Adler, Friedrich
Mittelalterliche Backsteinbauwerke des Preußischen Staates (Band 2) — Berlin, 1898

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und Reetz, scheint Zehden das älteste gewesen zu sein. Frei-
lich wird es urkundlich erst 1294 genannt, 1) aber als eine
Burg der Pommernherzöge sehon 1235. 2) Höchstwalirschein-
lich 1 laben die Marlcgrafen selir bald nach der Besitzergreifung
des Landes von Oderherg aus, also um 1260, in Zeliden das
Kloster gestiftet, dessen Besitzungen, seinem Ansehen ent-
sprechend, während des XIII. und XIV. Jahrhunderts stetig
gewachsen sind. Im Jalire 1360 erliielt es durcli Ludwig den
Römer sogar das Patronat der Pfarrkirche von Neustadt-
Eberswalde. 3) Aucli naeh der Reformation wurde das Kloster
als adeliges Jungfrauen-Stift bis 1608 aufrecht erhalten und
dann in ein landesherrlich.es Amt verwandelt.

Auf dem grolsen Prospekte bei Merian zu S. 6 erkennt
man in der Schlofskirche die alte wolilerhaltene Klosterkirche
als einen einschiffigen, mit Strehepfeilern hesetzten und durch
zwei holie Fialengiebel abgeschlossenen Bau, welcher aus Back-
steinen erbaut und vermuthlich gewölbt war. Welcher Bauzeit
er entstammte, läfst sich nicht sagen; er mufs aber eine mittel-
grofse Kirclie gewesen sein. Sechszig Jahre später zeigt der
Prospekt bei Petzold zwar die Stufengiebel noch aufrecht
stehend, aber das I)ach felilt und die Legende sagt von ihr:
„Ruinirte Kirche“. Jetzt ist sie völlig verschwunden.

IV. Das Kloster Bernstein

wurde um 1280 vom Markgrafen Albert gestiftet — obwohl
die Stiftungs-Urkunde das Datum 1290 trägt 4) —, weil damals
durch ein Wunder (eine blutende Hostie) der Platz ein viel
besuchter Wallfahrtsort wurde. Auch kam das Kloster rasch
zu Stande, nachdem 1290 und 1291 benaclibarte Bischöfe die
erforderlichen Ablässe ertheilt hatten. Nach der Reformation
erhielt es die Familie von Waldow und besafs es bis 1729,
wo es angekauft und den Domänen einverleibt wurde. In den
Prospekten sowohl bei Merian wie bei Petzold ist von der
Klosterkirche nichts mehr zu sehen, weil an ihrer Stelle, aber
mit dem Titel „Kloster“ bezeichnet, ein hochragendes Schlofs
mit hohem Dache und fünf Renaissaricegiebeln im Stile des
XVI. Jalirhunderts auftritt. 6)

V. Das Kloster Keetz.

In unbekannter Zeit, wahrscheinlich bald nach der Mitte
des XIII. Jahrhunderts von einem pommerschen Plerzoge ge-
stiftet, wurde es 1296 von Gordun oder Verden nach der
Stadt Reetz verlegt und an einer alten Burgstelle aufgebaut.
Von Anfang an mit Grundbesitz gut ausgestattet — eine Be-
stätigungs -Urkunde des Papstes Bonifaz VIII. spricht 1295
von einem Konvente von 40 Nonnen —, wuchs der Besitz-
stand des Klosters in den späteren Zeiten fortgesetzt so sehr,
dafs es bald zu den reichsten Frauenldöstern gehörte <>) und
u. A. die Patronate der Pfarrkirchen von Pasewalk, Dramburg
und Nörenberg besafs. Durch die Hussiteneinfälle im ersten
Di'ittel des XV. Jahrhunderts hat Reetz schwer gelitten und
wurde nach dem Eintritte der Reformation 1537 aufgehoben.

Merian’s Prospekt von 1652 zeigt nicht nur das Kloster
und die Kirche wohlerhalten, sondern stellt noch eine zweite
Kapelle mit hohem Renaissance-Daehreiter dar. Auch Petzold
läfst den gleichen Gebäudestand erkennen, doch hat die Neben-

1) Riedel XVIII, S. 4. 2) Riedel XXIV, S. 1 ff.

3) Riedel XXIV, S. 1 ff.

4) v. Ra umer, Neumark Brandenburg im Jahre 1337, S. 27 ffi — Berg-
liaus III, s. 372

5) Bei Bergau S. 174 scheint die Stadtkirche fiir die Klosterkirche ge-
nommen worden zu sein.

6) Riedel XVIII, S. 4 ff — Winter, Cistercienser II, S. 117 und
V. Raumer, Neumark, S. 37 ff.

kapelle schon den Dachreiter eingebüfst und er schreibt darüber:
„Ruinirtes Kloster“, so dafs der Verfall schon begonnen liatte.
So weit man aus beiden zeichnerischen Ueberlieferungen ein
Urtheil gewinnen kann, war die Klosterkirche ein einschiffiger
gothischer Backsteinbau mit polygonem, in fünf Seiten des
Achteckes geschlossenen Chor, der möglicher Weise nicht ge-
wölbt war, weil alle Strebepfeiler fehlen. Im Jahre 1827
sollen, wie Bergau S. 627 mittheilt, die letzten Reste ab-
gebrochen worden sein.

VI. Ordenskirche in Qnartschen.

llistorisclies.

Im Jahre 1232 schenkte, wie ohen unter „Baugeschichte“
bereits erwähnt wurde, Herzog Wladislaw von Polen dem
Templer - Orden nebst anderen im Inneren von Grofs-Polen
gelegenen Dörfern auch das Dorf Chwartsana (Quartschen) am
Flusse Mizzla mit 1000 Hufen Landes und dem Rechte, inner-
halb ilirei' Grenzen nach deutscher Art einen Markt zu halten. 1)
Der Grund zu dieser Schenkung war die Absicht, sicli den
Besitz dieses einer Wildnifs gleichenden Landestheiles vor den
Angriffen der Pommern und dem Vordringen der Markgrafen
zu sichern. Aus demselben Beweggrunde schenkte Herzog
Barnim von Pommern zwei Jahre später — 1234 — den
Templern das unfern von Quartschen belegene Dorf Darmietzel
nebst 200 Hufen an der Mietzel und vermehrte diesen Besitz
—• 1235 — noch durch Bahn und Güter an der Röricke, ja
1244 durch das Land von Bahn bis nach Königsberg, welcher
Ort hier zum ersten Male genannt wird. 2) Die fortgesetzten
Kämpfe zwischen Polen und Pommern haben dann die Mark-
grafen Johann I. und Otto III. benutzt, um auch hier erobernd
vorzudringen. Von ihnen wird wohl zwischen 1240 und 1250
Königsberg als deutsche Stadt angelegt worden sein, weil sie
um diese Zeit schon das Land Lebus und mit ihm Küstrin,
diesen wichtigen Pafs über die Oder fest besafsen. Gleicli-
giiltig war es daher, wenn auch noch später die Herzöge von
Polen sowohl 1259 wie 1282 dieses ihnen längst verloren ge-
gangene Land als Besitzthum des Templer-Ordens anerkannten.
Im Jahre 1262 verglich sich der Orden mit den beiden Mark-
grafen dahin, dafs er das Städtchen Kiistrin und das Land
Soldin abtrat und sich mit dem Besitze der Dörfer an der
unteren Mietzel begnügte, wobei das wahrscheinlich schon be-
festigte Quartschen zum Mittelpunkte erkoren wurde. 3) Die
Templerherrschaft hat niclit lange gedauert; nacli der Ver-
nichtung des Ordens durch Papst Clemens V. und König
Philipp den Schönen von Frankreich 1307 trat der Johanniter-
Orden in die Erbschaft ein und erliob Quartschen zu einer
Komthurei, welche in den späteren Zeiten urkundlich oft ge-
nannt wird. So z. B. in den Kämpfen, welche die Markgrafen
des. bayrischen Hauses mit ihren Gegnern zu bestehen hatten,
wo 1351 die Markgrafen Ludwig der Aeltere und Ludwig der
Römer den Johanniter-Orden wegen seiner treuen Heeresfolge
mit acht Stiicken jährlicher Einkünfte beschenken und diese
dem Altare des Evangelisten Johannes und der heiligen Katha-
rina in der Kapelle zu Quartschen überweisen. 4) Ein Jahr
später erfolgte die Bestätigung des schon den Tempelherren
zugestandenen Patronatsrechtes der Marienkirclie zu Königs-
berg i. N. 5)

Bei dem Uebergange der Neumark unter die Herrschaft
des deutschen Ritterordens — 1402 — trat keine Verände-

1) Wohlbrück, Gesch. von Lebus I, S. 61 und Riedel XIX, S. 1 ffi

2) v. Raumer, Neumark, S. 4.

3) Riedel A. XIX, S. 5 u. B. I, S. 10. — v. Raumer, Neumärk. Land-
buch, S. 24.

4) Riedel XIX, S. 21 und v. Raumer a. a. O. S. 18 (mit d. Datum 1350).

5) Riedel XIX, S. 226.

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