Adamy, Rudolf
Die fränkische Thorhalle und Klosterkirche zu Lorsch an der Bergstraße — Darmstadt, 1891

Seite: 47
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nicht deutlich hervortritt. Das Zickzack des Bogens wird nach
oben ;u immer flachcr, bis es füglich nur durch Bflalerei angedeutet
ist. Das obere Profil und die Bekrönung cntstanuncn einer
lDiederherstellung aus neuester Zeit.

Wann ist dieser Altar errichtet worden? Der Bogen ist
romanisch, doch schwerlich aus der srüheren Zeit dieses Stiles;

Flg. so. Bruchstlick eines frichremcuiischen Uapitäls.

die Lntasis der 5äulen hingegen berechtigt zu einer sehr srühen
Datierung ihrer b)erstellung. N)ir sind geneigt, anzunehmen, daß
seine Aufstellung mit der Linrichtung der Thorhalle zu einer
Aapelle in glciche Aeit sällt, daß die Bäulen aus älterer Zeit
stammen und vielleicht nur neue Aapitäle erhielten und daß der

Bogen neu angefertigt wurde. Die Annahme, daß die Tinrichtung
der Thorhalle zur Aapelle in der Aebergangs- oder frühgothischcn
Zeit crfolgte, würde durch die Gestalt des Bogens eine neue
5tütze erhalten. Die Zeit der letzten IVeihe und Wiederherstellung
der Alosterkirche sf266) würde somit auch die der Trrichtung
des Altares sein.

Auch die gothische Zeit nmß inancherlei bauliche Berände-
rungcn und Ausbesserungen an der lchmptkirche riothwendig
gemacht haben. Zst das von uns (Fig. s) mitgetheilte Bild
nacb Akerian richtig, so ist der ganze Thor in dieser Zcit crneuert
wordcn; cr wurdc hicrnach mit drei Seiten des Achtecks geschlossen.
Vb die Bauten gegen f266 gerade diesen Theil der Airche be-
trafen, ist nicht mehr festzustellen; doch läßt die Nothwendigkeit
einer abermaligen lVeihe aus bedeutendere Veränderungen schließen.
Die an der HVestseite angebrachten Neuerungen, ein gothisches
Näaaßwerksenster und ein s?ortal mit Laubwerk an dcn Aapitälchen

4?

(Ag. 63) tragen den Tharakter des vierzehnten Zahrhunderts,
und wir werden nicht fehl gehen, wenn wir sie mit dem Blitz-
schlag, von dem die Thürme betroffen wurden, in Verbindung
bringen. Au welchem Zwecke der phantastische Thierkopf über
dem gothischen Aortal gedient hat, ist nicht ersichtlich. Stücke
von Niaaßwerkfenstern und sDortalwandungen mit gothischen
jDrofilierungen und Formen, sowic die oben bildlich mitgetheilte
Aonsole (Ag. 33) beweisen, daß auch außerdem in gothischer

ffig. SZ. tsentigc tvoslseite der remnilischon Mittelschisfjoche.
Unterer Theil des mittleren Ltückes.

Zeit, sei es an diesem, sei cs an einem andern Baue, gearbeitet
worden ist.

5eit dem Zahre s62!( ist die Airche Ruine. Die drci
Nuttelschiffjoche, die einzigen Zeugen der romanischen Aunst der
Airche, verdienen cine bessere Trhaltung und würdigere Benutzung,
als ihnen heutzutage zu Theil wird. Möchten sie nach einer
gründlichen lViederherstellung dem idealen Zwecke, sür den sie
ursprünglich errichtet waren, zurückgegeben oder doch einem wür-
digeren gewidmet werden, damit nicht auch sür diese geschichtlich
bedeutsame Stättc unsere kunstsinnige Zeit der pietätlosigkeit
fernerhin mit Recht geziehen werden könne.
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