Adler, Friedrich
Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preußischen Staates (Band 2) — Berlin, 1898

Seite: 96
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grofsentheils für wirthschaftliche Zwecke benutzt wurde, deutet
auf eine dreischiffige, gewölbte Hallenkirche hin und scheint
im Unterhau anders gegliedert gewesen zu sein, als im weiteren
Aufbau, welcher wegen seiner vielen Blenden melir dem Cha-
rakter des XIV. Jahrhunderts entspricht. Auffallend ist dabei
das Fehlen der beiden mittleren Strebepfeiler als Widerlager
der Längsarkaden, doch ist die Ueberwölbung niclit zu be-
zweifeln. Von der Kirche ist jetzt, wie der Lageplan lehrt,

nur noch ein sehr bescheidener Best erhalten, 1) nämhch der
einst gewölbte Chor und ein kleiner östlieher Tlieil der Xord-
mauer. Ob der Bau Kreuzgestalt besafs, ist zweifelhaft, könnte
aber durch eine Ausgrabung leicht entschieden werden. Mir
ist es nicht wahrscheinlich wegen der gut erlialtenen Ostmauer
des Kreuzganges. Die Pfeilerform im Langhause ist nicht
sicher bekannt, docli waren es wahrscheinlich Achteckspfeiler
wie die beiden östlichen noch erhaltenen, weil in dem west-
lichen Nebenraume, bevor er gedielt wurde, im Bodenschutte
noch einige achteckige Pfeilerstiimpfe wahrgenommen worden
sind, die dazu gehörten. Der Chor, über die Ostmauer weit
vortretend, war in neun Seiten des Zwölfecks geschlossen und
mit einmal gestuften Strebepfeilern besetzt. In neuerer Zeit liat
man denselben mit alten Ziegeln zum vollen Zwölfeck für den
Gottesdienst ausgebaut und mit einer Balkendecke nebst Zelt-
dach darüber versehen. Vergl. den Holzschnitt. Die em-

theiligen schlanken Spitzbogenfenster sind schlicht profilirt —
Holzschnitt in der zweiten Spalte oben links —-, ebenso das
alte, aber bei der Restauration verballhornte Kranzgesims —

1) Der besonderen Güte des Herrn Bauinspektors Mettke in Arnswalde
verdanke ich die nachträglichen Aufnahme-Zeichnungen und eine kurze Beschrei-
hung dieser wichtigen Bauanlage.

Holzschnitt rechts —. Das Rippenprofil sowie ein Friesstück
geben weitere Anschauungen von den Einzelbildungen (näclister

Holzschnitt). Von dem Langhause stehen nocli die östlichen
Abschlufsmauern — allerdings verändert, weil unten Thüren
und darüber Rundfenster angeordnet sind — und das östliche
Stück der Xordmauer mit seinen alten Strebe-
pfeilern. Das Ivloster selbst hat durch Um-
bau gelitten, doch steht von den wirthschaft-
lichen Xebengebäuden nocli etwa 100 m
südlich ein Speiclier, 1) welclxer möglicher Weise das von Petzold
abgebildete Brauhaus ist. Leider ist von den beiden Giebeln
nur noch einer erhalten, aber dieser ist so gut abgestuft und
durch Spitzblenden und Sägefriese so gescliickt gegliedert, dafs
er sicher auch noch dem XIV. Jahrhundert angeliören wird
und nicht dem XV. Jahrhundert, wie Bergau a. a. 0. annimmt.

Das Steinformat beträgt: 1. am Kloster und der Kirclie
lDA, 574 und 374 Zoll; 2. am Speicher 11, 5 l/2 und 3 1/, Zoll.

II. Das Kloster Himmelstädt.

Ein zweites Tochterkloster von Kolbatz für Cistercienser
Mönche war Himmelstädt, welches in der Xähe von Lands-
berg a. W. zum Ersatz des Schadens, den Kolbatz erlitten,
vom Markgrafen Albert 1300 gegründet wurde, 2) als „novella
plantatio, quarn appelavimus Locum coeli.“ Leider ist die neue
Pflanzung sehr langsam herangewachsen, denn trotz mehr-
facher Bestätigungen und weiterer Schenkungen 1314, 1321,
1326 und 1351 war das Kloster im Jahre 1368 noch nicht
erbaut, sondern kam erst einige Jahre später zu Stande; ur-
kundlich wird erst 1389 ein Abt erwähnt. 3) Obschon dann
Papst Bonifaz IX. — 1389 — der Stiftung seine Hilfe lieh
und Kurfürst Friedricli II. die alten Rechte und Privilegien
1469 bestätigte, 4 *) so ist doch das Kloster zu keiner gedeih-
lichen Entwickelung gelangt, ja es erlitt 14 70 durch Raub
und Brand so schwere Beschädigungen, dafs es sich nicht
wieder erliolt hat. 6) Im Jahre 1539 hat der letzte Abt dem
Markgrafen Johann das Kloster aufgelassen. 6)

Aus den Prospekten bei Merian S. 8 und Petzold,
welche nahezu von demselben Standpunkte gezeichnet sind,
ergiebt sicli, dafs die Kirche im Jahre 1652 zwar noch stand,
aber bereits zu wirthschaftlichen Zwecken benutzt wurde (ihr
alter Westgiebel war bereits durch einen Fachwerkbau ersetzt
worden) und dafs sie im Jahre 1712 zur Ruine geworden war
— wahrscheinlich in Folge eines Brandes —, weil der Autor
„Ruinirte Kirche“ darüber gesclirieben hat. 7)

III. Das Kloster Zehden.

Von den drei Klöstern des Cistercienser-Ordens, welche
die Landesherren zur Versorgung der Töchter ihrer Vasallen
in der Neumark gestiftet haben, nämlich Zelxden, Bernstein

1) Bei Bergau S. 253 ala hübsehes Schaubild wiedergegeben.

2) Biedel XVIII, S. 372. 3) Biedel XVIII, S, 403 u. 411.

4) Biedel XVIII, S.425. 5) Biedel XVIII, S. 426. 6) Biedel XVIII, S. 438.

7) Himmelstädt fehlt bei Bergau. Eine genaue Aufnahme aller noch er-

haltenen Beste wäre für Marienwalde und Himmelstädt sehr wünschenswerth.
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