Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

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einheimischer Bauleute bedieneu, welche nunmehr die von ihnen
bis dahin geübte Tschnik nach Möglichkeit auch beim 5teinbau
beibehielten. 5o sind denn diese für letzteren eigenthüinlichen Tr-
scheinungen nicht bloß für die stilistische, sondern auch sür die
zeitliche Bestimmung von Bedeutung: beweisen sie sür die erstere,
daß der Bau als Aunstwerk doch nicht so ganz einsam dasteht,
als es bei einem Bergleich mit den vorhandenen Baudenkmälern
der ältesten <Lpoche unserer vaterländischen Aunst scheinen mag,
daß er vielmehr in eine bestimmte 2ilasse von Denkmälern ein-
gereiht werdcn kann, so sind sie hinsichtlich der Aeitbestimmung
ein nicht zu unterschätzendes Beweisstück für die Richtigkeit der
erhaltenen urkundlichen Nachrichten über die Lrbauungszeit der
Thorhalle.

Ls erschien auch für die Lntscheidung der archäologischen
^ragen nicht unwichtig, die bei den Torscher Bauten verwendeten
Nörtel einer Untersuchung auf ihre Bestandtheile unterziehen zu
lassen. Der von karolingischen Bauten als charakteristisch geltende
Zusatz von Ziegelmehl fehlte, wie schon mitgetheilt, auch in
Lorsch nicht, war jedoch allem Anschein nach nur bei solchen
Massen verwendet, welche unmittelbar mit dem gewachsenen
Boden in Berührung kamen, also bei Lstrichen und Amdamenten.
Im aufsteigenden Mauerwerk haben wir einen mit Aiegelmehl
oder Ziegelbrocken gemischten Mörtel nicht feststellen können.
kchngegen haben sich andere nicht zu verkennende Uebereinstim-
mungen einzelner Mörtel ergeben, und zwar zunächst zwischen
denjenigen aus dcr Fundamentierung der ehemaligen südlichen
cheitenschiffmauer, einem 5tück Mörtel, das über der Beton-
schicht der nördlichen Vorhosmauer gesunden wurde, und
dem untersten, also ältesten Verputze der inneren Aächen der
Thorhalle.

N)ir veranschaulichen, diese Uebereinstimmung nebst einigen
andern Resultaten von Mörteluntersuchungen in der folgenden
Tabelle, welche wir den Untersuchungen der Großh. chemischen
prüsungs- und Auskunfts-chtation für die Gewerbe in Darmstadt
verdanken. Nr. I bezeichnet den Nkörtel des Amdaments,
Nr. II Ukörtel von der 5telle der ehemaligen nördlichen Vorhofs-
mauer, Nr. III den inneren Verputz der Thorhalle.

Ls enthält "/o

I

II

III

IV

V

ffenchtigkeit.

0,46

0,70

0,36

0,28

0,54

Lhem. gebund. wasser u. org. Substanzen

1,79

3,17

1,87

1,73

2,77

Sand ......

43,97

32,72

48,00

69,03

77,11

„Lösliche" Rieselsänre

0,43

0,48

0,78

1,90

1,74

Uohlensaurer Ualk ....

90,75

58,62

46,41

24,57

14,76

Ualk, anderweitig gebunden

1,10

2,77

1,37

1,46

1,62

Lisenoxyd u. Thonerde .

0,96

0,94

1,06

1,38

1,57

Schwefelsäure, Magnesia, Lhlor

Spuren

Spuren

Spuren

Zpiireii

Spnren

Summe .

99,46

99,40

99,85

>00,35

100,11

i) Mr bemerken jedoch ausdriicklich, daß der Aerbschnitt in die romaniscbe
Kunst mit übergegangeu ist. Nur tritt er hier in uicht so auffallender Nteise
hervor, zumal in späterer Zeit, wo dio Grnamentik sich wieder an die Lr-
scheinungen der Natur wendet.

Die Untersuchung des Fundamentmörtels wnrde 1888, die des verputzes
1890 ausgesührt.

Diese drei Ulörtelarten haben einen auffallend hohen Aalk-
gehalt, und zwar soll nach der chemischen Untersuchung in den
frischen Ulörteln gewesen sein:

bei I II III

59,^2°/» qch,29° o 36,02 v/o Aalkhydrat,

während die heutigen Ukörtel so gemischt werden, daß bloß sZ
bis szo/o Aalkhydrat vorhanden sind. Bei eincm unter der
srüheren ksauptapsis der Ljauptkirche gesundenen Ukörtelstück be-
rechnete sich das vorhandcne Aalkhydrat für den frischen Uiörtel
sogar aus 39,qo°/o, wobei jedoch hervorzuhcben ist, daß er mit
Ziegelstücken gemischt war.

Der heutigen Ulörtelbereitung steht von den älteren Ulörteln
am nächsten Nr. IV, der Ulörtel aus der westlichen Ulauer der
Thorhalle, dcr an Aalkhydrat den heute hergestellten Ulörtcl doch
noch um etwa die lhälfte bis ein Drittheil übersteigt. Lin unter
Nr. V mitgetheiltes Resultat bezieht sich auf ein 5tück Verputz,
welches der Ostmauer der Thorhalle direkt unter dem heutigen
Verputz entnommen wurde. Ls entstammt allem Anschein nach
der gegen Lnde des s7. Zahrhunderts vorgenommenen Reparatur
der Thorhalle und ist gleich unserm heutigen Ulörtel hergestellt.

Von den älteren Ulörteln gehörte I und II einem Beton und
III einem Verputz an, während IV dem ^nnern der Ulauer
entnommen wurde. Gb diese verschiedene Verwendungsweise
maßgebend für die verschiedenen Ulengen Aalk gewescn ist,
muß dahin gestellt bleiben. Iedenfalls hat eine gewisse Aalk-
verschwendung gegenüber den heute üblichen Ulischungsverhältnissen
der Ulörtel bei diesen vier Arten stattgefunden, und es ist dem
Urtheile der untersuchenden Ltation zuzustiminen, wenn sie aus
jenen Lrgebnissen die Folgerung zieht, »daß die jetzt sür die
Ulörtelbereitung üblichen Grundsätze zu der Aeit, in welcher die
betreffenden Bauten ausgeführt wurden, noch nicht maßgebend,
auch nicht aus dem Wege der praxis erkannt waren.«

DiesesLrgebniß stimmt hinsichtlich desUIörtels aus sränkischem
Ulauerwerk mit Beobachtungen, die an anderen Grten gemacht
wurden, überein?) 5o sehlt dem Ulörtel in fränkisch-nrerowingischen
Ulauern des Aachener jDalastes der Zusatz von Ziegelnrehl, der
in karolingischcm Ulörtel auch hier zu beobachten war. Ls liegt
daher die Annahme nahe, daß der mit Ziegelbrocken durchsetzte
Lorscher Ulörtel gleichfalls letzterer Zeit angehört, wogegen auch
die in karolingischer Zeit in der Lorscher ksauptkirche noch fort-
gesetztc Bauthätigkeit nicht spräche. Nur heben wir hervor, daß
auch der mit dem überaus reichlichen Aalkzusatz versehene fränkische
Märtel von der chemischen Untersuchungsstation als vorzüglich
erklärt wcrden mußte. Das Fehlen des Ziegelmehles in dem
Ulörtel der Thorhalle würde demnach gleichfalls sür deren
Lrbauung in fränkischer und nicht, wie bisher angenommen
wurde, in karolingischer Zeit sprechen, zumal da den Bauleuten
dieser Lpochc auch in Lorsch die Bortheile des Ziegelmehlzusatzes
zum Ulörtel wohl bckannt waren. ^)

vgl. Llemen, P., Der karolingische Raiserpalast zu Jngelheim in der
lvestdentschen Ztschrft. >8?o. S. 7S.

Der Beton des oben erwähnten sränkischen Fundamentmanerworkes
war mit größeren Ziegclbrocken uur auf der Vberfläche verseheu; einige
kleine Bröckchen, welche stch ganz vereinzelt im Jnnern vorfanden, sind offenbar
zugleich mit den beigemischten Sandsteinbrocken uuabsichtlich hineiugekommen.
Die chemische Untersuchung stellte, wie schon erwähnt, das ffehlen von
Ziegelmehl fest.
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