Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 3) — Berlin, 1926

Seite: 38
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ad1926/0044
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
38

Abb. 3. Schnitt vom Gebälk dei Ilissoitempels nach Stuart und Revett.

des T habe ich 0,033 bis 0,039 breit gemessen. Ähnlich weit
steht auch ihre Vorderkante von der hinteren der Platten ab. In
der Tiefe der leeren Bettungen sind gelegentlich noch kleine
Bohrlöcher für das Eindringen des Bleis zu bemerken. Dieses
füllt an der einzigen Stelle, wo ich es erhalten fand, wieder in D
links hinten, das Klammerloch so hoch, daß kein Eisen daneben
Platz findet. Also waren wohl die Klammern selbst aus Blei, wie
an delphischen Schatzhäusern (Dinsmoor im Bulletin de corre-
spondance hellenique XXXVH 1913, 9).

Auf der Lagerfläche des Epistyls befestigt war jede Platte
nur mit einem Dübel, auf den sie mit dem einer unteren Ecke
eingearbeiteten Loch aufgeschoben wurde. Die durch den Gegen-
stand ihrer Reliefe, den Frauenraub, verbundenen Platten D und
E haben das Dübelloch links vom Beschauer, von den ebenso
zusammenpassenden zwei anderen zeigt es C rechts erhalten und
gestattet bei B die bestoßene rechte Ecke es dort anzunehmen,
wozu sein Fehlen in der linken nötigt. Dies bestätigt die nahe-
liegende Vermutung, daß die beiden Plattenpaare von zwei ver-
schiedenen Seiten des Tempelfrieses herrühren.

Mehr ließe sich wohl nur dann ermitteln, wenn uns die Epistyl-
und Friesblöcke mit ihren Maßen und Befestigungsspuren genau
bekannt wären. Doch lassen die Angaben und Aufnahmen der
Antiquities, besonders die Gesamtansicht Tafel I, keinen Zweifel
darüber, daß der Fries auch an den Langseiten mit Platten ver-
kleidet war, und schon dies, wie der Vergleich des Niketempels,
spricht dafür, auch das Bildwerk ringsumlaufend zu denken,

woran die eingangs erwähnte „Kurze Beschreibung" der Berliner
Stücke zweifelt. Da nun nach dem Grundrißmaße der Antiquities
Tafel II der Fries an den langen Seiten je rund 12 m, an den
kurzen je gegen 7,40, ringsum also an die 39 m lang war, be-
sitzen wir in unseren nach der Buchstabenfolge von Tafel 36
0,240, 0,905, 0,960, 0,933, o,-93i, zusammen 3,97 m langen
Überresten kaum mehr als den zehnten Teil des einstigen Ganzen.
Die Ungleichheit der Plattenlängen mit der Gliederung des
Tempelbaus in Bezug zu setzen, wird schwerlich gelingen. Sie
entsprang, wie die noch weitergehende in den Friesen am „The-
seion", vom Apollontempel zu Bassai und vom Nereidendenkmal,
dem werklichen Bedürfnis, den nicht am Bau selbst, sondern unten
in handlichen Tafeln auszuführenden Figurenstreif in möglichst ge-
schlossene Gruppen zu zerlegen, die sich nicht immer genau
gleich lang bemessen ließen. Wohl mit Rucksicht auf die Kompo-
sition sind nicht alle unsere Platten streng rechtwinklig, wenigstens
E ist sicher oben um 0,005 m breiter als unten, was auch dem
Auge auffallt. Auch bei B ergab sich mir durch Ergänzung der
rechten oberen Ecke ein ähnlicher Unterschied.

Der Erhaltungszustand scheint am besten zu sein an dem
unlängst ausgegrabenen Bruchstück A, das nur einige Verscheue-
rungen aufweist, während alle anderen Stücke, die vor langer Zeit,
vielleicht vor Jahrhunderten, nach Venedig und von dort z. T.
mit der Sammlung Obizzi auf Schloß Catajo gelangt waren, rings-
um gleichmäßig arg verwittert sind, doch wohl eher vom Lagern
in feuchter Erde als von langem Einfluß der Witterung an




loading ...