Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

Seite: 29
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Das der ^a^ade zu Grunde gelegte 5ystem ist ein zweckge-
mäßes und übersichtliches, in allen Theilen wohldurchdacht und
der angewcndeten Technik entsprechend. 5ie ist zweigeschossig.
Unten wie oben dienen die 5äulen und j)ilaster nicht bloß als
ästhetische Ausdrucksformen für statische Aräfte, sondern sie spannen
rnit den von ihnen getragenen Bauformen, dem Hries und den
Giebcldreiecken, zuglcich das bunte Nctz der Blendsteine in feste
Rahmen ein, technisch wie ästhetisch. Dadurch gewinnt das
wechselreiche 5piel der wcißen und rothen Lteine und ihre ver-
schiedenen Formen einen großen und ruhigen Rhythmus. Das
Gefühl der Trbaucr für eine der Aonstruktion angepaßte ästhetische
Gliederung tritt insbesondere an dem unteren Theile der Ha<Me
hervor. Dicht über den Aämpfersteinen der Bogen M eine

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geordnet und gemessen und jedem Gliede seine bestimmte Funktion
im Ganzen zuertheilt.

Zn der Ausführung der Tinzeltheile mag trotzdem manches
hinter den Trwärtungen des öchöpfers zurückgeblieben sein; was
uns jedoch heute den Bau so anziehend macht, die 5puren wenig
geübter Arbeiterhand an ungewohntem Material und bei fremden
Formen, das mochte vielleicht de,n ofsenbar init klassischen ^ormen
nicht unbekannten 5chöpfer des Bauwerkes kaum zum klaren
Bewußtsein kommen. 5ehen wir uns diese Formen im Tinzelnen an!

Die pfeiler der unteren Bogen, denen die !)albsäulen vor-
gesetzt sind, haben attische Basen (Lig. s9), die sich ehemals — bei
den östlichen auch jetzt noch — rings herum zogen, und seitliche
Aämpserprofile, die gleichfalls klassischen Borbildern nachgebildet

Fig. 2 2—2 z. Aompositkaxitäle der Thorhallo.

plattenschicht gelegt, welche die Nlauerfläche in zwei Theile zerlegt,
indem sie die Zwickel von den oberen rechteckigen Flächen sondert.
Diese Sonderung hcbt sich noch dadurch klarer hervor, daß die
bunten quadratischen Blendsteine der Zwickel horizontal, die der
rechteckigen Lelder abcr übereck gestellt sind. Diese übcreck gestellten
lvteine werden oben dicht unter dem Friesstreifen geradc wie unten
zweckentsprechend wieder durch eine jAattenschicht begrcnzt.

Ie einer untercn, seitlich von zwei 5äulen begrenzten Ab-
theilung entsprechen drei obere. Das lsauptgesimse über den
Giebeln schließt die Fa<;ade oben kräftig ab und einigt jene
Theilc zugleich zu cinem Ganzen. 5o macht dcr kleine, malerisch
bewegtc Bau in seiner übersichtlichen, wohl geordneten Aom-
position den Tindruck des wohlüberlegten und mit Alarheit und
Bestimmtheit Geplanten. Lhe Aelle und Rsieißel zur !)and ge-
nommen wurden, hatte des 5chöpsers Gedanke alles schon wohl

sind: die bjauptsorm der letzteren (Ag. 20) ist die der griechischen oder
römischen Sima, die oben und unten von je zwei schmalen Plättchen
bcsäumt wird, als oberen Abschluß außerdem eine höhere jfllatte,
als unteren eine schlichte hohlkchle in der Form eines Viertel-
kreises hat.') Die glatten 5chäste der k)albsäulen sind außerge-
wöhnlich schlank und haben eine kleine Tntasis sZlnschwellung).
Die Durchdringung des römischen Borbildes mit merowingischer

r) An der lvestfa^ade der Tborhalle war voii den nur seitlich angebrachten
Aämpferprofilen friiher der vordere Theil abgeschlagen, da die Veffnungen
dnrch eine Bretterverschalung bez. dnrch cine Thnr verschlossen waren, die
innerhalb der Leibungen standen. Die Löcher für die als ljalt dienenden
Lisen sind noch houte sichtbar (Fig. ;o>. Lrst in nenerer Zeit sind die Thüren
an die inneren Flächen der lsallen versetzt und damit zngleich die Uämpfer-
profile um das vordere Stück nen ergänzt worden.

Jn der Bastlika zu Steinbach i. V. sind die Pfeilerkämpfer von ähnlicher
Form nnd anch nur soitlich unter den Bogen angebracht. vgl. a. a. V., S. 2;.
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