Adler, Friedrich
Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preußischen Staates (Band 2) — Berlin, 1898

Seite: 58
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felilen die Nord- mul Südbogen im Querscbiffe, dagegen ist
die Thatsache bemerkenswerth, dafs die meisten der sehr starken
Mauern nach aufsen hin absetzen. Dies gilt für die Nord-
und Südmauer des Langchores, für die Giebel wände der Kreuz-
flügel und fiir die Thurmmauern aufsen, aber auch irn Innern
erkennt man solche Absätze am Langhause.

Die gieiche Bauweise im Kleinen zeigt die Bildung der
Plinthen an den Kebenapsiden. Die Westfront besitzt keine
Pfeilscharten, ihr Portal ist später eingebrochen, sowie ihre
untere Halle nachträglich mit einer quergelegten Ziegeltonne,
welche durch sieben eichene Holzanker gesichert wird, iiber-
wölbt worden. Das Innere zeigt gar keine Kunstformen und
leider hat man sämmtliche Fenster bis auf eins, das jetzt ver-
mauert ist, umgeändert. Dieses Fenster ist schlank und rund-
bogig geschlossen. Bundbogig sind auch die Schildbogen der
drei Apsiden, sowie die Quergurte vor dem Querscliiffe und
dem Langchore gestaltet.

Die Mafse gehen so beträchtlich über die sonst übliclien
Abmessungen für Dorfkirchen hinaus, dafs die Yermuthung
sicli rechtfertigen läfst, bei der Gründung von Grofs-Wuster-
witz—- wahrscheinlich um 1180 — 90 — habe man die spätere
Anlage einer Stadt bereits vorgesehen.

Dorfkirche zu Buckow.

Das Dorf Buckow —■ 19 Kilom. nördlich von Branden-
burg -— gehört zu den ältesten Besitzungen des Domkapitels
daselbst, schon in der Gründungs-Urkunde des Bischofs Willmar
vom Jahre 1161 wird es genannt. 1) Dann tritt es wieder her-
vor in einer undatirten Urkunde, welche ungefähr von 1344 2)
stammt. Aus ihr erliellt, dafs mehrere Glieder des bürgerliclien
Geschlechts Juterbuck, welche in Köln und Berlin ansässig
waren, im Yereine mit den Einwohnern des Dorfes zur Ehre
Gottes und der Jungfrau Maria die neue Kirche erbaut hatten.
Schon im XIII. Jahrhundert mufs aber bereits eine ältere Kirche
bestanden haben, weil die Ueberlieferung vorliegt, dafs man zu
ihr behufs Yerehrung des heiligen Blutes gewallfahrtet sei. 8)

Die durch die Güte ihrer Ziegel und Technik vortrefflich
erhaltene Kirche, welche in den Fig. 8, 10 und 11 auf
Blatt LXXX wiedergegeben ist, nimmt unter den Dorfkirchen
eine hervorragende Stellung ein, sowohl wegen ihrer Gröfse
als auch wegen ihrer guten Verhältnisse und schlichten Strenge.
Sie besteht aus einem stattlichen Langhause und einem oblongen
hochragenden Westthurme, der innerhalb des Schiffes steht,
aber so getrennt von den Umfassungsmauern, dafs noch zwei
schmale ungewölbte Bäume rechts und links übrig bleibem
Nach Osten hat einst ein schmaler Chorbau gestanden, dei
frühzeitig abgebroclien worden sein mufs. Bei dieser Gelegen-
heit hat man die Ostmauer theils durch Zumauerung, theils
durch Umformung der alten Substanz so erheblich geändert,
dafs es sehr schwierig ist, über ihn sicher zu urtheilen. Dafs
er beträchtlich schmaler war, also als das Schiff, bezeugt dei
Grundrifs und dafs er zweigeschossig war, eine Krypta besafs,
läfst sich auch noch aus dem Bestande folgern, aber weiteie
Schliisse zu ziehen, ist nicht möglich. Yielleicht ist jene
Krypta die alte heilige Bluts - Kapelle gewesen. Mit dem
Abbruche, der im Laufe des XYI. Jahrhunderts erfolgt zu
sein scheint, ist eine sehr sorgfältige Erneuerung des hohen
Ostgiebels in den denkbar nüchternsten Formen der Renaissance
mit kleinen gothischen Reminiscenzen erfolgt.

Das Langhaus von auffallend breiter Spannung — 34 Fufs —
hat starke Mauern und ist an seinen Ecken mit vier sehr starken
einmal abgestuften Strebepfeilern besetzt. Im Innern zeigt die

1) Riedel VIII, 104. 2) Riedel VIII, 257.

3) Im XIII. und XIV. Jahrhundert hat der Fund blutender Hostien in der
Mark mehrfach zu kirchlichen Stiftungen Veranlassung gegeben. Es geniigt an
Belitz, Zehdenick und Wilsnack zu erinnern.

östliche Hälfte des Schiffes eine eigenartige Gliederung der
Mauern, durch flachbogige Blendnischen und flachbogige Um-
rahmungen behufs Gruppirung der Fenster oben, wie solches
Fig. 8 darstellt. Alle Fenster, mit Ausnahme der beiden in
der Ostwand, welche man abgestnft hat, sind schmal, tief ge-
schmiegt und spitzbogig/' Gleiclifalls spitzbogig sind die drei

Portale im Westen, Xorden und Süden.
Das letztere ist, dabei vortrefflich profilirt,
ivie der nebenstehende Holzschnitt zeigt,
und von einem hohen Ziergiebel mit Spitz-
blende im Schilde iiberstiegen.

Das etwas einfacher durchgebildete
(jetzt vermauerte) Xordportal zeigt einen
bescheidenen Farbenwechsel, indem man dunkel verglaste Mund-
steme den lebhaft rothen uncl sehr glatten Ziegeln eingefügt
hat. Die einfache aber wirkungsvolle Ghederung der stattlichen
Westfront, welcher leider nur der Dachreiter fehlt, zeigt
Fig. 11 auf Blatt LXXX; sie besitzt eine Plinthe von ge-
spaltenen Granitblöcken aufsergewöhnlicher Gröfse (bis 4 Fufs
6 Zoll lang).

Steinformat: 1) der Westfront 10 3/4 —11, 5, b lU und
3V* — 3 SA, und 2) der Südseite 10 3/4— 10 7/s, 5 1/* und 3 1/*.

J. Die Stadt Neu-Eberswalde.

Historisches.

Eberswalde ist erwachsen aus einer deutschen Ansiedelung,
die sicher der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts angehört,
obschon es an urkundlichen Xachrichten mangelt. Diese Be-
hauptung stützt sich auf eine Fundthatsache, deren Bedeutung
nicht zu verkennen ist. Bei einer Reparatur des alten Unter-
baues am jetzigen Altare der Pfarrkirche hat man in demselben
an ortsiiblicher Stelle das bleierne Kästchen mit den Reliquien
darin gefunden, welches am Einweihungstage dem Altare ein-
verleibt wurde. 1) Die dazu gehörige Urkunde scheint verloren
zu sein, so dafs ein sicheres Datum nicht melir gewonnen
werden kann; weil aber das Wachssiegel des weihenden
Bischofes daran erhalten war, so ist eine angenäherte Zeitbe-
stimmung doch möglich. Es war das Siegel des Bischofes
Rudger von Brandenburg, welcher von 1241 — 51 den Hirten-
stab führte. Innerhalb dieses Jahrzehnts und spätestens 1251
hat die Einweihung der Pfarrkirche St. Maria-Magdalena statt-
gefunden und daraus folgt, dafs Eberswalde vor der Mitte des
XIII. Jahrhunderts angelegt worden ist. Es mufs solches durch
das Zwillingsbrüderpaar Johann I. und Otto TTT, dessen seltene
Thatkraft die Grenzen der Mark bis weit in die Neumark
hinein verschoben hatte, geschehen sein. Aber noch älter als
Eberswalde war das benachbarte Dorf Hegermülile, denn die
Kirche dieses Ortes war rnater der Pfarrkirche von Eberswalde
und auffallender Weise hat dieses Yerhältnifs bis 1317 2) be-
standen, wo es durch kirchliche Entsclieidung umgekehrt wurde.
Die Mutterkirche Hegermühle, „ein kleines uraltes Gebäude“,
hatte sich bis 1710 erhalten, dann wurde sie abgebrochen.
Leider wissen wir nichts über ihre Form, Gröfse und
Material, doch ist sie höchstwahrscheinlich ein Feldsteinbau
wie die um 1220 entstandene Khche zu Oderberg gewesen.
Wann Eberswalde deutsches Stadtrecht erhielt, ist nicht sicher
überliefert, 3) doch mufs es schon vor 1300 geschehen sein, weil
in diesem Jahre die Weichbildgrenze durch den Markgrafen
Albrecht III. festgesetzt wurde. 4) Daran schlofs sich 1306 die

1) Bellermann Neustadt-Eberswalde, Berlin 1829. S. 132. Leider giebt
der Verfasser nieht an, wann dieser Fund gemacht wurde.

2) Riedel XII, 283.

3) Nach Buchholtz, Geschichte der Churmark Brandenburg II, 203, soll
Joliann I. das Stadtrecht 1254 verliehen haben.

4) Riedel XII, 284.
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