Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

Seite: 36
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also lsalbsaulen hat, deren Tchäfte ans Gdenwälder äandstein
nnd deren Aapitäle ans )nra-Aalkstein bestehen, so gab es anch
kleinere ganze chäulchen von gleicher Zusammensetzung des Materials.
hierher gehoren könnte endlich noch das Bruchstück eines pro-
filierten 5teines, dessen !)auptglied eine oben und nnten von einein
j)lättchen begrenzte 5ima ist; aus der Abdecknngsplatte befinden sich
die Buchstaben LLH I^IOId, «I,
eingemeißelt.

<Vb zwei weitere j)ilaster-
kapitäle aus weißem chandstein,
deren Aeichnungen auch noch an
antike jDalmettenmuster anklingen,
dieser oder einer späteren Lpoche
angehären, müssen wir dahinge-
stellt sein lassen; doch spricht bei
dem einen (Fig. 58) hierfür die
krästige Bearbeitung nach Art des
Thorhallensrieses (^ig. 2 s—25),
bei dem andern (Ag. 57) die
Zpuren eines Tierstabs in der
Gestalt dieser Form an der Thor-
halle.

Die gothischen Giebel der
Thorhalle enthalten Bruchstücke,
die gleichfalls von der fränkischen
Airche herrühren können. Bo
ist am 5üdgiebel das östliche
der beiden chpitzbogenfenster von
den Bruchstücken zweier jdilaster-
schäfte aus 5andstein eingesaßt.

Das eine (Fig. 5fi) hat zwei
Aanneluren und darüber ein Btück
einer vertieft eingehauenen Ro-
sette, das andere (Fig. ssO) wird
durch kleine viereckige, sternförmig
im Aerbschnitt eingehauene A custer
in zwei über einander stehende Theile getbeilt, die je zwei
Aanneluren mit den schon bekannten muldenfömigen Ginlagen
haben. Iene kleinen Aerbschnittmuster fiuden sich in gleicher
oder ähnlicher Horm aus fräukischen Bketallschmucksachen vielfach
verwendet, und wir haben hier
den für uns interessanten Hall,
daß an eincm im Uebrigen durchaus
klassizistisch ausgeführten j)feiler-
schafte zugleich fränkische Motive
in fränkischer Ausführung sich
zur Geltung bringen und zwar
in unvermittelter Nebeneinander-
stellung. Diese klassizistisch-sräii-
kischen Formen, an denen der
schwankende Tharakter der srän-
kischen Aunst so deutlich zur
Geltung komint, sind wohl die redendsten Zeugen sür den 5til
jenes Gebäudes, dem sie eiust angehörten, nämlich der zugleich
init der Thorhalle erbauten fränkischen Alosterkirche.

Diese ^undstücke hätten sich ohne Zweifel noch durch eine
große Anzahl anderer vermehren lasfen, wenn es angänglich gewesen
wäre, die Mauern der Airche und der chäuser im Flecken Lorfch
zu durchsuchen, die leider sänimtlich verputzt sind. Bei Umbauten
älterer ksäuser kommen fast regelmäßig aus dem Aloster stam-
mende Bauglieder zu Tage, und ein Theil der oben erwähntcn
Stücke war bis dahin zn Treppenstuseu und Akauersteinen ver-
wendet und mußte ausgebrochen werdeu. Auch die Mauern
über den Bogen der drei A uttelschiffjoche der romanischen Airche
und die Aehntscheuer im Alosterbezirk habeu vereinzelte Bausteine

benutzt, deren Bearbeitung nach einem Bergleich mit ver-
wandten 5teinen an anderen Grten einer sehr frühen und sehr
wahrfcheinlich der fränkischen Bauzeit zuzuschreiben sind. Diese
5teine (^ig. -j s) zeigen nämlich eine Bearbeitung durch Behauen
nach gewisscn linearen Alustern, sei es im Zickzack, sei es in geraden
oder gebogenen, unter Winkeln grnppenweise gegen einander

stoßenden Linien, bald in zarter,
bald aber in überaus kräftiger
Weife. Tine verwandte Behand-
lung zeigen spätrömische und frän-
kifche Tärge, so auch ein solcher,
der auf dem jDlatze des ehemaligen
Alosters Altenmünster, von wo
aus das hier besprochene Aloster
Torsch gegründet wurde, l8G
oder Hs gefunden und nach einem
kurzen Dienst als lVasserbehälter
vorläufig in der alten Thorhalle
ausgestellt worden ist (^ig. -j2).

Auf den inneren Aächen des-
selben finden sich innerhalb der
krästigen §inearbearbeitung christ-
liche Aymbole, Areuz und Anker,
in Relief.

Da wir hiermit zwar eiu
anderes, aber dieser Abhandlung
doch nicht fremdes Gebiet be-
tretcn haben, so seien auch gleich
die anderen, der fränkischen oder
doch der unmittelbar darauf fol-
genden karolingischen Zeit zuzu-
fchrei)ienden ^orscher Zarkophage
angeführt. Außer den erwähnten
befindet fich in der Aapelle noch
ein kastenartiger Bteinsarg mit
einer beachtenswerthen Verzierung
in Relief (Lig. <s5): kannelierte Pilaster mit ionisierenden Aapi-
tälen im 5tile der oberen 5tockwerkdekoration der Aapelle tragen
das oben den 5arg umrandende Gesims, dessen j)rofil dem der
Tpitzgiebel der Aapelle ähnlich gebildet ist. Tr soll im Garten der /LoO

^orstmeisterwohnung, also inner-
halb des Alosterbezirkes, gefunden
worden sein. 5eine äußere Deko-
ration läßt seine Tntstehung der
Zeit der Trbauung der Borhalle
nahe rücken; demnach könnte er
vielleicht den Leichnam des Aloster-
stifters Tancor geborgen haben.

Nicht viel jünger, etwa um
ein halbcs Zahrhundert, dürfte
der Deckel eines Tarkophages aus
chandstein sein, der nach ciner
handschiistlichen Notiz des verstorbenen Gberstjägermeisters ,srei-
herrn von Dörnberg im Zahre f8s9 beim Rotten gefunden
wurde. Auf dem flach ausgehauenen Areuz desfelbeu liest man:

?.L8D8ci'?/. IVt?-
Ibl KL8D?.KLcHO^?-
IV8ä'O
ir. D ivi.

Am Aopsende des zugehörigen tvargbodens soll sich ein Btein
mit einer Znschrift auf einem unten sich verjüngenden Areuz
befunden haben, von der sich eine Zeichnung erhalten hat:')

9 vgl. die 'Nittbeilimg des Greßherzogl. Archirdirektors Freiherrn Scheuk,
iii dessen Besig die Zeichiiimg iibergegangeii war, bei Ivagner re. a. a. G.

H. 5. 507 II. 5l)8.

Fig. zz. Gothische Aonsole, Brnchstiick eines ehemaligen Firstkreuzes
der Thorhalle und des Frieses derselbcn; korintkisierendes Aapitalchen
aus Inra-Dolith.

ffig. Fensterstiirz ans rothem ^andsteiii.
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