Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft   [Hrsg.]
Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft 1883/1908 — Berlin, [1908]

Seite: 127
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m Jahre 1902 wurden in den mechanischen Arbeits- drei weitere dem Bau von Chassis, der dem Zweck der
statten des Kabelwerks die ersten Versuche mit dem Fahrzeuge entsprechend gegliedert ist. Ein Etagenhaus
Bau automobiler Fahrzeuge angestellt. Das günstige schließt sich an. Seine fünf Geschosse enthalten die
Ergebnis hatte zur Folge, daß die Gesellschaft 1903 auf Reparaturwerkstatt, den Bau der Motoren, Getriebe,
ihren an der Oberspree gelegenen Grundstücken eine Elektromobile, die Lackiererei, Sattlerei und Tischlerei,
gesonderte Fabrik errichtete; die Produkte vertreibt die Schmiede, Stellmacherei. Eine Fahrabteilung und andere
zu diesem Zweck gegründete Neue Automobil-Gesell- Nebenbetriebe befinden sich in besonderen Gebäuden,
schaft m. b. H., Berlin. Der Beifall, den die N. A. G.- Die schon aus der ganzen Disposition der Räume fol-
Wagen in kurzer Zeit fanden, förderte den Absatz so, daß gende Übersichtlichkeit wird durch den überall ange-
es schon 1905 nennenswerter Erweiterungen bedurfte, wendeten elektrischen Einzelantrieb gesteigert. Für ihn
Im Gegensatz zu anderen Fabriken hat die Gesell- wie für die Beleuchtung liefert die Oberspree-Zentrale
schaft auch hier von Anfang an den Grundsatz einheit- der Berliner Elektricitäts-Werke den Strom. Zahlreiche
licher Organisation des Betriebes verfolgt; aus der engen Aufzüge und Krane befördern Personen und Lasten durch
Verbindung mit ihren übrigen Werken ergaben sich Vor- das Innere; im Interesse des Verkehrs und der Trans-
teile, die dieses Vorgehen unterstützten. Man beschränkte porte nach außen ist ein Anschluß an die Gleise der
sich überdies nicht auf Sport- und Luxuswagen, sondern Berliner Ostbahnen geschaffen.

trat sehr bald und mit Erfolg der Herstellung von Drosch- Die Fabrikation vollzieht sich satzweise; eine Anzahl

ken, Omnibussen und Lastfuhrwerken näher. Dann Wagen derselben Type ist gleichzeitig im Bau. Vom

wurde das Arbeitsfeld auf Bootsantriebe und stationäre Hauptlager gehen Rohmaterial und Halbfabrikate in das

Benzinmotoren für kleinere elektrische Anlagen ausge- Werkstattlager, werden je nach Erfordernis bearbeitet und

dehnt. gelangen zur Kontrollstelle, um von hier aus den Weg

Als Antriebsmittel der Fahrzeuge dienten zunächst der Herstellung weiter zu verfolgen. Da es sich bei der

Explosionsmaschinen. Erst nachdem brauchbare trans- maschinellen Bearbeitung durchgehend um Präzisions-

portable Akkumulatoren auf dem Markt erschienen waren, technik handelt, benutzt man überall genaue Grenzleh-

schritt man auch zur Lieferung von Elektromobilen. ren. Die Spezialwerkmaschine dominiert, ist insbesondere

Die Automobilfabrik umfaßt mit ihren Werkstätten für eine exakte Anfertigung der Zahnräder, Winkelräder

etc. 14500 qm. Zwei Felder einer geräumigen, fünt- und Schnecken unentbehrlich, die wegen der starken

schiffigen Halle dienen der maschinellen Bearbeitung, Beanspruchung im Betrieb fast immer aus hochwertigem

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