Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 1
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0015
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Einleitungen.

I. Geschichte Aegyptens.

Genaue Jahreszahlen lassen sich nur für die spätere aegyptische
Geschichte, etwa von 700 v. Chr. an, aufstellen; um sich in der älteren
Geschichte orientieren zu können, hat man diese in grofse Epochen
(„Reiche" oder „Zeiten") geteilt, die ihrerseits dann wieder in kleinere
Abschnitte („Dynastien") zerlegt werden.

Aegypten zerfallt von Natur in zwei Teile, in Ober-
und Mittelaegypten, das schmale Flulsthal des Nils vom
ersten Katarakt an abwärts bis zur Teilung des Stromes,
und in Unteraegypten oder das Delta, das breite Mün-
dungsgebiet. Aufserdem schliefst sich an Mittelaegypten
seitwärts noch die Landschaft des Faijum an, in die sich
ein Arm des Nils verliert. Das Kalkplateau, in das der Nil
sein Thal eingeschnitten hat, ist eine Wüste; auch Aegypten
würde bei dem regenlosen Klima, das hier herrscht, zu-
meist wüst liegen, wenn es nicht regelmäfsig im Sommer
von dem Strome überschwemmt würde. Von der Gröise
dieser Ueberschwemmung und von ihrer Regelung und Er-
gänzung durch Dämme, Kanäle u. s. w. hängt alljährlich
der Ertrag des Landes ab.

Dank der Fruchtbarkeit des Bodens und der Milde des
Klimas hat sich hier schon in sehr früher Zeit eine höhere
Kultur entwickelt; zu der Zeit, wo wir Aegypten kennen
lernen — etwa 3ooo v. Chr. — steht es bereits auf einer
Stufe, die es nur in vielen Jahrhunderten ungestörter Aus-
bildung erreicht haben kann.

In dieser, für uns vorhistorischen, Zeit hat die aegyptische
Civilisation die ihr eigenen Formen erhalten; der Staat, die
Religion, die Schrift, die Litteratur und die Kunst haben

Aegyptische Altertümer. 1
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