Adler, Friedrich
Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preußischen Staates (Band 2) — Berlin, 1898

Seite: 68
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Eine weitere erhöhte Bauthätigkeit findet sich dann gegen
den Schlufs des XY. Jahrhunderts, zu welcher sowohl die
grofse Feuersbrunst von 1478 als auch die Herrschaft des
baulustigen Erzbischofs Ernst von Magdeburg 1470 1513

beigetragen haben werden. Ziuiächst wurde der alte Chor an
St. Nikolaus durch einen gröfseren dreischiffigen ersetzt, wie
aus den vorhandenen Inschriften von 1475 und 1488 erhellt 1),
welche sicher den Anfang und das Ende der Bauthätigkeit be-
zeichnen. Sodann kam 1480 eine späte Niederlassung der
Franziskaner zu Stande, an welche sich der Bau der statt-
lichen Klosterkirche bis 1510 anschlofs.

Pfarrkirche St. Maria in der Dammer Vorstadt. 1)

Die um 1800 ihrer Seitenschiffe leider beraubte Kirche
bildet jetzt, wie der Grundrifs (Holzschnitt a) lehrt, eine
romanische einschiffige kreuzförmige Pfeilerbasilika, deren qua-
dratischer Langchor ebenso fehlt wie die drei Absiden und
die Seitenschiffe. Als die ältesten Theile erscheinen das
Langhaus und das Querschiff — vergl. die untenstehenden
Plolzschnitte b und c, -— doch war das Letztere wieder jiinger
als das Erstere und dieses zeigt bereits wieder zwei Bauzeiten,
weil die beiden westliclien Arkaden und alle geschmiegten
Oberfenster bereits spitzbogig geschlossen sind. Aus der

Ferner setzte man den Bau der Thürme der Pfarrkirche
bis in das XVI. Jahrhundert fort, doch erhielt nur der siid-
liche Thurm den projektirten Abschlufs mit einem achteckigen
Steinhelm, während der Xordthurm erst 1562 — 63 nach vielen
Abänderungen und Ergänzungen mit dem jetzigen kuppel-
förmigen welschen Haubenabschlufs vollendet wurde. Etwas
früher, doch ebenfalls zum Schlusse des XY. Jahrhunderts ist
ein umfangreicher aber
langsam geführter Um-
bau des Rathhauses
erfolgt, 2) wie aus den
Stadtrechnungen her-
vorgeht und durch die
Bauformen am Hause
selbst — insbesondere
seiner Giebel ■— be-
stätigt wird. Gleich-
zeitig wurden endlich
aueh die vorhandenen
drei Thore durch statt-
liche Yorthore wesent-
lich verstärkt, wobei
sich bei der Erbauung
des schönen Frauen-
thores um 1488 die
besondere Gunst und
Vorliebe des Erzbi-
schofes Ernst bis 1511
wirksam erwiesen haben
soll. 3)

Nachdem die Stadt im XVI. und XVII. Jahrhundert
furchtbare Pestseuchen durchgemacht und die Schrecken und
Leiden des dreifsigjährigen Krieges erduldet hatte, erfolgte 1648
die Auflösung des Erzstiftes, wodurch Jüterbock erst an das
sächsische Haus und im Anfange dieses Jahrhunderts— 1815 —
an Preufsen kam.

1) Puttrich Jüterbock S. 11.

2) Heffter S. 182.

3) Heffter S. 225 und Puttrich S. 19 ff.

Gründungszeit — um 1163 — stammen daher nur die vier
östliclien im Rundbogen geschlossenen Arkaden und die beiden
westlichen Vierungspfeiler, von denen jeder als Kreuzpfeiler
gestaltet und mit schwerfälligen Halbsäulen besetzt ist, welche
rundschildige Würfelkapitelle ohne Deckplatte und Halsring
tragen. (Holzschnitt a anf Seite 69.) Die Krenzflügel stehen
auf Granitquadern und sind technisch viel weniger gut ausge-

fiilirt als die ältesten
Bautheile, deren Details
besonders an den Pfei-
lern durchaus dem
XII. Jahrhundert an-
gehören. Auch sind
die erhaltenenVierungs-
bogen, der östliche wie
der westliche bereits spitz
geschlossen und die
Ostvierungspfeiler ent-
beliren der Halbsäulen.
Das Nordkreuz zeigt
steigende Kleinbogen-
friese im Giebel, dar-
unter ein grofses drei-
fach abgestuftes Kreis-
fenster und ein Rund-
bogenportal mit sehr
schlichtem Kämpfer.
(Holzschnitt b, Seite 69.)
Das Südkreuz ist durch
Putz fast unkenntlich
geworden, docli findet man auch hier ein dreifach abgestuftes
Rundbogenportal. (Plolzschnitt c, Seite 69.)

Von den Nebenapsiden sind deutliche Spuren vorhanden;
auch sie waren bereits spitzbogig geschlossen. Der zweijocliige
Chor ist mit Kreugewölben bedeckt ünd mit einem Polygone
von flinf Seiten des Achteckes beendigt. Die zweitheiligen
Fenster besitzen gut profilirte Einfassungen (Holzschn. d, Seite69)

1) Abbildung der Kirche von Norden gesehen und eines Klosterflügels bei

Puttrich, Jüterbock I. No. 5.
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