Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 6
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0020
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Geschichte

treten der persönlichen Verhältnisse des Herrschers, während
sonst der König offiziell nur als ein Gott gilt; noch ungleich
-mehr bricht mit allem Herkommen sein Sohn:

Amenophis IV., die interessanteste Gestalt der aegyp-
tischen Geschichte. Er versucht in der überlebten und ver-
worrenen aegyptischen Religion eine neue Gottheit zur Gel-
tung zu bringen, die Sonne, indessen nicht den alten Sonnen-
gott der Aegypter, sondern das Gestirn selbst; vermutlich
sollte diese neue Gottheit allen Völkern des grofsen Reiches
gemeinsam sein. Erst der Widerstand, auf den diese Ein-
führung bei der Priesterschaft der alten Götter stofsen
musste, dürfte ihn dann zu dem Versuch der Abschaffung
aller anderen Götter veranlasst haben; insbesondere verfolgt
er den bisherigen Hauptgott Amon, dessen Namen er überall
austilgen läfst. In dieser Periode ändert er dann auch seinen
eigenen Namen Amenophis(Amen-hotep „Amon ist zi/frieden")
in Ich-en-aten „Glanz der Sonne" und verlegt seine Residenz
nach Mittelaegypten, wo er eine neue grofse Stadt, heut
Teil Amarna, erbaut; aus ihren Ruinen stammen die Thon-
tafeln unserer vorderasiatischen Sammlung, die Briefe der
Könige Mesopotamiens und der aegyptischen Vasallen in
Syrien an Amenophis III. und Amenophis IV. — Der König
regierte etwa 12 Jahre, sein Werk hat ihn jedenfalls nicht
lange überdauert und ist in Wirren zu Grunde gegangen, bei
denen auch Teil Amarna untergegangen sein wird. Von
seinen Nachfolgern, die wieder die alte Religion aufnahmen,
aber doch später als illegitim galten, kennen wir u. a.:

Tuet-anch-amon Schwiegersohn Amenophis'' IV.

Ei ursprünglich Priester und Günstling Amenophis IV.
— Den Wirren machte ein Ende:

Har-cm-keb ein Fürst, der schon eine halb königliche
Gewalt errungen hatte, als ihn die Priester des Amon nach
Theben beriefen und mit einer Prinzessin des Königshauses
vermählten. Er zerstört alle Bauten Amenophis IV. und ver-
wendet sie als Material für seine eigenen Tempel, die in-
dessen erst von seinen Nachfolgern vollendet wurden.
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