Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

Seite: 41
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Fig. 49 u. so. Gcdeiikstoin vou Lt. Alban in Mainz.

Herkunft;*) von den wenigen Resten der Ingclheimer ist

dasselbe zu behauptcn ^): inan hat sich hier wie dort init Anleihcn
von einer Aunst bcgnüach die inan wohl zu schätzen verinochte,
aber init eigner l)and plastisch nicht inehr nachzubildcn wagte.
Trotzdein wäre abcr jener Schluß nicht ganz richtig: In Lorsch'
haben wir einen Bau vor uns, der nicht von Linhciinischen,
sondern von Freinden gebaut wurde, die, ihrer l)crkunst und des
bischöflichen Gründers Ncigungen geinäß, in ihrein ganzen wesen
init der röinischcn Nultur noch enger verschinolzen waren, als dic
um den Rhein ansässigen Deutschen. Bei diesen konnte darum auch
dic Architektur lcichter die wege zu cinein cigenen Ltile, dein
roinanischen, flnden, dcr in Deutschland deingeinäß seine originalste
Zlusbildung crfuhr. Untcr dieseni Gesichtspunkte betrachtet, cr-
scheint die von Aarl dcin Großen uninittelbar beeinflußte
Aunst doch in eincin andercn Lichtc: sie bereitet durch Lockerung
der ^csseln, init denen fle an die altchristlich-röinischc Aunst bis
dahin gebunden war, und durch Ninwandlung des Borgesundenen
nach dcni Bedürfnisse des gerinanischen Gigengefühls, in natur-
gcinäßein Nebcrgange von der antiken Aunst zur christlich-gernia-
nischcn dcr chclbständigkeit der deutschen Aunst nothgcdrungen und
unbewußt dcn wcg. wo sie zu hüheren Leistungen sich auszu-
schwingen Ursache hat, da ist sie sreilich noch gezwungen, sich

Ueber die antiken Länlen zu Aachen vgl. Rhocn a. a. G. S. so rc.

Die im Maiiizer Ukiisciim bestiidlicheu Uapitäle aus Iiigclstcim sind
zmeifellos gleichfalls römische Arbeiten. Das »im Saal« zu Nieder-Ingelbeim
noch vorbaiidciie Aämpfcrgesims für den Gurtbogen dcr Apsis zcigt die Form
des hauptgcsimses an der l)auptapsis i„ Steinbach i. G. Die Kapitälo dcr
Iu st i n u s k i r ch e zn l>öchst am INain habc ich absichtlich nicht in die Be-
trachtung eingereiht; der Ban bcdarf noch einer sotfältigcrcii Uiitersuchung, als
sie ibm bis jetzt hat zn Ttzeil werden köniien.

direkt fremder Anleihen zu bedienen: auch dic Ulosaikcn in der
s?alastkapclle zu Aachcn sind italische Arbeit, und sowohl die Reste
dcs chemaligen pavimeutum ssctils dieser Airche, wie die aus
dem sechstcn Iahrhundert stammenden gleichcr Art im Dome zu
Trier lassen die römischen Vorbilder erkennen, gleichwie der ge-
schilderte Ulosaiksußboden in der Lorscher Airche, dessen Reste
jenen in nicht zu verkennender weise gleichen; nur dürfte auch
hier hinsichtlich dcr Tntstehung jcner Unterschied festzuhalten sein:
bei den karolingischen Bautcn warcn es italische Arbciter, welche
jene werke ansertigten, in Lorsch waren es Bewohner des Alosters,
Ulönche, welche auch die Bauwerke ausführten.

Au einem Vergleich mit den klassizistischen Bausormen der
Lorscher Thorhallc sordern jedoch die Bronzegitter des Aachener
Gctogons heraus. Die Grnamcnte dcrselben crweiscn sich zweifel-
los als wcrke eincr mit jenen verwandten oder gleichen Stilrichtung
sowohl in der Zcichnung wie im ^chnitt. wenn neuerdings
ihre Anfertigung in karolingischcr Zeit in Frage gestellt worden
ist,') so kann wenigstens die stilistische Beschaffenheit gerade durch
den bsinweis auf die sränkischen Grnamente in Lorsch nicht als
stichhaltig hicrsür angesehen werden. Der sränkischen Aunst stehen
diese wcrke mindestens schr nahe.

Dic Feststellung jenes Tntwicklungsganges der Aunst ist nicht
ganz unwichtig für unsere Betrachtung: sie spricht nämlich glcichsalls
unverkennbar dafür, daß jene mit plastischen Grnamenten verzierten
Lundstücke des Lorschcr Alosterbezirkes, dcren Bcrwandtschaft mit
dem Läile dcr Thorhalle wir obcn besprochcn haben, ehcr der
Zeit des Alosterbaues als der späteren Aunst der Aarolingerzeit

I> Bei Rhoeii, Die Aapelle der karolingischeii jdsalz zu Aachen. Aacheil
>887. S. 42.

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