Adler, Friedrich
Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preußischen Staates (Band 2) — Berlin, 1898

Seite: 27
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bogen-Fenstern mit reich profilirten Gewänden, welche der im
Innern vorhandene, zum Theil aus Ziegelplatten hergestellte
Fries (Blatt LIX Fig. 4) wirkungsvoll scheidet. Ueher den Ober-
fenstern war höchst walirscheinlich — eine sichere Entscheidung
ist nicht zu geben — der interessante Fries angeordnet, welchen
Fig. 6 auf Blatt LIX veranschauhcht. Glücklicher Weise waren
1854, als ich die ersten Studien liier machte, noch wichtige
Bautheile so gut erhalten, dafs ich hald darauf den Bestaura-
tions-Yersuch auf Blatt LX Fig. 1 entwerfen konnte. Einige
Jahre später, also zur Zeit, wo Herr Sendler mit der gröfsten
Sorgfalt und Liebe die Aufnahmen für micli bewirkte, fehlte
bereits manches. Als zweifelhafte Punkte der hier abgebildeten
Restauration rnufs ich den Giebel mit seiner Bose, den Bogen-
fries und den thurmartigen Abschlufs der beiden Yorsprünge
bezeichnen, alles Uebrige ist aber sicher. Zur Beurtheilung der
Einzelformen diene der Unterbau des Treppenthurmes, Blatt LX
Fig. 7.

Der völlige Untergang dieser West-
front, der in etwa 100 Jahren sicher be-
vorstand, wäre ein schwerer Yerlust für
die Kunststatistik der Mark gewesen —
glücklicher Weise ist er durch den Bestau-
rationsbau von 1871 — 77 für die Gesammt-
erscheinung abgewendet worden —, denn
einst war diese Fagade das reifste und edelste
Beispiel des gothisclien Uebergangsstiles und
bildete ein würdiges Seitenstück zu der
Marienkirche auf dem Harlunger Berge bei
Brandenburg.')

Einige Beste der ursprünglichen Be-
nralung liefsen sich noch feststellen. Danach
Waren die Hauptwandflächen geputzt und
weifs bemalt mit aufgezogenen Quaderlinien
in brauner Farbe. Ferner zeigten die Pfeiler
den wohl gefugten Ziegelbau, aber die Lai-
bungen der Arkaden waren aufser den Band-
fläclien geputzt und mit romanischen geo-
metrisehen Yerschlingungen in verschiedener
Musterung und in grüner Farbe bemalt,
während die Bundstäbe des reichen Platten-
rieses über den Arkaden, wie oben schon
erwähnt und Blatt LIX Fig. 4 abgebildet,
ni weifs und rothbraun bemalt waren. Das
vollständige Bemalungssystem liefs sich leider
nicht feststellen.

bteinformat: 1. im Langchore innen 10Vr —11 V-i und
3Vr; 2. an der Hauptapsis aufsen 10 * * * * 5/s, 4^2 und 3V4; 3. am
Nordkreuz 10 1 7/» — aU, 4Vi und 374 Zoll.

Von dem einstigen Denkmälerbestande sincl nur zwei Grab-
platten gerettet worden; ein jüngerer Grabstein mit der Figur
(iues Abtes (V 1509) in gravierten Umrissen und ein älterer,
welcfler ;ln F}ac]ire]ief den als Mönch 1303 in Lehnin gestor-
xnen Markgrafen Ottoko in charaktervoller stilsicherer Beliand-
ung darstellt. Der nebenstehende Holzschnitt giebt davon eine
orstelhuig, ältere Abbildungen des Steines bei Biedel in den

Märk. Forschungen I. 183 und in Bergau S. 485.

Die Klostergebäude sind gröfstentheils untergegangen und
die erhaltenen Theile haben Umbauten erlitten. Yon den noch
stehenden Einzelbauten hat das zweigescliossige sogenannte

1) llas Lehniner rafadenmotiv — Basilikafront mit zwei thurmartigen Yor-

sprüngen — zeigen noci die Cistercienserklöster Colbatz und Eldena in Pommern.

Das erstere freihch sehr unharmomsch, das ietztere stark gewandelt, besonders im

■Ireppenthurme. Als altere Beispiele darf auf Eufserthal in der Pfalz um 1220 ver-

"’iesen, sowie an das Münster zu Beverley und die ICathedrale von Lincoln in

ßngland und an St. Georges de Bocherville in der Normandie erinnert werden. _

7 er aus Platten zusammengesetzte Bogenfries ist an anderen Plätzen, theils iden-

tisch, theils etwas geändert, mehrfach veiwendet worden, z. B. in Colbatz, Loch-
®tedt, Marienburg u. a. a. O.

„Königshaus“ (vergl. den Lageplan von Sello im Bär III. 15)
seine Südfront gerettet, welche auf Blatt LX Fig. 2 zur Dar-
stellung gelangt ist und nach den Bauformen beurtheilt, eher
dem Ausgange des XIV. Jahrhunderts als dem Anfange des
XY. Jahrhunderts angehört. Im Innern ist der Bau unten mit
einer alten, schwer profilirten eichenen Holzdecke, oben mit
Bippenkreuzgewölben bedeckt.

III. Klosterkirche zu Zinna.

Historisches.

Bei der letzten Eroberung Brandenburgs durch Albrecht
den Bären 1157 hatte Erzbischof Wichmann von Magdeburg
mit seinem Aufgehote thatkräftige Hülfe geleistet und erhielt
dafür als Siegespreis von dem Gebiete des Wendenfürsten Jaczo
von Köpenick das Land Jiiterbock. Al-
hreclits begonnene Germanisationspolitik
verfolgend, berief er schon 1160 nieder-
ländische Kolonisten und überwies ihnen
die Flochebene südlich von Jüterbock, deren
Xame „Fläming“ noch heute den Haupt-
stannn der Einwanderer verewigt. Ein Theil
der Ansiedler begründete dicht neben der
Stadt das Dorf Damme und erbaute darin
eine Backsteinkirche, von der noch erheb-
liche Bautheile frühromanischen Stiles vor-
handen sind. x) Aber Wichmann ging weiter,
indem er zehn Jahre später auf der Xord-
ostseite der Stadt das Kloster Zinna stiftete
und mit Cistercienser-Mönchen aus Alten-
berg bei Cöln besetzte. 2 3) Leider etwas zu
früh, denn als Heinrich der Löwe, um der
über ihn ausgesprochenen Beichsacht bes-
seren Widerstand zu leisten, im Jahre 1179
sich mit den Ponunern und Luitizen ver-
band, zerstörten die Letzteren das Kloster
und verbrannten die Stadt 1. 8) Erst unter
dem Erzbischofe Albert von Magdeburg
(1205 — 32) und dem Bischofe Gernand
von Brandenburg (1221—45), also um
1220, gelang die Wiederherstellung des
Klosters in monumentalem Sinne. Da in
erhaltenen Klosterverzeichnissen die Angabe
sich findet zu: 1226. Id. Maji abb. de
Coena, 4 5 6) so darf man den 15. Mai 1226 als den Einweihungs-
tag gelten lassen. Durch eigene Arbeit und der Fürsten Gunst
wuchs der Besitz und der Einflufs des Klosters während des
XIII. und XIV, Jahrhunderts in seltener Weise; 5) im XY. Jahr-
hundert hesafs es eine eigene Druckerei. Xach Aufhebung
des Klosters 1547 übersiedelte der Konvent nach Osseg in
Böhmen, woselbst der Orden noch heute grofse Besitzungen hat.

Baubeschreibung. 6)

Die mittelgrofse, durchweg aus kubisch zugehauenen Granit-
quadern erbaute Kirche ist eine dreischiffige kreuzförmige Pfeiler-
basilika mit einem oblongen Hauptcliore und vier ebensolclien
Xebenchören, die im Innern halbrund,- aufsen polygon geschlossen

1) Diese Kirche wird bei Jiiterbock näher besprocken werden. Die Gründung
von Damme und der Bau der Kirche findet sein Analogon in Luckeberg mit seiner
Kirche dicht bei Brandenburg.

2) Riedel, D. S. 296. Fragm. einer Zinna’schen Klosterchronik überliefert
das Jahr 1170, während das a. a. O. abgedruckte Fragm. einer Brandenburg-
Böhmischen Chronik 1171 hat.

3) Winter, Cistercienser I, 140 lf.

4) Winter I, 353.

5) Kiedel, D. 296 — 97 und Winter II, 271 und 274 ff.

6) Abbildung 'der Ostfront bei Bergau S. 805; andere Abbild. bei Puttrick,
Jüterboek S. 21 — 29.

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