Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 31
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0045
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Gräber des alten Reiches

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IV. Saal des alten Reiches.

Etwa 2800—2300 v. Chr.

Die Altertümer dieser Zeit stammen aus den Gräbern der Vor-
nehmen, die sie sich neben den Pyramiden ihrer Herrscher erbauen.
Diese Gräber bestehen [. aus der Sargkammer im Felsen, nur durch
einen Schacht, den „Brunnen", zugänglich; 2. aus der sogenannten
„Mastaba", einer rechteckigen Steinmasse mit schrägen Wänden (vgl. das
Modell an Wd. II), die den Eingang des Brunnens deckt. — Die Ver-
ehrung des Toten seitens der Hinterbliebenen erfolgt ursprünglich vor
einer Nische in der Ostwand der Mastaba, der „Scheinthüre"; sie ahmt
eine Thür nach, den Eingang ins Totenreich (vgl. die Nachbildung an
Wd. XIII). Meist ist aber diese Nische zu einer kleinen Kammer ver-
tieft, die mit Inschriften und Reliefs geschmückt ist und die nun ihrer-
seits in der Westwand eine Scheinthüre hat. Vor der Scheinthüre
'legen die Steine und Schalen zum Opfer (vgl. die Gruppe an Wd. XIII).
— Neben der Opferkammer befindet sich ein ummauerter kleiner
Kaum, der sogenannte „Serdab", in dem die Statue des Toten sitzt; in
der Regel führt ein Spalt von hier in die Opferkammer, durch den der
die Statue bewohnende Geist, der Ka (S. 17), an den Opfern und Räuche-
rungen teil nimmt.

Gegen Ende des a. R. ändert sich manches in den Bestattungs-
gebräuchen. So werden für die Angehörigen des Toten im Grabe be-
sondere Scheinthüren angebracht, die oft nur sehr klein sind. Auch
werden jetzt in Provinzialstädten Gräber gebaut, besonders in Abydos,
der heiligen Stadt des Totengottes Osiris. Diese sind meist von un-
bedeutender Gröfse und ihre kleinen, oft rohen Scheinthüren verlieren
a'lmählich ihre charakteristische Gestalt und werden zu einfachen Grab-
R,einen, wie sie seit dem m. R. dann allein üblich sind.
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