Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

Seite: 34
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auch sie an eiuem anderu Bau verweudet gewescu seiu, worauf
auch uoch die vorhandenen B7örtelspuren hinweisen. Line Anzahl
gleicher 5teine hat in der noch stchenden Aehntscheuer und in der
Urnfassungsrnauer des Alosterbezirkes Berwendung gefunden, wo
sie noch heute zu erkennen sind. Da nrehrere der aufgefundcnen drei-
eckigen äteine größer sind als die an der Thorhalle verwertheten,
fo läßt sich von ihnen eine anderweitige Berwendung nnt unr so
größerer Bestinrnrtheit behaupten. Bon besonderem Interesse
sind diese 5teine noch wegen ihrer Gestalt.

5ie sind nämlich größtentheils unseren s)slaster-
steinen ähnlich bearbeitet, und nur wenige
kann man als platten bezeichnen. 5ie waren
also dazu bestimmt, mit dem hinteren spitzeren
Theil in die Akörtelmasse einzugreisen und so
einen ksalt nicht nur durch ihren eigenen Ber-
band, sondern vorzugsweisc durch ihr Tin-
greisen in die innere A cauermasse zu gewinnen.

A)ir haben oben schon erörtert, daß die unter-
suchten Blendsteine an der Thorhalle zum
Theil in gleicher lVeise zugehauen waren,
so daß also auch sie eigentlich nicht als sDlatten
zu bezeichnen sind. Nicht unerwähnt wollen
wir noch eine s)latte aus rothem chandstein
lassen, die denen gleich ist, welche bei dcr Thorhalle als horizontale
Abdeckung über den Bogen verwendet sind.

Bon gleichem Znteresse sind die übrigen, nur dem 5tile und
der Bearbeitung nach den Baugliedern der Thorhalle verwandten
Fundstücke. N)ir haben auch bei ihnen ganz deutlich zwei ver-
schiedene Arten zu unterscheiden: die aus )ura-Golith hergestellten,
im Allgemeinen feiner gearbeiteten und die aus Gdenwälder
Sandstein etwas krästiger gemeißelten Bauglieder. Zu den ersteren

in flachem Relies und im Aerbschnitt; bei ihnen sowohl wie bei den
übrigen Blättern erregt die Art der Darstellung Znteresse. Denn der
chteinmetz hat offenbar freier vorspringende Blätter als gleichförmig
flaches Relief hierher übertragen; die beiden ksälften der Blätter
fallen, so zu sagen, auseinander, und ihre aus drei getrennten
Blättern gebildeten 5pitzen hängen wie an einer 5chnur nach vorn
herab. Links und rechts befinden sich frcilich zwei länglich ge-
bildete und zum Theil durch Bohrung entstandene Augen; aber
man erkennt nicht recht, zu welchem Zwecke
sie da sind, obwohl die Blätter hier wie
zusammengerollt erscheinen. Auch das mitt-
lere größere, über jenen befindliche Blatt
ist in gleicher IDeise gebildet. An den Tcken
befindet sich ein Akanthusblatt, das bis zum
Absatz hinausreicht; die gebeugten Lpitzen
mit ihren Dreiblättern nehmen zweckgemäß
die Tcken ein. An den 5eiten ist die Aeich-
nung des Akanthusblattes etwas anders als
vorn: die Rippen sind gerader, das Blatt ist
in Lolge dessen steiser in der Zeichnung und
erinnert auffallend an Grnamente, die sich an
einigen spätrömischen Grabsteinen des Nkainzer
Rcuseums besinden. Der obere Theil des Aa-
pitäls, der etwas zurück tritt, hat an den Tcken ein mit zwei über-
einander befindlichen Voluten endigendes, also in der Ncitte ge-
brochenes Blatt, wie der untere Theil und ein vortretendes Rfiittel-
stück, welches oben mit drei Dreiblättern, darunter zwei an Anäpfen
hängenden, geschmückt und zu beiden 5eiten von halben Akanthus-
blättern eingefaßt ist; letztere schließen sich mit einer Rundung,
wie die palmetten des Thorhallenfrieses, an die Tckblätter an.
Der obere Raum zwischen jenen ist mit einem Dreiblatt ans-

Fig. 29. Blendsteiiie aus Sandstein nnd Iura-Valith.

Fig. Zo n. z;. Pilasterkapitäle ans Inra-Volitst.

gehören zwei auch den Grnamenten nach nahe verwandte flfilaster-
kapitäle und süns annähcrnd gleichc korinthisierende Aapitülchen
mit Lchilfblättern, zu den letzteren ein Gesimsstück, ein Tckstück
eines palmettensrieses, zwei Bruchstücke eines jDilasterschaftes, ein
solches mit einem perlenstabe, ein profilierter Ltein mit Znschrift,
vielleicht auch zwei Pilasterkapitäle und ein attischer Säulensuß mit
dem daran sitzenden Ansang des 5äulenschastes und dem zuge-
hörigen oberen Tnde desselben.

Von den beiden verwandten jDilasterkapitälen der ersten Gruppe
hat das eine (Kg. 30) recht wohl erhaltene flache Grnamente,
zu denen die Antike wiederum die Vorbilder geliefert hat. Tigen-
thümlicherweise besteht jedes aus zwei horizontalen, durch einen
Absatz getrennten Theilen. Der untere von diesen zeigt bei dem
einen Aapitäl zunächst in der Rutte zwei kleinere Akanthusblätter

gefüllt, dessen Aonturen durch eine Bandverschlingung — echt
fränkisch! — gebildet sind. Der Abakus ist durch eine ksohlkehle in
zwei Theile gegliedert. Tin zweites jDilastcrkapitäl (Fig. 5s) ist nur
in den Grnamenten unwesentlich von jenem verschieden, vielleicht in
Folge eines RAßverständnisses in der Zeichnung. An der unteren
Hälste sind hier nämlich die zwei unteren Blätter nrit den oberen
zusammengezogen, wobei ein etwas wunderliches, gleichfalls in
zwei senkrechte, aber scheinbar kaum zu einander gehörende Theile
zersallendcs mittleres Blatt cntstanden ist, das jedoch mit vier
Augcn versehen ist. An den Tcken sind verwandte Blätter. Die
obere bsälste ist der des ersten Pilasterkapitäls ähnlich, jedoch
weniger gut erhalten. Die Zeichnung sämmtlicher Grnamente
lehnt sich unmittelbar an antike Vorbilder an, ihr 5chnitt
gleicht denr der zarter ausgebildeten Akanthusblätter der eut-
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