Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft   [Hrsg.]
Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft 1883/1908 — Berlin, [1908]

Seite: 9
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bringen. Wenn dann in relativ kurzer Zeit einer Schwachstromtechnik der Boden geebnet wurde,
so war dafür nicht ohne Belang, daß diesen epochemachenden Erfolgen doch auch gewisse
aktuelle Bedürfnisse entgegenkamen.

Die Starkstromindustrie hingegen sah sich im Augenblick des Entstehens vor die Aufgabe
gestellt, den Bedarf für ihre Tätigkeit erst selbst zu schaffen, Verwendungsgebiete zu suchen, auf
denen sich die Elektrizität nun auch als Vermittlerin der Energien bewähren konnte. Und nicht
genug damit. Es galt, die zweckmäßigsten und wirtschaftlich günstigsten Methoden für den Um-
wandlungsprozeß festzustellen, Apparate und Materialien zu konstruieren, wie sie notwendig
waren, um die unter allen Kautelen wissenschaftlicher Experimentierkunst beobachteten Erschei-
nungen in eine den Ansprüchen des praktischen Lebens genügende Form zu zwingen. Dabei
zeigte das Publikum diesen Bestrebungen zunächst nur wenig Entgegenkommen. Schon das Un-
bekannte, Unerwiesene forderte ja zum Widerstand heraus; aber es machten sich auch Vorurteile
und Sonderinteressen fühlbar. Der Grund lag weniger in der Erkenntnis, daß man die Umgestaltung
gewohnter Verhältnisse zu erwarten hatte, als in der Vorstellung von einer Konkurrenz, die alt-
eingesessene Industrien zu bedrohen schien. Die Tatsachen haben diese Befürchtung nach und
nach zerstreut. Daß sie entstehen, längere Zeit obwalten konnte, wird verständlich, wenn man
einen Blick auf das an Früchten reiche Arbeitsfeld der Starkstromtechnik wirft.

Das Licht der Bogenlampen und Glühbirnen brachte eine Mannigfaltigkeit in die künstliche
Beleuchtung, die im Verein mit ausgezeichneten Eigenschaften der neuen Lichtquellen alles bis
dahin Übliche weit in den Schatten stellte. Der Wettkampf mit dem Gas wurde dann zum treibenden
Element für die Fabrikation, während die Installation es sich angelegen sein ließ, durch fortgesetzte
Verbesserungen und gesteigerte Sorgfalt die Vorzüge elektrischer Anlagen immer mehr zur Gel-
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