Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 196
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0210
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/aegyptische_altertuemer1894/0210
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
196 Durchgangsraum zwischen Saal VII und VIII.

Durch- pollion-Figeac (Professor in Grenoble), erzogen und ausgebildet. Früh-
gangs- zeitig begann er wissenschaftlich zu arbeiten und schon 1807 verfafste
räum er eine Schrift, die das alte Aegypten betraf. Bald erhielt auch er
eine Professur in Grenoble, die er indessen 1815 als eifriger Bona-
partist wieder verlor; auch eine spätere Anstellung ebendaselbst endete 1821
aus gleichen Gründen mit seiner Absetzung. Er ging nun nach Paris
zu seinem Bruder, und hier war es, wo ihm Anfang September 1822
die Lösung des alten Rätsels der Hieroglyphen zu Teil ward, die er
seit einem Jahrzehnte gesucht hatte. Mit der Veröffentlichung seiner
Entdeckung (Lettre ä Mr. Dacier relative ä l'Alphabet des hieroglyphes
phonetiques, Paris 1822 — vgl. das ausgestellte Exemplar) begann für
die Kenntnis des alten Aegyptens eine neue Epoche.

Es ist Champollion beschieden gewesen, selbst noch auf dem von
ihm eröffneten Wege bis zum wirklichen Verständnis der aegyptischen
Inschriften vorzudringen. Allerdings hat er nicht mehr die Zeit
gefunden, die betreffenden Arbeiten zu veröffentlichen; sie erschienen
z. T. erst geraume Zeit nach seinem Tode. Denn nur ein Jahrzehnt
noch war ihm gegeben, um seine Entzifferung fortzuführen und auch
dieses nur, soweit er nicht durch Amtsgeschäfte in Anspruch genommen
war: im Jahre 1826 wurde er mit der Einrichtung des neu gegründeten
aegyptischen Museums beauftragt und im Jahre i83i erhielt er die erste
Professur der von ihm geschaffenen Wissenschaft. Wesentlich förderten
ihn die Reisen, die er im Auftrage der Regierung unternehmen
durfte, vor allem seine Expedition nach Aegypten und Nubien in den
Jahren 1828 bis i83o. Aber gerade diese war es, die seine Gesundheit
erschütterte; schon am 4. März i832 verstarb er.

G385. Abgufs des Steins von Rosette, der im Jahre 1799 von
den Franzosen beim Schanzgraben in Rosette gefunden
wurde und den Anlafs zur Entzifferung der Hieroglyphen
gab. Die Inschrift enthält einen Beschlufs der Priesterschaft
zu Ehren des Ptolemaeus Epiphanes vom Jahre 196 v. Chr.
und ist altaegyptisch in Hieroglyphenschrift abgefafst, mit
beigefügten Uebersetzungen in die späte aegyptische Volks-
sprache (demotische Schrift) und ins Griechische. Den
Ausgangspunkt der Entzifferung bildeten die von einem
Oval umschlossenen Zeichen, die, wie man bald erkannte,
den Namen des Königs Ptolemaeus enthalten mufsten.
Zuerst gelang es dem Engländer Thomas Young 1819
daraus mehrere Zeichen zu bestimmen. Unabhängig da-
von bestimmte sie Champollion 1822 noch richtiger und
erkannte sogleich — und das war das Entscheidende —
dafs diese selben Zeichen auch zur Schreibung aegyptischer
Worte, und nicht etwa nur für fremde Eigennamen, be-
loading ...