Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 20
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0034
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Die Tracht

VI. Die Tracht.

Kleidung und Haartracht haben im Lauf der Zeit hüufig
gewechselt; hier sollen nur die Hauptunterschiede in der
Tracht der höheren Stände aufgeführt werden.

Altes Reich. Die Männer tragen einen kurzen Schurz, der
je nach dem Range verschieden gestaltet ist, die Frauen ein
enges Hemd, das die Schultern freiläfst und durch zwei Trag-
bänder gehalten wird. Die Männer der höheren Stände scheeren
Haar und Bart; für gewöhnlich tragen sie eine Perrücke aus
kleinen Löckchen, bei feierlicher Tracht eine lange Perrücke
und einen kurzen künstlichen Bart. Das Haar der Frauen
fällt lose über die Schultern und auf den Rücken. Die
Kinder tragen eine einzelne Locke auf der rechten Schläfe.
— Auch das Band, das man in der Hand zu halten pflegt,
wird irgendwie zu der Kleidung gehören.

Mittleres Reich. Im wesentlichen wie im a. R,, der
Hauptunterschied ist, dafs die Männer jetzt über dem kurzen
Schurz noch einen zweiten längeren tragen. Bei den Frauen
kommt eine eigentümliche Haartracht — mit Binden durch-
flochtenes Haar — vor.

Neues Reich. Im Anfang der Dynastie 18 noch fast
wie im m. R., dann eine gänzliche Aenderung. Die Männer
tragen jetzt auch ein Hemd auf dem Oberkörper, die Frauen
ein enges Kleid mit einem weiten Mantel darüber; bei beiden
Geschlechtern bestehen die Oberkleider aus feinstem in viele
Falten gelegten Leinen (vgl. die Originale Saal VII, zwischen
Wd. III und IV). Ebenso wie diese neue Tracht in un-
zähligen Verschiedenheiten vorkommt, so ist auch die Haar-
tracht des n. R. eine sehr mannigfaltige und verwickelte; für
die Männer ist charakteristisch eine Frisur aus glatten
Strähnen auf dem Kopf und kleinen Locken Uber den
Schultern.

Seit dem n. R. wird auch der sogenannte „Salbkegel"
vielfach dargestellt, eine halbrunde Erhöhung auf dem Kopf,
die andeutet, dafs die betreffende Person gesalbt ist.

Spätere Zeit. Die wirkliche Tracht dieser Zeit läfst
sich kaum ermitteln, da es Sitte ist, sich in altertümlicher
Kleidung — der des a. R. oder m. R. — darstellen zu lassen.
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