein kurzes, rundes, zurück-
weichendes Kinn, eine sehr kleine, etwas vortretende Oberlippe,
einen dünnen Hals, der Gesichtskontur ist in den häufigen Vorder-
ansichten ein hohes, ziemlich reines Oval. Abb. 9 Nr. 7 a. b. — Die
oströmischen Kaiser von der
Mitte des 5. Jh. bis auf Justinian
haben wieder erst in zu hohem
Alter den Thron bestiegen, als
daß sie in Frage kommen könn-
ten: Marcianus mit 59, Leo I.
mit 57. Anastasius mit 61,
Justinus mit 68 Jahren.—Man
hat also zwischen Valentinian I.,
Valens und Theodosius d. Gr. zu
entscheiden. Von den Münzen
des Theodosius hat das in Aqui-
leia geprägte Goldmedaillon,
Abb. 9, Nr. 6 a, insofern Wert,
als es den Kaiser in vorgerücktem
Alter darstellt; doch ist es an
wichtigen Stellen (Augen, Mund)
beschädigt und stark verbeult;
außerdem wird der ikonogra-
phische Wert dadurch vermin-
dert, daß es sich deutlich an ein
Goldmedaillon Valentinians II.
(Aquileta; gleicher Revers, abg.
Gnecchi I Tf. 19 Nr. S) und
auch an gewisse Goldprägungen
Valentinians I. anschließt (Gnec-
chi 1 Tf. 14 Nr. 7. 14). Besser
sind die kleinen, z. T. sehr
feinen Goldmünzen zu verglei-
chen 3), Abb. 9 Nr. 6 b. c. Sie
zeigen fast durchgehend eine sehr
geringe Schädeltiefe; eine runde
Stirn, über deren Mitte das
Haar wulstig ist; ein großes
flach gebettetes Auge, vorge-
wölbte Brauenknochen; eine an
der Wurzel wenig eingesenkte,
unten ziemlich dicke gerade
Nase; volle Wangen, ein nie-
driges, spitzes, gegen die Stirn-
linie etwas zurückweichendes
Kinn, einen kleinen Mund. Die
Vorderansicht auf dem Silber-
schilde in Madrid4; gibt, so
sehr sie verallgemeinert und
idealisiert ist, einen zu den Pro-
filen passenden dreieckigen Ge-
sichtskontur. Ein Porträt, das
mit diesen Zügen zusammen-
geht, konnte der sog. Eugenius
im Louvre sein5), gewiß nicht
der Koloß von Barletta — So
bleiben schließlich Valentinian I.
und Valens übrig Um zwischen

Valentinl

Tf. 34 «1

.. Valentin]

- Abg. Herr

1 I. SJiibcrmcdaiJlo]

Heb

üanike

Gold Konstantinopcl (CONSP uiiil Stern). — Berlin
oulli, Rom. Ikon. II i HttDitf. IX u.
ab. Valens. Gold. Konstantinopel (CONS und Kraus)
mplar Coli. Ponton d'Antecourt nr. 759.
. Valentinian I Goldmedaillon. Antiochia.— Brüssel, Unsees Roysux, — Abg. Gnecchi 1

Tf. 1

Aukt.-

3b. Valens. Gobi. Antiochia. — Berlin, Kgl Münzkabinett. — Ähnlich Hin

Kat. (Imhoof-Bluawr) nr. 1739.
*«. Valentinian I. Bronce, Korn fRP) — Berlin, Kgl. Münzkabinett. - Abg. Hirsch 2')

Aukt.-K.it. (Lambrot) nr. 1498.
4b. Valens. Bronie. Koni iRI*). — Paris, Bibl. Nat. — Ähnlich Hirsch 24 Aukt.-Kat.

(Weber) nr. 2738 (noch bester Hirsch 29 Aukt Kat nr, 1509) — Gleiche Emission

wie 4a welleicht 373 n Chr. vgl, Kenner, jb d. Kaisern. XI S. 87 nr. 301.
4c. Valentinian 1. Gold. Rom (Rlj. — London, Bril Mus — Abg. Num thron. 1913

XIII Tf. V I.
5a. Valentinian I. Gold. Trier (IROBCj — I ondon, Bnt. Mus — Abg. Num. Chron

XIII 1 f. V 3.
5 b. Valens. G„ld. 1 rier fTROBQ — London, Bnt. Mus. — Abg. Num. Chron. XIII

Tf. V 4. — Gleicher Revers wie 5,j, w.ihrsch. gleiche Emission
ba Iheodosiusd Gr. Goldmedaillen. A.juilcia. — Berlin, Kgl. Mttnikab.— Abg. Gnecchi 1

Tf. 19 nr. 12.

ihnen zu entscheiden, empfiehlt es sich, die Münzen nach Prag-
stätten zu sondern, denn Substitutionen und Mischbildungen sind
sehr häufig6). Die in Abb. 9 gegebene Auswahl, die wenigstens
für Rom und Trier gleichzeitige Emissionen der beiden Kaiser
enthalt, zeigt nun, daß es entschieden Valentinian I ist, nicht Valens,
dessen Münzportrait zu dem Profil der Statue paßt. Auf dem
Konstantinopler Goldsolidus 2 a erscheint die charakteristische
Schnabelnase ganz gleich; auf den beiden römischen Prägungen
4 a und 4 c der starke Hals, das lange Untergesicht mit der hohen
Oberlippe, der gerade Mund,
die zur Nase herabgezogenen
Brauen, die modellierte Stirn;
selbst das TriererExemplar 5 a")
gibt, wenn auch abgeschwächt,
noch einiges von diesen Zügen.
Valens unterscheidet sich von
dem Bruder deutlich durch den
runderen Schädel, die gerade
oder sogar etwas aufgestülpte,
an der Wurzel wenig eingesat-
telte Nase, die glatte Stirn, den
flacher geschwungenen Brauen-
bogen und den sanfteren Blick.
— Zwischen Valentinian und
der Statue scheint tue Ähnlich-
keit im Ausdruck am überzeu-
gendsten, wenn man das Thes-
saloniker Silbermedaillon 1 ver-
gleicht8)' hier hat der Stempel-
schneider, besonders in der Wie-
dergabe der Augenpartie, eine
ähnliche Wirkung von majestä-
tischem Ernst erreicht, wie sie
der Kopf von Barletta in der
Vorderansicht ausübt.

Valentinian I. war 321 n.
Chr. bei Cibalae in Pannonien
(heute Vinkovci, Slavonien) ge-
boren, wo schon sein Vater
herstammte, er bestieg den
Thron 364 und regierte in der
westlichen Reichshälfte (Resi-
denz Mailand); er starb 375
im Felde an einem Blutsturz,
nach elfjähriger Regierung, 54
Jahre alt. Die Epitome de
Caesaribus cap. 45, 5 schildert
ihn als „vultu decens, sollers
ingenio, animo gravis, sermone
eultissimus quamquam esset ad
Ioquendum parcus, severus, ve-
hemens, infectus vitiis maxi-
meque avaritiae," wenn er aber
gute Ratgeber gehabt hätte,
„ . . . . perfectus haud dubie
prineepsenituisset.44 Seineäußere
Erscheinung beschreibt Ammia-
nus Marcellinus XXX 9, 6:
„Corpus eius lacertosum et
validum, capilli fulgor colorisque
nitor, cum oculis caesüs

Pa

, Bibl. N;

Abg Gnecchi I
, Kgl. Münzkabinett.

Paris. Bibl. Nat







6b derselbe, Gold. Trier. — London, Brtt Mus. — Abg. Num. Chron. XIII 1 f VI 5.

L>c. derselbe. Gold. Konstantinopel. — Berlin, Kgl Mllnikab. — Ähnlich Coli Mont.igu





'J AusgeiciLbnete Stücke abg. Coli.



7.1 Theodosius IL Gold. Rom. — London, Hnt. Mus. — Ähnlich Coli. Montan nr. 1041











nr 1040

1040—10411.



1) Andre gute Stucke abg. t oll.





Mont.igu Nr. 946—951, Numiun. 1 hroniclc





XIII 1913. Ti V 3 —1>.





4) Abb. nach l'hotogr. Ventun 1 Fig

4*

. — (Gigholi) Catalogo della Moslr.i arche- 1 schiede {Brsucnbildutig u Nase) noch bete

ologica nelle TtHM <li Dmclcnsno IOI1 S.



*) Diesem wäre das Goldmcdaillon

5) Hirn.-ulli, Rom. Ikon. 11 3 11 57.



| Nr. 2720 gegenüberzustellen.

*) Ein Beispiel: Valentinian Hirsch
29. Aukt.-Kat. (Lainbroj) Nr. 14148 (= Abb.
i) Nr. 4.1) und Valens cLenda Nr. 1507. —
Bestimmend ist der Gcsic'itstj[ius des V.ilcn-

') Besonder* lehrreich ist auch der
Vergleich zwischen den beulen in 1 rier
geprägten GoldmedatUoai Kernuulli II 3
Münrtf. I\ 12. 13. Der Stil des Ateliers

hat die beiden Kopfe JuUcrordcnthch ange-
nähert, trotzdem sind die nichtigsten Li.Ier-

s Valens, Hinab 24. Aukt.-Kat. (Weber)
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