Wiegand, Theodor  ; Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]
Antike Denkmäler (Band 4, Heft 2): Die altattische stehende Göttin in Berlin — Berlin, 1929

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Abb. 5. Vorderansicht der Füße der stehenden Göttin

hat. Dieselbe sorgfältige Glättung zeigt die Krone, der Zopfschmuck, der Hals-, Ohr- und Armschmuck. Nirgends aber be-
merkt man Politur.

Die auf der Krone, dem Schopfschmuck, dem Halsabschluß des Gewandes und den Sandalen flach eingeritzten und auf
kräftige Bemalung berechneten Zierlinien sind scharf und klar, die Breite der Ritzung beträgt bis zu x/2 mrn> am Zopfende und an
den Sandalen sogar das Doppelte.

Die zur Bemalung benutzten Farben sind nach einer von dem Leiter des chemischen Laboratoriums der Staatlichen
Museen, Herrn Professor Dr. Rathgen, vorgenommenen Untersuchung roter und gelber Eisenocker. Zu demselben Resultat (Rötel
und Ocker) kam eine chemische Untersuchung, die im Universitätslaboratorium des Herrn Professor Dr. Emich in Graz durch-
geführt wurde. Auch der Sinter wurde chemisch untersucht und als natürlicher harter Kalksinter, durch die Zeit gebildet, nach-
gewiesen. Von blauer Farbe haben sich leider nur so geringe Reste an einem Teil des in der Mitte des Rockes senkrecht verlau-
fenden Mäanderstreifens erhalten, daß sie sich der chemischen Untersuchung entzogen. Nur mit der Lupe erkennt man noch
blaue Partikel. Nach Analogien bei den archaischen Skulpturen der Akropolis von Athen darf man vielleicht annehmen, daß das
Blau von Kupferoxyd stammte.

Das Gesicht der Statue (Abb. i) war unbemalt bis auf die Pupillen, die Brauen und Lippen. Reste der Farben fanden
sich dort nicht mehr, wohl aber ist die Vorzeichnung für die Pupillen als feine kreisförmige Umrißlinie an den beiden inneren
Pupillenhälften sehr deutlich vorhanden. Danach hatten die Pupillen den übermäßigen Durchmesser von 2,2 cm. Die Vorzeich-
nung der Augenbrauen ist über dem linken Auge noch erhalten: der glatte Strich setzt seitlich der Nasenwurzel mit 4 mm Breite
an und wird über der Mitte des Auges 5 mm breit. Die Tönung der Pupillen und die Augenbrauen milderten begreiflicher-
weise das starke Vorquellen der Augen. Die nicht mehr vorhandene Färbung der Lippen mit Rot anzunehmen berechtigen
alle archaischen Analogien. Die isoliert aufrecht nebeneinander stehenden Lotosblüten und Knospen der Krone sind innerhalb
der sie umschreibenden Ritzlinien rot, der Mäander darunter besteht aus je einem roten und einem unbemalten Streifen, die über
einem schmalen unbemalten Rand liegen. Das Haar ist deutlich gelb; sowohl über der Stirn als namentlich am Schopfende sind
sehr reichliche Reste davon zu verzeichnen. Der Chiton ist rot. Die senkrechten Gewandfalten über dem rechten Fuß zeigen
ausgesparte unbemalte Dreiecke (Abb. 6), die das Zickzack der endenden Gewandfalten andeuten sollenx). Der senkrechte breite
Mäander in der Mitte war rot, gelb und blau; die Stelle des Blau erscheint jetzt farblos. Das dem rundlichen oberen Gewand-
abschluß angepaßte Mäandermuster (Abb. 3) zeigt rote, gelbe, blaue und weiße Tönung; die mit gekreuzten Linien gefüllten
quadratischen Felder zwischen dem Mäanderzickzack waren gelb. Dieses Ornament ist auf der linken Halsseite nur 6,5 cm von
der Halsmitte aus fortgeführt, auf der rechten dagegen reicht es bis zam Schopf, auch ist der Raum zwischen Hals und Mäntel-
chen breiter. Dieses selbst zeigt eine Fülle von gelben Farbresten; nur der untere 1,5 cm breite Saum und die zierlichen kleinen
Troddeln daran sind rot. Ebenso die Sandalenriemen, während die Sohlen gelb sind. Rot ist die untere Umschnürung des

l) Plastisch zeigt zum Beispiel ein solches übereinander gestaffeltes Umschlagen der Faltenenden die attische Statue der Akropolis Nr. 679: H. Schrader a.a.O. Taf. 1.
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