Adler, Friedrich
Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preußischen Staates (Band 2) — Berlin, 1898

Seite: 28
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sind. Ursprünglich schon auf Gewölbebau angelegt und be-
gonnen (ira Hauptchore und in zwei Nebenchören sind die
alten Tonnen- bezw. Halbkugel-Gewölbe noch erhalten), wurden
die östlichen Bautheile, vielleicht um rascher fertig zu werden,
mit Balkendecken versehen und erst später, wahrscheinlich im
XIV. Jahrliundert, mit Bippenkreuzgewölben überdeckt. Fast
überall heri’scht der Spitzbogen vor, sowohl in den grofsen
Vierungs- und den kleinen Arkadenbogen,
als auch in den Schiffsarkaden und allen
Fenstern. Eine Ausnahme bilden die halb-
runden Stirnbogen der Nebenchöre. Die

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einzigen Kunstformen — abgesehen von
dem Kranzgesimse (Holzschnitt) — besitzen
die schweren Quadratpfeiler, nämlich abgekehlte, auch ein-
geritzte Plattenkämpfer — vergl. beistehende Holzschnitte [e und
f] — ihre Basen sind unsichtbar. ‘)

Das Innere ist streng und einfach, aber würde-
voll. Dafs die Osthälfte gleich auf Gewölbe an-
gelegt war, beweist der Südflügel; er besitzt noch
sein altes Kreuzgewölbe mit
gut gearbeitetem und etwas ge-
drücktem spitzbogigen Schild-
bogen aus Granit auf dicken Konsolen gleichen Materials,
während seine Backsteinrippen (Holzschnitt) schon das Profil a
zeigen und ein tellerförmiger Schlufsstein vorhanden ist. Aucli
a b d im Hauptchore, der Vierung und im

Nordflügel erkennt man deutlich die
roh gelassenen Schildbogenlinien,
über denen die alten Gewölbe einst
gesessen. Die Gewölbe des Chores, der Vierung, des Nord-
kreuzflügels und des Langhauses werden von birnenförmigen
Sandsteinrippen (Holzschnitt b) getragen, doch sind die drei
zuerst genannten Bautheile flacher gestochen und nicht so busig

wie die des Langhauses, die, in guter
Technik ausgeführt, dem Anfange des
XV. Jahrhunderts angehören werden. Die
Gewölbe der Seitenschiffe haben kuppel-
förmig erhobene Kappen auf untergelegten
frühgothischen Bippen (c und d), welche,
von Konsolen aus Steingufs (Gipsstuck
mit Ziegelmehl) hergestellt, in spätroma-
nischer Art mit Ranken und Blättern geschmückt sind. 2) So-
wohl diese Gewölbe als auch die des Westflügels des Kreuz-
ganges entstammen noch dem XIII. Jahrhundert. Von Interesse
ist ein Bruchstück des alten Mosaik-Ziegelpflasters im Haupt-

chore, welches vorstehender Holzschnitt
darstellt, sowie eine backsteinerne Relief-
Inschrift vor dem Hochaltare, welche
Puttrich a, a. O. Tafel 12 mittheilt.

Ein grofser Theil des Klosters ist
abgebrochen worden, doch stehen noch
das Brauhaus und das Kornhaus, ersteres
in Feldsteinen mit Granitquaderverklei-
dung, das letztere am Westflügel des
Kreuzganges ganz aus Ziegeln erbaut.
Sieben Joc.he des letzteren sind in Besten
erhalten. Die gedrückt rundbogigen Kreuz-
gewölbe besafsen schwere viereckige Rip-
pen wie oben c, ibre gestuften Wand-
pfeiler mit schlichten Kämpfern zeigen
an den Ecken merkwürdige Einkerbungen
(Holzschnitt), während ein mit starken Dreiviertelsäulen be-
setzter Eckpfeiler noch ein streng romanisches Kapitell besitzt.
Das Steinformat beträgt IIV2, b 1/, und 5'/-i — 5Vs Zoll. Dieser

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Niihere Würdigung bei Dohrae, Cistorcienserklöster, S. 85 ff.

2) Abbild. bei Puttrich a. a. 0. Tafel 10.

nicht unwichtige Bautheil ist 'wohl bald nach Vollendung der
Kirche etwa 1250 entstanden.

Ferner steht noch im Siidosten der Kirche clie Abtei, aus
zwei parallel gestellten Gebäuclen bestehend, von denen das
gröfsere — gewölbte Zimmer enthaltend — als Absteige-
quartier gedient hat und deshalb das Fiirstenhaus heifst. Es
ist ein langer stattlicher, zweigeschossiger Bau mit hohem
Giebel, cler aufser flachbogigen Fenstern oben und unten flaehe
Strebepfeiler, viele Kreis - und Wappenblenden uncl einen langen
glasirten Plattenfries von überzierlichen Blättern besitzt. Er
stammt aus dem Jahre 1495. Batt LXI Fig. 1 stellt ihn dar
und läfst seinen altmärkischen Kunstcharakter deutlich er-
kennen. l) Auf demselben Blatte Fig. 3 erscheint noch clie nörd-
liche Giebelfront des zweiten kleineren Gebäudes,
das an cler linken Seite etwas ergänzt ist, um den

ursprünglichen Zustand zu veranschaulichen. Der

fünftheilige Giebel ist mit sechs schlanken, ab-
gestuften uncl auf Ivonsolen ruhenclen Fialen uncl
Kreuzblumen ausgestattet, zwischen clenen etwas derb
gezeichnete, clurchbrochene Ziergiebel lagern; darunter folgen
Kreisblenden, die einst mit figürlichen Freskomalereien ge-
schmückt waren, und noch tiefer geschlossene Stabwerke. Das
schlichte Hauptgesims zeigt der Holzschnitt. Das Steinformat
beträgt 10'Vs, 5 und 3 'U Zoll. Als Bauzeit darf clie zweite
Hälfte cles XIV. Jahrhunderts gelten.

IV. Die Klosterkirche zu Dohrilugk.

Historisches.

Früher als die Markgrafen von Brandenburg haben die
Markgrafen von Meifsen und die cler Niederlausitz die Bedeutung
des Cistercienser-Ordens für die Kultur ihrer Länder erkannt
uncl verwerthet. Otto der Reiche von Meifsen stiftete am
Nordabhange des Erzgebirges Alten-Celle (1162 — 75) und sein
jüngerer Bruder Markgraf Dietrich von cler Lausitz zu gleicher
Zeit um 116 5 2) mitten in den Waldsümpfen cler kleinen Elster
Dobrilugk. 3) Wie clie Mönche fiir Alten-Celle aus Pforta
berufen wurden, so kamen cliejenigen für Dobrilugk aus Volken-
rocle bei Mühlhausen in Thüringen. Beide Klöster gediehen
aus politischen Gründen und cler lokalen Verhältnisse halber
im Anfange langsam, nachher aber durclx rcistige Arbeit, Klug-
heit ihrer Aebte und Gunst der Grofsen um so schneller. Dies
gilt besonclers für Dobrilugk, wie der Augenschein an cler statt-
lichen uncl sehr einheitlicli durchgeführten Klosterkirche lehrt.
Sie soll 1184 begonnen uncl 1228 eingeweiht sein. Trotz cles
Mangels an Urkunden spricht — abgesehen von zutreffenden
stilistischen Grtinden — für clie Richtigkeit des Vollenduno-s-
datums clie Thatsache, dafs 1232 von hier aus ein Doppel-
Konvent (24 Brüder) zur Gründung des Klosters Dobrilugk
an der Obia in Polen ausgesandt werclen konnte, welcher seinen
Kirchenbau 12o8 vollenclete. Dreifsig Jahre später (1269)
wurde jenes Ivloster nach Semmeritz und 1414 nach Blesen
verlegt. Schon damals war der Landbesitz des Mutterklosters
genügend grofs, um deutsche Kolonisation einzuführen; darunter
werden auch Flandrer gewesen sein, weil von flämischen Hufen
mehrfach die Rede ist. Seit 1209 wird das Kloster zur Be-
gräbnifsstätte cles Fürstenhauses gewählt und 34 Jahre später
besitzt es in seiner Nähe — abgesehen von Einzelbesitzungen
15 Dörfer, darunter zwölf mit deutschen Namen. Karl IV.
konnte 1372 den Besitz von 26 Dörfern, 13 zerstreut liegen-
den Orten und 4 Klosterhöfen bestätigen. 4)

1) Auch bei Puttrich u. a. O. Tafel 15 abgebildet.

2) Im Kloster-Verzeichnifs bei AVinter I, S. 339 werden 1164 und 1165
angegeben.

3) Dcr Ort wird schon 1005 unter dem Namen Dobraluh bei Ihietmar von
Merseburg VI, i(j erwähnt, weil er an einer alten Heerstrafse lag.

4) Winter II, 300ff.
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