Adler, Friedrich
Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preußischen Staates (Band 2) — Berlin, 1898

Seite: 18
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XIV. Jahrh. zu bewahren. Dahin gehören die kreuzförmig ge-
stalteten Mittelpfeiler mit abgestuften spitzbogigen Arkadenbogen
von guten Verhältnissen, sowie die zweitheiligen schmalen und
schlanken Fenster der Nordmauer. Die breiten dreitheiligen
Fenster der Südseite •entstammen wie der Chor einer jüngeren
Bauepoche, welche dem Schlusse des XV. Jahrh. entspricht.
Dies bestätigen die, wie der Holzschnitt zeigt, schwerfälligen halb-
. ^ , runden Wanddienste andenChorlangwänden, wel-

che denen der Seitenschiffe von St. Jakob zu Per-
leberg fast identisch, nur noch plumper gebildet |
sind. Es sprechen ferner dafür die in schlechten Proportionen her-
gestellten zweitheiligen und abgeschmiegten Fenster, endlich die
untereinander ganz verschieden profilirten halbkreisförmigen Vie-
rungsbogen mit den aus zwei dreiviertel Rundpfeilern combinir-
ten westlichen Vierungspfeilern. Das Kreuzschiff läfst in Thür-
und Fensterformen nur Bauformen des XVIII. Jahrh. erkennen,
während ein grofser Theil der Gewölbe dem XVII. Jahrh. an-
zugehören scheint.

Die Kirche ist in jeder Hinsicht der mittelmäfsigste Bau
der ganzen Priegnitz.

Kunstwerke.

Erwähnenswerth ist der bronzene, theilweis vergoldete und
bemalte Taufkessel, an dessen Becken sich vier gleichmäfsig
gestaltete Statue'tten der St. Katharina lehnen, die ursprünglich
auf vier nur in den Köpfen noch erh'altenen Löwen standen.
Am Becken sind die 12 Apostel innerhalb rundbogiger Blenden
angebracht. Die am’ Rande befindliche Inschrift lautet:

„An. Dm. MCCCC in deme LXXXVI jare per me liinrek gras-
here 1) ran hrunsmck. god malie sine sele rike 2 3).

Eesultat.

Das Langhaus und die Schiffspfeiler sind ca. 1350, der Chor
ca. 1480 — 90, das Kreuzschiff und einzelne Gewölbe ca. 1510,
andere Gewölbe nach 1650, der Westthurm und die Aufsenfa^a-
den 1712 — 24 hergestellt worden.

H. Die Stadt Kyritz.

Der wahrscheinlich schon im X. Jahrh. unter dem Namen
Plot existirende Ort .empfing im Jahre 1237 von den Edlen von
Plote das Stendal’sche Stadtrecht und ging mit dem Anfanse
des XIV. Jahrh. in markgräflichen Besitz über :!)- Während des
Mittelalters hat die Stadt eine nicht unbedeutende Stellune ein-
genommen, wofür besonders das Vorhandensein eines Franzis-
kaner-Klosters schon im XIV. Jahrh. geltend zu machen ist 4).
Indessen ist sie durch Kriege Feuersbrünste und Abbruch, ihrer
Baudenkmäler so vollständig beraubt worden, dafs selbst die
noch vorhandene Pfarrkirche St. Nikolaus kaum eine Erwähnung
verdient. Diese Kirche hat von 1622 —1714 als Ruine dagestan-
den, während der Gottesdienst in der nun verschwundenen Fran-

*) Soll vielleicht Grapengheter (d. h. Kesselgiefser) heifsen, doch steht grashere da.

2) Der Taufkessel erinnert in Komposition und Behandlung an den dev Katharinen-
kirehe zu Salzwedel von 1421, den Ludwig Gropenghoter, vielleicht ein Vater Heinrieh’s,
gegossen hat. Vergl. Band I, S. 87.

3) Riedel a. a. O. III, 341.

Ü.Riedel a. a. O. I, 350.

ziskaner-Kirche abgehalten worden ist. Bei dem Wiederaufbau ist
die Pfarrkirche am Langhause ihrer Strebepfeiler beraubt und in
den nüchternsten Formen des XVIII. Jahrh. wieder hergestellt,
endlich vor einigen Jahren in Stelle des eingestürzten alten West-
thurmes mit einem grofsen Westgiebel in modern gothischen
Bauformen ausgestattet worden, in dessen offenen Spitzbogen
die Glocken hängen.

Die dreischiffige gewölbte Kirche hat eigentlich nur den
ursprünglich niedrigen, später erhöhten gothischen Chor bewahrt.
Derselbe ist aus dem halben Zehneck construirt, mit Strebepfeilern
besetzt und hat zwei Fensterreihen übereinander. Alle Fenster,
von denen die untern gröfser und besser profilirt sind, als
die obern sind spitzbogig und dreitheilig. Auch das Schiff,
welches unterhalb aus Feldsteinen, oben aus Backsteinen erbaut
ist, zeigt einfach abgeschmiegte breite dreitheilige Fenster, so
dafs eine Datiruug der Baureste in folgender Reihenfolge mehr
vermuthet, als erwiesen werden kann. 1) Untertheil des Chores
und Unterbau des Schiffs Mitte des XIV. Jahrh., 2) Obertheil
des Chores und Pfeiler des Schiffs XV. Jahrh.

III. Die Schlösser der Priegnitz.

Wie schon in der Baugeschichte der Priegnitz oben S. 3
hervorgehoben worden ist, hat dies.es Gebiet des Markgrafen-
thums Brandenburg wegen seiner Bedeutung als Grenzprovinz
gegen die kriegslustigen Fürsten von Meklenburg eine grofse
Anzahl von Burgwarten, festen Schlössern und Landwehren
besessen. Weniges ist davon erhalten. Doch kann män deut-
lich erkennen, dafs diese festen Punkte zuerst und während des
XIII. Jahrh. mit steinernen Mauern, Thürmen und Wohnhäusern
ausschliefslich in Granitbau, und erst in den spätern Jahrhun-
derten bei Umbauten und Wiederherstellungen in Backsteinbau
ausgeführt worden sind. Als bemerkenswerthe Reste sind die
uralte schon 946 erwähnte Burg zu Puttlitz, von welcher jetzt
nur noch ein kolossaler Rundthurm (ähnlich denjenigen an
St. Maria und auf der Burg zu Salzwedel ')) stehen geblieben
ist, nachdem vor wenigen Jahren das eigentliche Schlofsgebäude
abgebrochen worden ist. Gleiches öchicksal hat das anfänglich
dem Kloster Dobberan gehörige, nachmals bischöfliche und zu-
letzt kurfürstliche Schlofs Zechlin gehabt, dessen feste, aber
höchst einfache Gestaltung noch aus Merians Abbildung S. 124
beurtheilt werden kann.

Von Schlofsanlagen, welche dem XV. und XVI. Jahrh. ent-
stammen, sind nächst der vielgerühmten bei Wilsnack bele-
genen und ehemals zu den Tafelgütern der Bischöfe von IJa-
velberg gehörigen Plattenburg, .welche ebenfalls in jüngster Zeit
durch einen Umbau verändert worden ist, nur noch die festen
Burghäuser zu Meienburg und Freienstein zu nennen. Meien-
burg, 'dessen speciellere Geschichte wegen Urkundenverlustes
sehr dunkel ist, hat frühzeitig als Landwehre aüf der. grofsen
Lübeck-Magdeburger Handelsstrafse gedient, wird 1285 urkund-
lich genannt und ist nach mannigfachem Wechsel der Besitzer
in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrh. an das aus Baiern stam-
mende Geschlecht der Herren von Rohr gekomtnen, in deren
Besitze es sich noch jetzt befindet. Das noch bestehende, von
einer Mauer nebst Rundthürmen und nassem Graben theilweis
umschirmte Schlofs besteht aus zwei zwar getrennt, aber in
einer Flucht stehenden oblongen Häusern mit hohen Dächern,
welche früher wahrscheinlich mit massiven Giebeln geschmückt
waren. Das östliche Haus besitzt noch auf Rippen ruhende
hochbusige Kreuzgewölbe und ein flachbogiges, mit dem tau-
förmigen Rundstabe umrahmtes und mit Maskenfriesplatten de-
korirtes Portal, welches wegen seiner engen Verwandtschaft mit
ähnlichen Bauresten zu Salzwedel, Neu-Ruppin etc. bestimmt

*) Vergl. Band I, S. 85 ff. u. 91.

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