Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

Seite: 19
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Fig. Ansicht der sränkischen Airchenanlage aus der vagelpcrspektwe.

Idealc Ackanstrnktion nach kklaßgabe der Untersnchungen und der urkuudlichcu Nachrichten.

Baugeschichtliches der Thorhalle.

>r^5 kann als Beitrag zur Beantwortung der
Hrage über den ursprünglicheu Aweck und die
>), Lrbauungszeit der Thorhalle nicht ganz un-

wichtig erscheinen, ihre späteren baugeschicht-
lichen Thatsachen nach Bkoglichkeit festzustellen.
Zwar reichen die urkundlichen Mtthei-
lungen, die sie allein betreffen, nicht weit zurück; dafür aber
hat sie selbst einige Blcrkmale an sich, die Schlüsse aus ihr
chemaliges Achicksal zulassen.

Bie älteste schriftliche Urkunde befindet sich auf dem jctzigen
Bodenraume an der inneren Gicbelfläche der äüdmauer zwischen
den beidcn spitzbogigen Fenstern auf weißcm Berputz. Dieselbe
lautet:

Aepurutum anno i6y7
8ub Aotburio Aruncisco

urLbiepi^copo Lko^untino.

Ü'unäZ.tuw Lnno 760
u Luncors et Wilisvvinclg..

U)ir crsahren hicr erstens von einer wiederhcrstellung der
Aapelle im Iahre 16fl7 und zweitens die irrthümlich um einige
Iahre zu früh angegebene Gründungszeit. Letztere Zlngabe ver-
dient insofern einige Beachtung, als sie uns mittheilt, daß man
1697, als sicherlich auch von dem ersten Alostcr noch mchr 5puren
als heute sichtbar warcn, die Aapellc noch der Gründungszeit
desselben zuschrieb. Zm Uebrigen aber gibt die Art und Weise
der Anbringung der Schrift Anhaltspunkte sür die Baugeschichtc
der Aapelle. Dieselbe ist nämlich aus einen weißen Aalkanstrich

mit schwarzer Farbe geschrieben und offenbar bestimmt, von den
die Aapelle Besuchenden gelesen zu werden. Letztere Annahme legt
dahcr die Bermuthung nahe, daß die jetzige Balkendecke (Taf. 3)
zur Zeit der Anfertigung jener Aufschrift noch nicht vorhanden
war. Diese Vermuthung findet eine dreisache Bestätigung. Unter
dem weißen Anstrich sind 5puren farbiger Malereien bemerkbar;
ebensolche treten an der gegenüberstehenden Giebelfläche deutlich
hervor; dazu sind beide Flächen in gleicher Weise von einem
runden schwarzen Rande bis über die Henster umrahmt; die
Lpitzbogenleibungen der letzteren zeigen gleichfalls eine ähnliche
Umrandung in rothlicher ^arbe: alles dieses deutet darauf hin,
daß djeser Raum ehcmals zu eincm höheren Zwecke bestimmt war,
als bloßer Dachraum zu sein. Ueber jener Umrandung der Giebel-
flächen ist auch noch in denr Verputz die ehemalige §age von
Dachbalken. nebst aufgesetzten Atändern bis zur Spitze des Giebels
erkennbar. / Der aus diesen Thatsachen sich ergebende 5chluß liegt
nahe: der Bodenraum gehörte ehemals zum unteren Aapellcn-
raum und war sehr wahrscheinlich nnt einer gewölbartigen spitz-
bogigen Decke versehen, vermuthlich einer ljolzdecke, da die Alauern
für die lViderlager cines chteingewölbes zu schwach gewesen wären
(Ag- l ^ine weitere Bestätigung dieses Schlusses flnden wir
in dem unteren Aapellenraum. D)ir entdeckten hier unter dem
heutigen Berputz einen solchen mit weißem Anstrich, unter dem
5puren von Alalereien sichtbar wurden, deren Larben mit den
auf dem Boden entdeckten übcreinstimmten.

Gine zweite Bestätigung dieses aus der analytischen Anter-
suchung des Bauwerkes gefolgerten 5chlusscs giebt cine Ansicht
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