Adler, Friedrich
Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preußischen Staates (Band 1): Die Mark Brandenburg: 1. Die Stadt Brandenburg. 2. Die Altmark — Berlin, 1862

Seite: 31
DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/adler1862bd1/0041
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
31

Nachträge.

ad I. Kirche St. Maria auf dem Harlunger - Berge.

Den im Texte angeführten Zeichnungen und Platten, durch welche
das zerstörte Bauwerk abbildlich et'halten worden ist, ist noch eine, iin
Archive der Bau-Abtheilung des Königl. Handels-Ministeriums auf-
heWahrte Original - Zeichnung hinzuzufügen, welche deu auf Bl. II, I ig- I
tnitgetheilten Längenschnitt' ohne bemerkenswerthe Abweichungen dar-
stellt. Die Zeichnung starnmt wahrscbeinlich aus Brandenburg.

ad III. Kapolle St; Peter.

Der S. 11 erwähnte, in St. Peters - KapeUe vorhandene Grabsteim
aus gebranntem Thon ist däs einzige wohlerhaltene Denkmal dieser lecli-
n'k in Brandenburg, woselbst nach Bruchstücken zu urtheilen, derartige
^lonumente zahlreich vorhanden waren. Derselbe ist Bl. XX, Fig. i 1
• abgebildet .und zeigt in trefflich inaaJkvoller Reliefbehandlung di.e in der
Tracht der bei St. Peter bestehenden geistlichen Brüderschaft gekleidete
^ittfrau Elisabeth Winkelmaafs. Auf diesen Namen scheint sich das
zn ihren Füfsen befindliche redende Wappen zu beziehen. Leider ist

di

beka:

11O*

IjU

dah

G

e ümlaufende Inschrift theilweis zerstört, so dafs das Todesjahr un-
°nt bleibt, — doch deutet die Schrift und die stylistische Behand-

des Wappens auf den Anfang des XVL Jahrh. Möglich ist es
ei ? dafs Witlwe Elisabeth als wohlthätige Förderinn des letzten

ewölbebaues von 1521 in der von ibr unterstützten Kapelle eine be-
°nders ausgezeichnete Ruhestätte empfangen hat. Das einfach schöne
nd wohlerhaltene Denkmal verdient die sorgfältigste Erhaltung.

ad IV. Dom St. Peter und Paul.

i ) In dem mitgetheilten Gründrifse der Krypta. mufs der im süd-
^stlichen Joche angedentete Eingang in das daneben belegene östliche

'Joch
I)

correspondire.nd mit dem nördlichen Eingange verlegt werden ■).
li * § ezei°bnete Eingang mit den hinabführenden Stufen ist zwar wirk-
vorhanden, aber erst später bei Abtreunung der westlichen Gewölbe-
e zum Zwecke eines Begräbififsgewölbes hergestellt worden. Dem-
^^näfs war djg Krypta, welche urkundlich bis nach der Mitte des

Jahrh. gottesdienstlich benutzt wurde, auf der Nord-, Süd- und

XV

Ac.stseite mittelst vier hinabführender Treppen von dem Langhause wie
n Querschiffen aus zugänglich.

Uierbei nrufs äuch die Berichtigung hinzugefügt werden, welche eine
^ochrnalige sorgfältige Prüfung liat. erkennen lassen, dafs von dem Um-
au der Krypta im J. 1235 (vergl. oben S. 12) nur der Osttheil mit dem
1 dicken wulstförmigen Rippen hergestellten Sterngewölbe, sowie die
dach durchbrochene Wänd, welche Absis und Schiff trennt, herrührt.
^izweifelhaft war ursprünglich und sicher noch zu jeuer Zeit die Krypta
C'schiffig, wie namentlich .die westlichen, nach dgm Langhause füh-
^hden.Eingänge beweisen. Die jetzige zweischiffige Einrichtung mit
ngen Kreuzgewölben auf abgefasten Rippen ist das Re'sultat des
s|en gothischen Umbaues, der die oberen Chormauern mit den Strebe-
q ern herstellte und die Nebenkapellen auf der Nördseite in beiden
• Psc i°ssen von Neuem überwölbte.

p. Der im Dome vorhandene sandsteinerne'Taufstein ist auf Bl. XX,

’ 12 dargestellt. Derselbe ist in Form einer grofsen achteckigen

aale iu schweren gothischen Formen angefertigt, und enthält zwei

eihen figiirlicher Reliefs, deren untere Jagdsceüen zu bebandeln scheint,
. lend. die obere der Darstellung neutestamentlicher Erzählungen ge-
' Vldmet ist.

Die drei mitgetheilten Taufsteine von St. Godehard, dem Dorne und
Katharina gewähren eine Vorstellung dcr verschiedenen, dem Mate-
m lllld der künstlerischen Bildung entsprechenden Behandlungsweis.e
eSf l kirchlichen Monumente. in der Mark. • .. •

^ °) Nachträglich ist noch der Banmeister des ersten gothischen Um-

! ;' es des Domes bekannt geworden 2). Sein Name Hinricus do Gar-

deleve

erscheint mit dem Titel magister struclurae als Zeuge nebst an-

^ ern Kanonikern des Stiftes unter einer Urkunde • vom J. 1307- ■ bei
Kiedel A. VIII, 203. — Hierdurch wird die im Heftl, S. 14 und lo
aUsgesprochene Annahme, dafs der erste gothische Umbau von 129o
bls 1310 stattgefunden, entscheidend bestatigt. Diesem Me.ster Hem-
nch v. Gardelegen ist nunmehr mit Sicherheit die jetzige Emnchtung
der Krypta mit- den acht Gewölben, die veränderte Herstellung der zwei-
Seschossigen „bunten Kapelle“, der Neubau des Cliores mit Strebepfei-

lcl> clera

1) .

diesen Irrtlium hat mich llerr v. Quast gütigst aufmerksam gemacht, wofür
geehrten Kunstforscher ergebenst danke.

2) Herr

Prof. Heffter in Brandenburg hat diese wichtige, mir entgangene- Notiz

na0ht " 1 w 1 ■ rienter m rsrannenDurg nat uiesc wicnuj

raglich mitgetheilt, wofür ieh dem’selben besten Dank sage.

lern, die Verstärkung der Schiffspfeiler mit treffliehen gothischen Pro-
filen, die Dienste nebst Konsolen. im Mittelschiffe, sowie endlicb der alte
Westgiebel zuzuschreibeu. In allen diesen Theilen oflenbart sich eine
tüchtige Kenntnifs der gothischen Kunstformen und die zweckgemäfse
Uebertragung derselben für den Backsteinbau.

ad VII. Rathhaus der Neustadt Brandenburg.

Vor dem Rathhause steht die kolossale, sehr roh gearbeitete sand-
steinerne Bildsäule des Roland mit erhobenem Schwerte in der Rechten.
Dieselbe ist 18 Fufs hoch uud war älteren Mittheilungen zufolge ver-
silbert oder silberfarbig bemalt. Auf der Rückseite ist die Jähreszahl
1404 eingemeifselt und dieses Datum ist auch anderweitig gesicbert,
doch läfst sich ans der Tracht und Bewäffnung schliefsen, dafs die Bild-
säule nur die Erneuerung einer fast 200 Jähre älteren hölzernen Statue
sein kann.

Gesammt ■ Resultat.

Chronologie der Bauwerke zu Brandenburg ').

949. (Gründung und Erbauung des ersten Domes St. Peter).
1136. (Gründung von St. Maria auf dem Harlunger-Berge).

1138. (Grtindung von St. Godehard).

1158 — 63. (Neubau von St-. Godehard). Westfront. *

1164 — 65. (Neubau_von St. Peters-Kapelle). Unterbau.

1170—94. Neubau des Domes St. Peter und Paul. •

1170 — 73. Griindung und Bau von St. Nicolaus. . Ostseite und
Unterbau der Schiffe.

1210. (Gründung von St. Katharina).

1220 — 30. St.’ Nicolaus. Westseite.

1230— 50. (Neubau von St. Maria auf deni Harlunger-Berge).
1235. Umbau und Weihung der Krypta im Dome, Ostseite des
Kreuzganges. • - ...

1270. (Vollendung von St. Katharina). Westseite.

1280. Gründung und.Bau von St. Johannes. Schiff und Westseite.
1286—92. Gründung umj Bau von -St. Paul. Schiff
Vor 1295. Kreuzgang im Dome. Nordseite.

1295 — 1310. Gothischer Umban des Domes durch Meister Ilein-
rich von Gardelegen.

1308—15. St. Paul. Chor und Kreuzgang.

1311 — 15. St. Peters-Kapelle. Obermauern.

1320. St. Jacobs-Kapelle. ’ Schiff.

1324 — 48. Neubaa von St. •Godehard. Schiff und Chor,

1340. Ratlihaus der Nenstadt. ILintergiebel.

1350. St. Jacobs-Kapelle. Thurm. • ■

1350. Rathhaus der Altstadt. Vordergiebel.

1375. ’ Rathenower Thorthurm.

1377—-90. Umban des Domes; Gewölbe, Nordgiebel und W’est-
fapade.

1380. Steinthor-Thurm.

1380. Rathhaus der Altstadt. .Ilintei’giebel.

1381 — 1401. Neubau von St. Katharina. Schiff und Frohnleich-
namskapelle durch Meister Heinrich Bi’unsberg von Stettin.
1401 — 10. St. Katharina. Siidkapelle ’ und Chor.

1411. Mühlthor-Thurm durch Meister Nicolaus Kraft von Stettin.
1415 — 20. St. Johannes. Chor (und Wölbung) wahrscheinlich
dnrch Meister Nicolaus Kraft.

1426 — 35. D.om. Nordthürm und. südlicher Treppenthunn.

1428. • St. Godehard. Frohnleichnams- und 1. Frauenkapelle.

1440. (Schwanenordenskapelle - bei St. Maria’ auf dem Harlunger-
Berge).

1440. St. Joliannes. (Kreuzgang). . . ■

1456, St. Godehard. Kapelle St._ Trinitatis durch Meister Ilein-
l’ich Reinstorf.

1465 — 70. St. Godehard. Kapelle des heiligen Kreuzes.

1484. (Erneuerung des Dachreiters auf St. Katharinen-Kirche).
"1521. St. Peters - Kapelle. Gewölbe und Pfeiler.

1583 — 85. St. Katharina. Thurm der Westseite.

*). Die eingeklammerten Bauwerke sind entweder nicht mehr vorhanden, oder nur
theilweise und in späteren Umhauten erhalten.
loading ...