Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

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Kircks !
jskt öpoicker

vor der Äirche sich ausdehnenden Bezirk. Daß dieser im Ivesten
und Gsten durch die genanntcn beiden Bauten begrenzte j)latz
als Vorhof oder Atrium der Airchenanlage auch im Norden
und 5üden eine Begrenzung gchabt habe, ließ sich nicht be-
zweifeln, da er an deu festlichcn Tagen der Airche zur Auf-
nahme einer großen Nlenschenmenge diente, welcher der Zutritt
zu den von den Ncönchen umwohnten kföfen versagt bleiben
mußte, und die Thorhalle selber nur dann einen ernsten Aweck
haben konnte, wcnn sie in einen abgeschlossenen Bezirk hinein-
sührte. N)o ließen sich Anhaltspunkte für diese nördliche und
südliche Begrenzungslinie sinden, wenn solche vorhandcn gewesen
waren? Tine genauere s?rüsung des erwähnten Lageplanes (Tas. s)
ließ die Vermuthung aufkommen, daß die Varallelität der 5üd-
mauer der Thorhalle und der noch stehenden drei Ioche der
romanischenksauptkirche mit
den Nordmauern des abge-
brochenen ^orstwarthauses
und der Remise nicht zusällig
sei, sondern ihren Grund in
ehemals bestandenen Ver-
hältnissen habe, daß also die
letzteren Gebäude mit ihrcn
nördlichen )Nauern aus der
südlichen Begrenzungslinie
des ehemaligen Borhoses
der Airche ständen. Die Ver-
längcrung ihrer ^luchtlinie,
so ließ sich weiter folgern,
könnte alsdann auch die der
südlichen Seitenschiffmauer
derl)auptkirche gcwesen sein.

A)enn sich dieses als richtig
erwies, so galt es nnr noch,
die beiden älteren Lagepläne,
die an sich wenig Vertrauen
erweeken, aus diesen That-
bestand hin zu prüfen.

Die 2lbbildung der Thor-
halle bei Dahl aus dem
Iahre l8s2 (Fig. 5) bestä-
tigte die obige Vermuthung
insofern, als sie eine Ab-
schlußmauer zwischen dem
südlichen Treppenthurm der
Thorhalle und dem nörd-
lichcn Nlauerzugc des Forst-
warthauses zeigt, der auf-
gesundene alte gepflasterte
N)eg unter dem Lußboden
des letztern (bci /eL in Fig.6),

als er auf das noch jetzt bestehende Thor in eben jenem
Nlauerzuge zuführte. Ts wurde nunmehr iin Hofe des ^orst-
meisterhauses die ^lucht dcs letzteren nach Gsten zu verlängert
und hier durch Ausgrabungen die Untersuchung vorgenommen.
Das Trgcbniß war ein überraschendes. An den beiden ersten
Stellen, wo ausgegraben wurde jbei 0 u. O), sanden sich die
Spuren eines ehemaligcn Nlauerzuges in dem Vorhandensein
von Nlörtel und klcineren 5teinen, niit denen der Boden in leicht
erkennbaren seitlichen Abgrenzungen trichterförmig durch

setzt war; die lvteine der Grundmaueru waren hier wie an fast
allen anderen 5tellen dem leider allzu eifrig betriebenen, Raubbau
längst zum Gpfer gesallen. 5üdlich von dem dritten pfeiler
des Nlittelschiffes jedoch stieß man in einer Tiefe von etwa 0,80 m
(bei II Fig. 6) auf cine steinartig feste Nlasse, deren abgeglichene
Gberfläche untcr einer Achicht von Schutt und Asche estrichartig

mit kleinen Aiegslbrocken bedeckt war, die aber nach ihrer tiesen
Tage — etwa s m unter dem Boden der Airche —, nach ihrer
chtärke — 0,3—0,6 m —, und ihren Bestandtheilcn — Ncörtel
mit äteinen verschiedener Art bis zu einer Stärke von 0,sö m
sich als betonartiges Luiidamentmauerwerk zu erkennen gab, dessen
Breite sich aus 0,yö —0,s>7 m belies. An keiner anderen!vtelle unserer
Ausgrabungen sind wir aus eine noch erhaltene ähnliche Funda-
mentierung gestoßen; daß sie chemals jedoch in reichlicherer Ver
wendung dagewesen ist, geht daraus hervor, daß sich Betonstücke
verwandten Tharakters in dem ächutte der Airche häufiger vor
gefunden haben, ein 0,-^0 m langes und 0,2 s m hohes ätück als
Baustein in der den Garten des Horstmeisters nach dem bsose
zu einfriedigenden Nlauer Verwendung gcsundeu hat, ein gleiches

5tück in der

en Ncauer des

Ävsk'siroM L-d

ff!g. 6. Lageplaii der Aloftergebäude in Lorsch nach dcm Besiaude von ;888.
Die horizontal schraffirten Gebände wurden 1883 und i8Ac» abgerissen.

Atriums bei deren Abbruch
aufgesunden wurde. chelbst
die ehemalige Betonierung
der alten Airche hat also als
chteinbruch dienen müssen,
und uur einzelne ätücke sind
durch einen glücklichen Zusall
der Zerstörung entgangen?)
An anderen außerhalb jener
^luchtlinie gelegenen Stellen
sind 5puren der ehemaligen
öeitenschiffmauer nicht ge-
sunden worden. Um jedoch
weitere Belege sür die Rich-
tigkeit jenes N cauerzuges zu
gcwinnen, wurdc später
(s890) in jener ^luchtlinie
auch westlich von den drei
NAttelschiffen, also da, wo
vermuthlich keine bjäuser ge-
standen baben, sondern nur
die südliche Umsriedigungs-
mauer des Vorhofes ehe-
malsihren Lauf hatte (bei b'),
der Boden untersucht. Auch
hier ergaben sich jene Spureu
eines ehemals vorhanden ge-
weffnen Nkauerzuges.

Aonnte hiernach ein
Aweifel darüber nicht mchr
sein, daß der platz zwischen
der Thorhalle und der Airche
südlich eine Begrenzung ge-
habt hat, welche der Flucht
der entsprechenden 5eiten-
schiffmauer entspricht, so lag
cs nahe, auch im Norden
nach einer entsprechenden Begrenzung zu suchen. Die Lntfernung
der NAtte der Bctonschicht von der äußeren Aante des südlichen
Ncittelschiffpfeilers betrug Z,5ö m. Ts wurde nunmehr die ent-

tz Der Rlosterbezirk mit seineii Bciuwerkeil galt mehrere ^ahrhunderte
hiiidurch als güustig gelegener imd bequem auszubellteilder Steiiibruch. Acltere
ksäuser des Fleckens siiid aus Ulostersteiiieii erbaut, wie die noch fast alljährlich
bci Reparatureii odcr Abbrrichen gemachten Fimde, oftmals recht wohl er-
haltene Grnameilte, beweisen. Bei öffentlichen Lauten wurdeii sogar die
Ukaurer angewiesen, sich die Steine aus den Rlosterbautcn loszubrechcn. )n
dieser ksinsicht ist eine klrkuiide über die Lrbauilug der Lorscher jdfarrkirche aus
dem Iahre >725 intercssaut: »Die hierzu nöthigen Aiauersteine sollen sie jdie
Akaurer) im Rloster auß den Fundamenten und alten Geinäuern brechen--,
heißt es hier. Bei diesem Abbruch verunglückte der Taglöhner Iohann Philipp
Ian, der »bei ausgraben nnd Lrbrcchung der alten Fundamonten ohnversehener-
maßen von Linem großen stückh klkauer überwältiget und fast ganz zerschmettert
mehr todt als lebendig hervorgescharrt« wurde.

vol^ .
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