Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

Seite: 22
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Fig. >6. Steinverband der Thorhaile.

Technisches.

A55 die fränkische Thorhalle der Alosterkirche
zu Lorsch all jene Stürme nberdauert hah
welche die gleichzcitigen und die jüngeren
romanischen Bauten des Alosters in ihren
Grundvesten erschüttert und fast spurlos ver-
nichtet haben, daß sie trotz ihres hohen Alters
noch jetzt ihre Reize entfaltet wie vor tausend Iahren, ja,
in ihrer Altersfarbe und dem ächmucke grauer und grüner
^lechten, die sie da bcdecken und schützen, wo dic Anbilden der
Witterung sie am ärgsten treffen müssen, fast noch farben-
prächtiger dasteht, wie in ihrer j)ugendzeit, das verdankt sie
vor allem der gediegenen Ausführung ihres Mauerwerkes, nicht
dessen Ltärke, sondern der lvahl und Berwendu'ng des Ma-
terials und der Sorgfalt in seiner Berbindung zu eineni Ganzen.

Das ^undamentmauerwerk weist besondere
Gigenthünüichkeiten nicht auf. Gs besteht aus
mittelgroßen, ziemlich regelmäßig geschichteten
chteinen und ist in einer Tiefe von s,0 m, an dem
5üdgiebel bis zu einer solchen von 1,^5 w unter
der Bodenfläche der bjalle direkt über dem ge-
wachsenen Boden aufgeführt. Bei dem 5üdgiebel
ließ sich ein zweisaches Mauerwerk feststellen;
das obere, etwa 0,70 m tief reichend, macht den
Tindruck regelmäßigerer 5chichtung. bjier ist
wohl über dem ersten Hundament beinr Anbau
des Treppenthurmes die obere chchicht entstanden.

Absätze hat nach unseren Beobachtungen das Fundam'entmauer-
werk nicht gehabt. ^) Daß es trotzdem länger als ein Iahrtausend
die §ast des kleinen Bauwerks hat tragen können, beweist seine
Vortrefflichkeit zur Genüge. Zn dem Boranschlage des Areis-
bauamtes zu Bensheim für das Iahr l86j war jedoch die Aus-
besserung des schadhaften 5ockels vorgesehen worden. Dieser
hatte dadurch gelitten, daß der Boden um die Aapelle sich erhöht
und in Folge dessen die Auchtigkeit jenen angegriffen hatte.
lchermit scheint der bedrohliche Zustand zusammenzuhängen, in
dem sich damals die Umfassungsmauern befunden haben sollen;
sie zeigten nach den Berichten des Baubeamten Risse und einzelne
ck-teinsprünge, so daß eine Berankerung der gegenüberstehenden
Gst- und Westmauer nothwendig erschien und auch ausgeführt
wurde.

0 Auch die Fundamente der Linhardsbasilika iu Lteiubach i. B. wareu
uicht bcmerkenswerth stärker als das aufsteigende Mauerwerk.

An den ausstrebenden sränkischen Mauern der N)est- und
Gstseite haben wir zwei grundverschiedene Theile zu unterschciden:
das die Bogen einfassende Tuadcrmauerwerk und das Mauer-
werk über den Friesstreifen.

Die ^uadern der pseilcr haben durchaus verschiedene Größe,
und es läßt sich deßhalb sür ihren Verband keine bestimmte Regel
angeben außcr dem einen sichtlich hervortretenden Bestreben, die
einzelnen (Zuadern möglichst groß und als Durchbinder zu ver-
werthen. Manche chteine nehinen die ganze Breitseite der j?feilcr
ein, so daß die entsprechende Trommel der Halbsäule an ihrer
Autte vorgearbeitet ist. Trifft es sich so, daß einc 5toßsuge in
den winkel zwischen bjalbsäule und Pseiler zu liegen kommt, so
greift die bjalbsäule hier mit abgeschrägtem lchnterstück in das
Acauerwerk ein (Fig. s7). Die Mauerdicke beträgt bloß 0,53 w.

Der größte Block der pfeiler hat eine bjöhe
von s,0 m, eine Breite von 0,<l5 m und eine
Tiese von 0,55 m; er befindet sich an der
Borderseite. Tiner der kleinsten Blöcke hat eine
bjöhe von 0,j5 m, eine Breite von 0,5 s m und
bindet durch die ganze Mauer. Tigenthümlich
ist besonders das Vorkommniß, daß hier und da,
wo Läulentrommel und Pfeilerquader aus einem
Btück gearbeitet sind, crstcre höher hinaufreicht, als
das anstoßende Pfeilerstück. Bei der Mächtigkeit
der verwendeten ^juadern ist die Gnge der ^ugen
bemerkenswerth, deren durchschnittliche weite
nur mit wenigen Millimetern anzugeben ist. Der Regellosigkeit
des Verbandcs halber känntc man auch dieses ö)uadermauerwerk
als opus inosrtum bezeichnen.

Die wölbsteine der lvtichbogsn binden sämmtlich durch die
ganze Dicke des Mauerwerkes, sallen aber durch die Unregel-
mäßigkeit ihrer Gestalten aus. Ts ist nämlich kaum eine ^uge
der Ztichbogcn radial, und die meisten Ateine werden in Folge
dieser vorherrschenden Regellosigkeit so unsymmetrisch, daß man
sich unwillkürlich die Frage vorlegt, nach welchcr Borschrift
denn eigentlich die hier thätig gewesenen ^teinmetzen gearbeitet
haben; denn trotz der Ilnregelmäßigkeit dcs äteinschnittes paßt
dennoch ein wölbstein genau aus den andern und die Hugen
sind nicht minder cng, wie an dem ^uadermauerwcrk der
pfeiler. Der Gedanke, daß man die Fugen der unteren wölb-
stcine der Berminderung des Gewölbschubes halber möglichst
horizontal gemacht habe, ist bei der geringen Ilebereinstimmung
der einzelnen Bogensteine an diesen 5tellen nicht festzuhalten;

ffig. >7. Stcinverband cines Pfeilers
dcr Thorhalle. Bstseite.
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