Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft   [Hrsg.]
Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft 1883/1908 — Berlin, [1908]

Seite: 93
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Das Kabelwerk der Allgemeinen Elektricitäts-Gesell-
schaft ist weit mehr, als sein Name zunächst sagt,
wenn die moderne Kabelfabrikation auch an sich schon
das Zusammenwirken zahlreicher, großer Betriebe bedingt.
Auf einem Gelände von io^ooo qm — es wird teilweise
von der Automobilfabrik in Anspruch genommen — hat
sich im Laufe der Zeit ein Industriekomplex gebildet, des-
sen Vielseitigkeit heute nur noch in einzelnen Abteilun-
gen den ursprünglichen Zweck der Anlage erkennen läßt.
Diese entstand in den Jahren 1896/7, als die Arbeitsstätten
der Apparatefabrik den wachsenden Bedarf an Leitungs-
material und isolierenden Stoffen nicht mehr zu decken
vermochten, und die Gesellschaft anfing, unterirdisch
verlegbare Kabel selbst zu erzeugen. Die Geschichte
des nunmehr über zehn Jahre alten Werkes zeigt eine
fast ununterbrochene Reihe von Fortschritten technischer
und wirtschaftlicher Natur, eine Entwicklung, wie sie nur
da möglich ist, wo mit aller Konsequenz auf unablässige
Erweiterung des Absatzgebietes und höchste Ausnutzung
der vorhandenen Mittel hingearbeitet wird.

In Oberschöneweide an der Spree gelegen, bezieht
die Fabrik Rohmaterial und Brennstoff auf dem Wasser-
wege. Ihre weitverzweigte Gleisanlage — elektrische
Lokomotiven unterhalten den Verkehr — hat durch die
Berliner Ostbahnen mit den benachbarten Staatsbahn-
höfen Verbindung. Ein eigenes Werk dient der Wasser-
versorgung, die Gasanstalt dem Betrieb der verschiede-
nen Öfen. Etwa 700 Bogenlampen, ^000 Glühbirnen und

annähernd 1500 über alle Arbeitsstätten verteilte Elektro-
motoren werden von der angrenzenden Zentrale der Ber-
liner Elektricitäts-Werke gespeist. Außerdem stehen zwei
Dampfanlagen für Heizung und andere technische Zwecke
zur Verfügung.

Einer der wichtigsten Betriebe ist das Metallwerk,
in dem man Kupfer, Messing, Eisen, Stahl, Aluminium,
Bronze usw. zu Drähten, Stäben, Blechen und Bändern
verarbeitet. Hier passiert das in Barren zugeführte Ma-
terial mächtige elektrisch betriebene Walzenstraßen und
Ziehmaschinen, die zum Beispiel aus einem Kupferblock
acht Millionen Meter Draht von 0,04 mm Durchmesser
liefern. Dort kommt der Rohstoff aus der mit fünfzig
Tiegelöfen besetzten Gießerei, um gleichfalls durch
Walzen in die gewünschte Form gebracht zu werden.
Eine Verzinnerei ist dieser Abteilung angegliedert. Da-
neben befinden sich die Einrichtungen zum Pressen von
Messing, Kupfer, Aluminium, ein Ressort, mit dem der
Stangenzug und die Rohrfabrikation in Verbindung steht.
Unter anderem werden hier die kompliziertesten Profile
für alle möglichen Zwecke hergestellt.

Die Drahtfabrik fertigt isoliertes Leitungsmaterial an:
Drähte, Litzen und Seile. Zu vielen Hunderten besorgen
sinnreiche Maschinen das Wickeln, Umspinnen und Um-
klöppeln, während man sich bei einem anderen Verfahren
flüssiger Isolationsmasse bedient. Damit ist es neuerdings
gelungen, isolierte Drähte von außerordentlicher Feinheit
zu schaffen; sie kommen in erster Linie der Konstruktion

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