Adler, Friedrich
Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preußischen Staates (Band 1): Die Mark Brandenburg: 1. Die Stadt Brandenburg. 2. Die Altmark — Berlin, 1862

Seite: 83
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^uferner Zeit dem SchifFsbaue angescldossen. An diesem Bau-
^eile erscheint das Werbener Faqadensystem, welches das Lang-
aus konsequent festgehalten hatte, ganz aufgegeben, dagegen
engerer Anschlufs an Choranlagen von Salzwedel erstrebt.
^iese Richtung macht sich besonders in der zu Nebenchören
eQutzten Erweiterung der Seitenschiffe, deren zwei Joche je-
erseits von einem schmucklosen achteckigen Pfeiler getragen
^ui’den, geltend *); sodann erscheint dieselbe in den flachbo-
Blenden der InnenmaUern des Hauptchors nicht minder
^eutlich ausgeprägt. Die Profile der zwei- und dreitheiligen
^enster des Chores sind dagegen wieder den Profilirungen des
^ ;inghauses genähert, theilweis sogar mit denselben Formsteinen
ergestellt. Das östlichste Joch des südlichen Hebenchors ist
^ ahrscheinlich als Liebfrauen - Kapelle benutzt und deshalb zwei-
b eschossig gestaltet worden. Doch ist das obere Geschofs nach
e‘n Haupt- und Nebenchore hin vollständig geöffnet, so dafs
^ er stützende Achteckspfeiler unmittelbar. über dem unteren
^ °ck\verke emporsteigt und die gesammte Choranlage durch
, esen Einbau nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Mit Rück-
auf die oben mitgetheilte inschriftliche Hachricht ist der
. l0rbau später als das Langhaus, von ca. 1470 bis 1480, er-
^ktet worden. Noch später ist die Kapellenanlage vor der
e®tfront in abgeschwächten spätgothischen Formen und mit-
telmäfsiger Technik entstanden. Von der wir-
kungslosen, höchst nüchternen Profilirung der
Fenster giebt der Holzschnitt eine Darstellung.
Wahrscheinlich ist diese Bauanlage die 1497
zuerst urkundlich genannte Frohnleichnamska-
deren Lage mit der ähnlicher Kapellen an den
zu Salzwedel übereinstimmt.

Pelle

Pf;

gewesen

arrkirchen

Knnstwerke.

khe einstige reiche Ausstattung der Kirche mit Altären etc.
" lrd durch den trefflich geschnitzten und bemalten Flüe’elaltar,
eKher Passionsscenen enthält, sowie durch einige schöne aber
h'aurig verwahrloste — Nebenaltäre mit geschnitzten Heili-
^Wstatuen bezeugt. Die spätgothischen aber noch edlen Archi-
vWrformen an diesen Schnitzwerken lehren, dafs keines der-
Selben über das Jahr 1450 hinausreicht.

R e s u 1 t a t.

I k)ie vorhandenen Bautlieile ordnen sich auf Grund der
fkschen Untersuchung folgendermaafsen:

1) 1170 —1180 die östlichen Vierungspfeiler nebst
Triumphbogen, sowie der Unterbau der Nord- und
kreuzmauer;

2) 1220—1230 die Westfront mit dem Hauptportale

3) 1440—1450 der Langhausbau;

4) 1470—1480 Ghor und Thurmbau;

5) ca. 1495 Frohnleichnamskapelle.

ana-

dem

Süd-

Sehiffi

II. Kapelle St. Spiritus.

Ueber die Stiftunes- oder Erbauungszeit dieser kleinen

O o

gen Bauanlage sind urkundliche Nachrichten nicht vorhan-

em-

j 'b WA -UclUctmctyt: SlliU UrKUUUHGllC Ctun iWi ecn jjljasiiu vuiuau-

• Die ganz in Backsteinen errichtete Kapelle ist halbachteckig

§ e»chl

°ssen, drei Joche lang und mit gedrückten Kreuzgewölben

ca. 26 Fufs Spannweite auf Birnenrippen überwölbt. Ob-
f eieh die gröfste Sparsamkeit in der Verwendung von Kunst-
° rmen ersichtlich ist, erkennt man doch, dafs das Faqadenprin-
ClP der Pfarrkirche St. Peter und Paul beabsichtigt war, aber
!' Ur theilweis zur Ausführung gekommen lst. Die Strebepfeiler-
eaüten sind ebenso wie die Spitzbogen der zweitheiligen Fen-
mit abwechselnd rothen und schwarz glasiiten Steinen de
' 0rirb und die Fenster mit zurückgesetzten Streifen, welche un-
^Jfelhaft mit Gitterfriesen gefüllt werden sollten, umrahmt. Da

1 V ergl.

den Grundrifs der St. Katharinen- Kirche zu Salzwedel Bl. XLVIII, Fig. 4.

auch die Fensterprofile und die Plinthen mit den entsprechen-
den Formen der Pfarrkirche genau übereinstimmen, so erkennt
man, dafs die Kapelle zur Zeit des Langhausbaues von St. Pe-
ter und im engsten Anschlusse an jene Bauausführung ca. 1460
erbaut worden sein mufs.

III. Das Benster Thor.

Dieser einzige Rest der mittelalterlichen Befestigungsanlage
besteht aus dem oblongen Thorthurme, der mittelst zweier brei-
ter Spitzbogen im Erdgeschosse dem Durchgangsverkehre dient.
Oberhalb sind flachbogige Blenden angeordnet und die beiden
Giebel an Stadt- und Feldseite mit steigenden Spitzbogenblen-
den und Giebelpfeilern geschmückt. Der einfache aber tüchtige
Bau stammt aus dem Anfange des XV. Jahrh.

F. Die Stadt Arneburg.

Die überaus günstige Lage Arneburgs am hohen Elbufer
hat wahrscheinlich unmittelbar nach dem Vordringen des, Chri-
stenthums und der deutschen Waffen bis an diese äufserste Grenze
zur Herstellung einer festen Burg geführt, welche vor der Be-
festigung von Tangermünde und Werben. als eine Vorburg des
Erzstifts Magdeburg gegen die slavischen Gebiete dienen mufste.
Auf die besondere Bedeutung dieser Burg darf man aus der That-
sache schliefsen, dafs Bruno, ein Verwandter Kaiser Otto’s II.,
schon im J. 977 ein Benediktiner Kloster St. Maria und St. Tho-
mas daselbst gründete, welches 983 die päpstliche Bestätigung
erlangte. Dennoch konnte sich weder die durch Otto III. be-
sonders stark befestigte Burg, noch das klösterliche Stift wäh-
rend der schweren Grenzkriege erhalten. Beide gingen 997 bei
einem erneuerten Einbruche der Slaven zu Grunde. Die Burg
erstand wieder aus der Verheerung, aber nicht jenes älteste Klo-
ster der Altmark. Die militärisclie Bedeutung Arneburgs führte
während des XI. Jahrh. mehrere deutsche Könige an diesen ent-
legenen Punkt des Reiches und veranlafste eine oft erneute und
immer stärkere Befestigung dieser Grenzburg. Diese Wichtig-
keit scheint erst zurückgetreten zu sein, als Albrechts des Bä-
ren Eroberungen die Reichsgrenzen bis über Havelberg und Bran-
denburg hinaus erweitert hatten. Im J. 1151 wird Arneburg
schon zu den älteren Städten der Mark gezählt und als Sitz ei-
nes Burggrafen bezeichnet. In noch späteren Zeiten dienten Burg
und Stadt mehrmals zur Residenz fürstlicher Wittwen, so erst
der Herzogin Anna von Breslau, dann der Markgräfin Ingeburg,
Gemahlin Ludwigs des Römers. Während der Regierung Kur-
fürst Friedrichs II. aus dem Hause Hohenzollern gehörte Arne-
burg zum Antlieile des Markgrafen Friedrich des Fetten. Die-
ser fromme Fürst errichtete im J. 1459 an der schon seit alter
Zeit bestehenden Burgkapelle ein Domstift St. Maria und St. Fran-
ciscus, welches aber nur bis 1540 bestand.

Nach dem allmähligen Abbruche des überaus grofsartigen
und prachtvollen, gröfstentheils in Backsteinen erbauten. Schlos-
ses im vergangenenen Jahrhunderte besitzt Arneburg jetzt nur
noch die alte Pfarrkirche St. Georg, welche als ein vollständi-
ger Granitbau in diese Sannnlung nicht aufgenommen werden
konnte. Die einschiffige, aber' alterthümliche, in Kreuzesform
mit Balkendecken erbaute Kirche, stammt aus der ersten Hälfte
des XII. Jahrh. und gehört zu den ältesten Bauwerken der Alt-
mark.

G. Die Stadt Saizwedel.

Diese gleich bei ihrem Erscheinen in der Geschichte im
J. 1112 schon als „antiqua urbs 11 bezeichnete Stadt hat während
des ganzen Mittelalters eine ausgezeichnete und hervorragende
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