Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 3) — Berlin, 1926

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Tafel 34. VASEN DER SAMMLUNG SIX ZU AMSTERDAM UND DES METRO-
POLITAN MUSEUM OF ART ZU NEW YORK.

Die Tafel gibt in -/^ wirklicher Größe die Bemalung1) einer
0,38 m hohen, weißgrundigen Mydria (Abb. 1) und m wirklicher
Größe das Bild einer ähnlichen Vase im Metropolitan Museum zu
New York aus der Hadranekropole wieder. Bei ersterer sind am obe-
ren Rande Spuren einer hellrosafarbigen Linie erhalten; auch
sie soll aus Hadra stammen. Bei der Versteigerung der Samm-
lung des Grafen Alexander Max von Zogheb erwarb sie Herr
C. \V. Ltinsingh-Scheurleer im Haag, der so freundlich war, sie
mir durch Tausch abzutreten. Vasen dieser Form und Gattung
sind außer in Ägypten, in den Nekropolen zu Alexandria, selten
gefunden. Es wurden einige aus Süd-
rußland, Cypern und Rhodos notiert.
Der Louvre besitzt schon seit dem
zweiten Kaiserreich geringere Exem-
plare aus der Cyrenaika.

Die Hydria behalt, der Haupt-
sache nach, die altüberlieferte Form,
doch sind, da sie nicht mehr gebraucht
werden, die Seitenhenkel fast rudi-
mentär geworden, verkümmert und
ab und zu schief angebracht.

Der Ton der Vasen ist leicht
rötlich und mit einem weißen Über-
zuge bedeckt. Beim erstgenannten
Exemplar hat dieses Weiß durch
Feuchtigkeit und Schmutz ein gelblich-
braunes, fleckiges Ansehen bekommen,
das von dunklerem Braun bis zur
Grundfarbe unserer Tafel wechselt, an
beschädigten Stellen aber noch heller
wird bis zum ursprünglichen Weiß.
Herr Henry Balink hat in seiner far-
bigen Zeichnung, die in Deckfarben
wie die Vorlage sie gibt, ausgeführt
ist, auf meinen Vorschlag die dunklen
Flecken ganz fortgelassen und von
den hellen Beschädigungen nur soviel
wiedergegeben, als uns notwendig schien, besonders um anzu-
deuten, was sich von der alten Darstellung durch Anfeuchten
noch erkennen ließ. Auch die Details der Vase und der Fackel
zeigten sich klar nur in benetztem Zustande.

Die Zeichnung der Vase ist möglichst getreu wiedergegeben;
bei dem unteren Teil der Palme, in der Richtung der davon herab-
hängenden Bänder, vor allem aber in der Handhabe der Fackel
war einige Freiheit in der Wiedergabe unvermeidlich, um sowohl
den Zusammenhang der Gegenstände unter sich als auch ihre
Form zu wahren.

Die Zeit dieser Vasengattung läßt sich durch die Fundumstände
auf das Ende des zweiten und den Anfang des dritten Jahr-
hunderts bestimmen. Breccia (La Necropoli di Sciatbi, Catalogue
General des Antiquites Egyptiennes (Alexandrie) S. 2 7) • L'origine di
questi vasi deve risalire alla fine del quarto secolo, ed essi sono
senza dubbio contemporanei delle idrie a figure ed ornamenti in
nero sul fondo giallastro della terra cotta. A Sciatbi, al di sotto d'un
grande monumento (e per quel che abbiamo giä detto e diremo
la necropoli appartiene alla fine del quarto e al principio del terzo
secolo), noi abbiamo trovato in due buchette sopraposte, un'
urna a rivestimento bianco e una a ornamenti in nero e cosi le
altre urne a rivestimento bianco sono State scoperte qua e lä
nella necropoli, frammiste o no alle altre, ma nelle stesse con-
dizioni topographiche e negli stessi strati, in modo da rendere

Abb. 1. Hellenntische Hydna der Sammlung

') Furtwttngln
Schriften Kij. 21,

Sitmntfibencht der K. H. Akada

Antike Denkmäler igtq.

sicuri della loro contemporaneitä. Alle stesse conclusioni mi
condurrebbe Tanalisi negli scavi da nie eseguiti nella necropoli
deir Ibrahimieh (prima meta del terzo secolo a. C.) e quelli che
sto eseguendo nella necropoli di Hadra, presso a poco con-
temporanea delle due precedenti.

Von der anderen hier genannten Gattung wurden die datierten
Stücke von Pomtow (Berl. phil. Wochenschrift XXX 191 o
Sp. 1993/4) aNe der Regierung des Phüadelphos zugewiesen, dem 2.
bis 36. Jahr, 2 84/3—2 50/49. Im Gegensatz zu Pagenstecher
möchte ich meinen, daß, wenn ein Unterschied da wäre, die
weißgrundigen Hydrien, deren Form
und Technik an ältere Gewohnheit
anschließen, eher älter wie jünger sein
müssen als jene schwarz - ornamentier-
ten Hadra-Vasen, deren Form nicht
weniger neu ist wie ihre Ornamentik.
Die hauptsächlichere Literatur zu
beiden Gattungen ist folgende-

A. C. Merriam, Inscribed sepul-
cral Vases from Alexandria. Am.
Journ. of Arch. I 1885 S. 18 ff. (nur
die Inschriften).

Karl YVatzinger, Die griechisch-
römischen Altertümer im Museum zu
Kairo, III. Vasen. Arch. Anz. 1902
Sp. 198—160.

A. Furtwängler, Neue Denkmäler
antiker Kunst. III. Antiken in den
Museen von Amerika. Sitz. d. philos.-
hist. Klasse d. K. B. Akad. d. Wiss.
zu München 1905, S. 241 ff. = Kleine
Schriften S. 487—521.

Rudolf Pagenstecher, Dated se-
pulcral vases from Alexandria. Am.
Journ. of Arch. 1909, S. 3S9 ff., PI.
IX—XII.

Evaristo Breccia, Ghirlandomania
alexandrina, le Musee Egyptien III, 1909, S. 13, PI. VIII—XVII.

E. von Stern, Ein Beitrag zur hellenistischen Keramik. Odessa
1910. (Mir nicht zugänglich.)

H. Pomtow, Rezension zu Boesch, GEflPOC Berl. phil.
Wochenschrift 1910, Sp. 1076—1096

Ev. Breccia, Bulletin de la Societe arch. d1 Alexandrie 1910,
no. 12, p. 21 du Bull, bibliogr. (Mir nicht zugänglich.)

C. C. Edgar, Catalogue General des Antiqu. Egypt. du
Musee du Caire vol. LVI. Greek Vases 1911, no. 26224—2625s",
pl. XIV-XIX (52-55)-

Georges Nicole, Cat. des Vases Peints du Mus. nat. d'Ath.
Supplement 1911 S. 311. Einige 30 Stück, ein Exemplar unter
Nr. 1359 beschrieben.

Ev. Breccia, Cat. gen. d. Ant. Egypt. (Musee d'AJexandrie),
La Necropoli di Sciatbi I S. 25 fr, II PI. XXXVII ff.

R. Pagenstecher, Die gr.-äg. Samml. E. v. Sieglin, 1913,
S. 32 ff, Taf. XIV ff (S. 189 ff), Nachträge S. 289.

E. v. Stern, Eine hellenistische Aschenurne au% Olbia. Bal-
tische Stud. zur Arch. n. Gesch., herausgegeben v. d. Gesellsch.
f. Gesch. u. Altertumskunde d. Ostseeprov. Rußlands, Berlin 1914,
S. 48, behandelt eine noch viel seltenere Vase derselben Technik.
Der bildliche Schmuck dieser Hydrien, die auch manchmal
mit wirklichen Kränzen bedeckt gefunden sind (Breccia, Ghirlando-
mania und Catalogue) besteht meist aus Kränzen, sehr einfach,
wie die Nr. 26, 124, 127 von Schrank H im Louvre, oder reicher,
SiegUn II S. 49 Abb. 54 (New York), Edgar 26253 und 26254
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