Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 9
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0023
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Libysche Zeit

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Aethiopenzeit (8. Jahrh. v. Chr.).

Etwa seit Dynastie 21 war die aethiopische Provinz un-
abhängig geworden und stand unter eigenen Herrschern,
die in Napata residierten. Obgleich die Kultur der Aethiopen
lediglich von Aegypten entlehnt war, so fühlen sie sich doch
in dieser Zeit als die Vertreter des wahren Aegyptertums
gegenüber dem von fremden Einflüssen zersetzten Mutter-
lande. Ihre kriegerischen Könige unternehmen ihre Züge
nach Aegypten angeblich, um hier die Ordnung herzustellen;
als der heiligste Ort in Aegypten gilt ihnen Theben, das sich
wohl meist auch in ihrer Macht befindet und wo eine aethio-
pische Prinzessin als „Gottesweib" (vgl. oben S. 5) residiert.
— Die Gegner, die den Aethiopenkönigen in Aegypten
gegenüberstehen, sind meist kleine libysche Fürstenge-
schlechter, unter denen nur das von Sa'fs (die Vorfahren des
Psammetich) eine gröfsere Bedeutung hat. Doch stehen hinter
diesen kleinen Dynasten die Assyrerkönige. — Im Einzelnen
kennen wir:

Pianchi unterwirft um 775 Aegypten.

Schabaka unterwirft es um 728, seine Schwester Amcn-
erdis ist „Gottesweib" in Theben. Er unterstützt die palästi-
nensischen Fürsten (dabei Hosea von Israel) gegen die Assyrer-
könige Salmanassar und Sargon.

Schabatalca Sohn des Vorigen.

Taharka etwa seit 704, regiert im Namen des Tanut-amon,
eines Sohnes des Schabaka. Kriege gegen die Assyrerkönige
Sanherib und Asarhaddon. Der letztere zerstört 670 Memphis;
vgl. sein Denkmal auf die Eroberung Aegyptens in der
Vorderasiatischen Sammlung (Verz. der vorderas. Altert. S. 80).
Taharka gewinnt Aegypten zurück, wird aber um 667 von
Assurbanipal aufs neue daraus verdrängt.

Tanut-amon um 663 Zug nach Aegypten ohne dauernden
Erfolg.

Aethiopien ist seit dieser Zeit von Aegypten losgelöst
und versinkt allmählich in Barbarei; die aegyptische Sprache
wird durch einheimische ersetzt, für die man auch besondere
Schriftarten ausbildet. Genaueres über dieses spätaethiopische
Reich Saal X, Wand XII.
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