Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

Seite: 33
DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/adamy1891/0049
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
Die fränkischen ,chl!rdstücke.

> u dem Neubau dci' im Zahre 1090 abgebrauuteu,
aus fräukischer Aeit stammeudeu l)auptkirche
des Alosters Lorsch wurdeu die Reste üer letzteren
mituerwerthet, wie uus die Lhrouik ausdrücklich
meldet.') Nachdem auch jeuer Neubau bis
aus die j?seiler uud Nogeu drcier llluttelschiff-
joche durch Hlammeu uud audere Uufälle
zerstört wordeu ist, haben seiue 5teiue auder-
weitige Nerwenduug gesuudeu uud ebeuso wie
die der übrigeu Nlostergebäude zur Trrichtuug
ueuerer Gebäude iuuerhalb des Alosterbezirkes
wie außerhalb desselben dieuen müssen. s)u
diesen müssen sich also uoch Reste der ältesteu,
der fräukischeu Airche befinden, und wir habeu
bereits obeu Hunde erwähnt, dereu 5tilver-
waudtschaft init der Thorhalle wir nicht an-
zweifeln und die wir nach §age der 5ache
demnach als fräukisch bezeichneu dursteu.

Nachdem wir nun aber den Lharakter dcr
Bauglieder der Thorhalle geuauer geprüst
habeu, erscheint es nicht unwichtig, auch diese
Fuude aus das hierdurch gcwouncne Resultat hiu eiuer kurzen
Bctracbtuug zu uutcrzieheu. Trst dadurch gewiuut jcue Beweis-
krast, die wir ihnen obeu ohue Weiteres zugeschriebeu habeu,
wisseuschastliche Glaubwürdigkeit.

Uuter diesen ^uudstückcu, zu deuen auch mehrcre Bruchstücke
der au der Nord- uud Lüdseite der Thorhalle abgeschlageueu
Friesstreifen (Fig. 33) gehören, sind einige den Baugliedern der
Thorhalle der Zeichnuug uach durchaus glcich; audere siud es
bloß den Bbotiven und der Ausführuug nach.

9 Ilnäe ir> brcvi tui» ex oblulis impenciiis, tui» ex iucenUii
reli^uiis euclei» restuurutu est scelesiu. Lud. I.uuresli. p. 205.

28. Lrnchstiick rines frünkischo» Rompositkupiläls

Zu den erstereu ^uudstückeu gehärt als wichtigstes das Bruch-
stück eiues bsalbsäuleukapitäls (Ag. 28) aus Zura-Golith sAalksteiu).
Ueber dem Astragal und einem dasselbe begrenzenden schmalen
Baude steigeu deutlich erkenubar zwei Reiheu Zlkauthusblättcr
empor, dereu Bearbeituug im Aerbschuitt erfolgt ist. Neber letzteren
ist noch der jDerleustab mit dem scharfeu, ihn vou dem Tierstab
treuneuden 5tege sichtbar. Tie Bcrwaudtschaft
mit deu Napitäleu der Thorhalle fällt bci dem
ersteu Anblick aus. Der einzige unwesentliche
Nuterschied vou dieseu besteht dariu, daß die
uuteren Akanthusblätter sich uicht uumittelbar
über dem Astragal erheben und daß das
Aapitäl überhaupt bcdeutend kleiuer ist als
jeue. ^etzterer Nmstaud deutet mit Sicher-
heit daraus hin, daß dieses Aapitäl uicht sür
die Thorhalle, also für einen auderen Bau
bestimmt oder verwendet war.

Tin 5chaft eiues j)ilasters aus rothem
Laudsteiu ist geuau so gearbeitct, wie die
lr-chäfte der j)ilaster am obereu Äockwerke
der Thorhalle; auch seiue Breite ist dieselbe;
die kürzcre Läuge jedoch beweist, daß auch er sür dieseu Bau
uicht bestimmt war. Tr hat zuletzt bei dem uuter dem Luß-
boden des abgebrocheuen ^orstwarthauses gesundeuen gcpflasterteu
IVeg ö iu Lig. 6) als Raudsteiu gedieut. Das j)flaster dieses
Weges selbst bestand aber gräßtentheils aus weißen und rotheu
chtückeu Laudsteiu oder Golith sAalksteiu) iu quadratischer, sechs-
uud dreieckigcr Gestalt, wie sie zur Berbleuduug der Thorhalle
verwerthet worden sind; einige Lteine bestanden auch aus weißeni
Nbarmor. Da jene zur Verblendung der Giebelseite dieses Baues
uicht gedient habeu köuueu, wie wir obeu') uachwiesen, so müssen

^oite 12

s
loading ...