Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

Seite: 46
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Holzdecken schlossen die drei ^chiffc nach oben zu ab. Der bsaupt-
eingang befand sich an der Westseite; daß noch ein Lingang an
der Nordseite vorhanden gewesen, berichtet die <Lhronik?) Uebrigens
scheint auch nach der N)eihe von s s30 die zu-
nächst vielleicht zum Theil nur nothdürftig wieder
hergestellte Airche weiter ausgebaut worden zu
sein. 5o erfahren wir, daß unter Abt Folc-
nandus jss<s2—Nd) ein reicher )Nönch, Adal-
bert mit Namen, die sowohl durch ihre Aärglich-
keit wie durch Alter ihrer IVürde sehr wenig
entsprechende Airche wieder herstellen und mit
Wölbungen, Thoranlagen, Fenstern, einer ze-
täselten Decke und einem Bleidach ausstattench)
daß ferner erst der Abt kseinrich sssöZ—ll67)
in ihr einen passenden Fußboden legen ließ.

Die Bogenöffnungen des Mittelschiffes
s^ig. 53) sind ^s,oq bis H,06 m breit; die s?seiler
s,23 m. Letztere habcn eine attische Basis, die
aus ciner breitcn viereckigen flatte ruht (Fiz. 5q).
Die Aämpfergesimse haben verschiedene s)rofile,
von denen einige sich wiederholen (Fig. 55—56).
<Lin einziges (Fig. 56) hat eine ornamentale
Berzierung, Ranken, dic aus Töpfen hervorschießen und sich
kreuzen. Diese Arbeit zeigt, daß auch in dieser Aeit das Aloster
noch Aünstler von origineller'Lmpfindung und gutem Geschmack

besaß. Die Aseiler sind aus ^uadern
errichtet, deren Verband ein unregel-
mäßiger ist; wo es gerade paßte,
sind platten aus die hohe Aante
gestellt und manche 5teins ruhen
in ähnlicher Weise nicht aus ihrem
natürlichen Lager. Ginige Lteine
rühren von dem sränkischen Baue
her; sie zeigen die oben rmtgetheilte
Musterung irn Zickzack. Von be-
sonderem Interesse sind die Bogen.
5ie sind aus ^uadern je einen 5tein
stark ausgeführt, jedoch auffallender
N)eise so, daß sie nach dem Scheitel zu
allnrählich stärker werden, vermuth-
lich deshalb, weil der obere fiache Theil des Bogens, der die
größte Mauerlast zu tragen hat, den Trbauern einer Verstärkung
bedürftig erschien — ein konstruktives Versahren, welches mit dem

Fig. 5S. Romanisches Kämpferprofil eincs lNittelschiffpfeüers.

Otiron. p. 252 <RoIcnnn6usl sepnltus est in ecclesiL principuli, in ipso
occiüentuli introitu iu Intere exeuntium dextro. Vgl. ffalk a. a. V. 5. 207.

') Llrronicon p. 2 z 2. .-X cvildertus.templum Nuuresliumense,

tum psrvitute tum velustule äiAnituti suus minims responclens, veo coopsrrmte
renovuvit et siiAmentuvit, et, ut in prLesentiuruni cernitur, tornicibus, uksiclidus,
ieneslris, Iac>uesribus, tectv plumbeo venustuvit.

ffig. 5 5.

Romanische Aämpferprofile
der Mittelschiffxfeiler.

der romanischen
Pfeilerbasen.

Gesetze des Wölbens wenig in Tinklang steht. Die Zwickelquadern
sind nicht mit den unteren Bogensteinen in Verband gebracht,
sondern lose für sich eingesetzt. 5omit zeigt dieser Rest der ro-
manischen Airche beachtenswerthe Naivetäten der Aonstruktion,
die aus eine sehr frühe Bauzeit schon an und sür sich hinweisen.
Die Nlauern über den Bogen, welche im Znnern über einem Gurt-
gesims (Fig. 57) aussteigen, sind aus kleinen, ziemlich regelmäßig

bchauenen fi-teinen ausgeführt. Der die Heuster enthaltende obere
Theil ist nicht mehr vorhanden.

Die ^undamente dieser romanischen Airche sind außergewöhnlich
stark, im Gegensatze zu den Fundamenten der Thorhalle, die keine
bemerkenswertheVerbreiterunggegenüber demaussteigendenMauer-
werke zeigen. Das Unglück, welches die erste Airche an dieser
5telle betraf und den vSlligen Ginsturz derselben zur Holge gehabt
zu haben scheint, war für die Grbauer der neuen
Airche offenbar ein guter Lehrmeister geworden.

A)enn nun auch der Thronist sich gcdrungen
sühlt, hervorzuheben, daß diese zweite Airche
der ersten an 5chönheit nicht gleich kam, so
zeugen die wenigen Reste, welche den 5türmen
der Zahrhunderte getrotzt haben, immerhin von
einem beachtenswerthen Baue mit großen weiten
Verhältnissen und ästhetisch wohl befriedigenden
Hormen. Zndem wir an dieser 5telle eine
möglichst genaue Ausnahme der Bogen und
der noch vorhandenen jDrofile und Grnamente
einschalten, ist die uns hier gestellte Aus-
gabe erfüllt. Nur sei noch erwähnt, daß auch die Umfassungs-
mauern des Alosterbezirkes und andere jüngere Bauten, sowohl
dcs letzteren wie des Aeckens, noch mancherlei Reste des roma-
nischen 5tiles bergen, von denen wir bloß eine attisierende Basis
welche offenbar zu den Vscilern des UUttelschiffes gehört s^ig. 58),
einen Tturz mit Schachbrettmuster s^ig. 59), eiu in kräftigem
Aerbschnitt ausgeführtes Bruchstück eines srühromanischen pfeiler-
kapitäls (Lig. 60), ein AA'irfelkapitäl s^ig. 6s), welches von der
Anwendung von Rundsäulen in romanischer Zeit Zeugniß ablegt,

Fig. 58.
Pfeilerbasis.

ffig. 59. Lturz mit Lchachbrettmuster.

hervorheben. Tin schön ornamentiertes romanisches Gesimsstück
haben wir bereits oben (Ag. 52) in einer Abbildung mitgetheilt.

Unsere Ausmerksamkeit hat sich auch noch dem romanischen
Altar in der Michaelskapelle sThorhalle) zuzuwenden. 5eine ge-
bauchten 5äulen (^ig. 62) stehen lose vor der A)and; ihre Basen
sind so stark beschädigt, daß die lsauptsorm der profile kaum
festzustellen ist; das Aapitäl ist cbenso wie die Ltämme mit dicker
Larbe überstrichen und bemalt, so daß auch seine Grundform
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