Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

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sprechende Tinie auf der Nordseitc abgesteckt und zunächst an zwei
5tellen zwischen der Thorhalle und Airche sbei O und bl) eine genaue
Nntersuchung vorgenoinmen. "in einer Tiefc von s,2ö m bezw.
s,8 in stieß man aus eine seste betonartige Ncasse, die sich in der
abgesteckten Aucht in gleichen Tiefen weiter versolgen ließ. Nach
deni Nivelleinent des von dein Arcisbauaint mit der Arbeit betrauten
Feldmessers lag die östlichc Grube lchä m, die westliche 2,27 m tics
unter der Gberkante der Lchwelle des Tingangcs zur alten Airche.
Die Betonschicht war sonach unter Berncksichtigung der natürlichen
chteigung des Terrains angclegt. Als Breite ließ sich snr jene
chchicht ungesähr s,«sO m seststcllen; dic Stärke betrug 0,^0 m.
Nach dcn Leiten zu sand sich der Beton nicht inehr vor, nach
Norden zu jedoch eine lvchuttmasse, die tief hinunterreichte und
darauf schließen ließ, daß der gewachsenc Boden hier abfiel. Daß
diese Betonschicht, die sich an anderen S-tellen zwischen der Thorhalle
und Airche nicht nachweisen ließ,') zu der Begrcnzung des Bor-
hofes eine Bcziehung gehabt hat, ist init Aücksicht aus die ver-
wandtcn Verhältnisse an der Südscite als sichcr anzunehinen;

Fig. 7. Lageplan des Alostcrs/ vor

> Anitzo dic Lapcllcn. 2 Dic einfnhr in das; sogcnanntc Llostcr.
Z Dic sticgen aus das; Tliorhans;. Dic alte Rüche, so zusainmcn fallcn mill.
!> N)o dic ncwe Aiiche ohne maßgcbiing soll zn stchn Aomincn. 6 «Lin brunncn.
7 Daß sogcnanntc ncmc lsaus. 8 Dic altc Airche, mo anitzo zum thcil schütt-
spcicher daraus gemacht. y'Dic bcrrschastl. 5 Schcmcrn. dic herrschastliche
stallung, wo die iunge spesßerter pferde winterßzeit stehen. u Lin hauß
für die Anccht. Z2 Lin gartcn vor 0. Forst-Maystcr. noch 2 brunncn.

jedoch ist cs wahrscheiitlich, daß wir hier uicht bloß die Luuda-
mentieruug für die Umfassuiigsmaucr, sondcru zugleich auch 5puren
des Fußbodens für ehemalige aus tsolz odcr 5teiu errichtete 1)allen
des Borhofcs vor uus haben.

Diese Trgcbnisse bestätigen den bereits aus dem Lageplan
gesolgerteu Lchluß: Die jetzige Rapellc war das Liu-
gangsthor zum vorhofc, der Rirche.

Die romanische Airche, dercn drei vordere INittelschiffe heute
noch stehen, wurde nach urkundlichen Nachrichten sOffO-ll30
aus dcn Trümmern der fränkischcn aus den Iahren 766—77-l
stanimenden Airche erbaut. Die letztere würdc also dieselbe
Beziehung zur Thorhalle gehabt haben, wie die erstere, sie würde
auch, als gleichzeitig und zusanimcngehörig mit dicser erbaut,
stilistisch mit ihr übereingestimmt haben, soweit sich diescr 5til mit

') wir habcn sür dicsc Untersnchmig eine Anzahl Gncrgräben in dcr
Mittc des lsoscs hinter cinandcr ziehen lassen das altc sanft

anstcigende Terrain ließ sich mieder crkcnncn, doch mnrden wcdcr Spuren
von Mancrmerk noch solche eincs früheren Pflasters gefnnden, nnr solche eincr
chemaligen schlichtcn Planiernng.

dem Airchenbau vereiiiigen ließ, uud es liegt die Auiiahme nahe,
daß die oben erwähuteii Funde, dereu lvtil dem der Thorhalle
aus's uaheste verwaudt ist, eben jeiiem Airchenbaue angehört haben.
Denn daß sie an einem anderen gleichzeitigen Baue nicht
verwendet gewesen sind, gcht schon daraus hervor, daß erst
Aichbod, der vierte Abt des Alosters (78H—80>s), dic im nörd-
lichen Theil dcs Alosterbczirkes gelcgenen hölzernen Wohnhäuser
nicderreißen und bessere aus der 5üdseite, dazu ein Dormitorium
nebst einer dreifachen Airche jfür die 2lndachtcn der Alänche)
erbauen ließ. Awischen dem Beginne dcr Trbauung dcr bsaupt-
kirche und der Zlufführung der zuletzt geiiannten Bauten dürste
demnach annähernd dcr.cjeitraum eines Bierteljahrhunderts liegen.
Abgesehen davon, daß dieser allein genügen konntc, um Ab-
wcichungen von dem klassieistischen Stile der ersten Anlage an
diescr lvtelle herbeizuführcn, dürsten die mehr dcn praktischcn
Zwecken des Niönchslebens gewidmeten Bauten schwerlich mit
jener rcizvollen Mrnamentik bedacht gewesen sein, wic dic heutige
Thorhalle uud die l)auptkirche, zu der jene gehörte.

Fig. 8. Lagcplan des Alostcrs. ;7-z>j.

Nuro i: Daß sogenandtc Tbor Oauß. 2: Dic Lapellcn. Z: Die Iiickcr-
bäckerey midt silber Dicner. -i: Dic Lbnrsürstl. miindt Aücbe. ö: Dic altc
Airche. 6: Daß Lstnrsürstl. hauß. 7: Die Lchiirsürstl. scheuren. 8: ein alt
bsaus, mo die Zcbrgcborey soll lstiikommeii. 9: Zmcy alte ställ. ;n: Daß
Auecht häußlci». Dcr grose S. v. pscrde-stall. 12: seindt bruuiicii.

Die obigen Nntersuchungen gingcn von dem Lageplan aus
de,n Zahre s8s7 aus, dessen Genauigkeit nach dcm gemachten
Bergleich mit den noch jetzt stehcndcn Bauwerken nichts zu
wünschen übrig läßt. IVir haben uns aber auch noch mit jenen
zwei älteren Lageplänen abzufinden, welche unter sich und mit
jenem gerade bci den hicr in Betracht gezogenen Alauern nicht
ganz übereinstimmen. Bon diesen Lageplänen soll der eine jLig. 8),
bcreits von 2chneidcr richtig gcwürdigte, ans dem Iahre l7>s9
stamtnen; der andere (Fig. 7) ist nur annähernd gleichzcitig, wahr-
scheinlich aber vor jenem angesertigt, da eine Aeihe von Gcbäuden,
die cr nicht enthielt, nachträglich von jenein aus diesen übertragen
sind, auch hinsichtlich der hier in Betracht kommenden südlichen
Fluchtlinie eine Lorrektur in Blei stattgefunden hat. Auf dem
lctzteren, also dem älteren der beiden sAüne (Fig- ?), ist eine Be-
grenzungslinie angegeben, die von der Lüdostecke der Thorhalle
aus bis ctwa zu der lvüdwestccke des ehemaligen südlichen Leitcn-
schiffes der Ijauptkirche reichte, und zwar soll an jener Tcke das
Gebäude Nr. H in Fig. 7, »Die alte Aüche, so zusammenfallen
will«, gestanden haben. 1)ier liegt ein Irrthum des Zcichners
vor; denn Ausgrabungen an eben jener 5telle deckten allerdings
die Aämpfer eines Areuzgewölbes uebst dcn unteren wölbschichten
auf; aber erstere besanden sich auf den Fundamenten eben jcner
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