Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 309
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0323
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Kirchliche Geräte, christl. Lampen; Aethiopien 3og

Sogenannte Menaflaschen. Kasten M

Das Grab des heiligen Mena bei Alexandrien bildete einen Wall-
fahrtsort, von dem die Pilger geweihtes Oel in kleinen Fläschchen
mitnahmen. Diese Fläschchen, die selbst in den Rheinlanden gefunden
werden, zeigen meist den Heiligen, vor dem zwei Kameele nieder-
knieen; nach der Legende hatte ein Kamee], das den Leichnam des
Heiligen trug, die Stelle angezeigt, wo er bestattet werden sollte. (Vgl.
auch 6929 S. 307).

Gröfsere 8884 beiderseits der Heilige, die Kameele deutlich
zu erkennen.

Kleine, entweder beiderseits der Heilige, oder auf der Rück-
seite: Segen des heiligen Mena. — Ungewöhnliche haben
einen Negerkopf (10125) oder ein Kreuz.

Wand XII

Spätaethiopische Denkmäler.
Ueber das ältere aethiopische Reich, dessen Hauptstadt in Napata
am Gebel Barkai lag, vgl. S. 9. — Seit dem siebenten Jahrhundert ent-
schwindet Aethiopien fast ganz unscrn Blicken, und wir können auch
nicht annähernd die Zeit oder die Reihenfolge der uns bekannten
Herrscher bestimmen. Aus griechischen Quellen wissen wir, dafs das
aethiopische Königstum bis in das 3. Jahrhundert v. Chr. ganz von
der Priesterschaft abhängig war und dafs die Residenz später von
Napata südwärts nach Meroe (Begerauieh) verlegt wurde. Aus den
aethiopischen Denkmälern selbst sieht man, wie das Land immer mehr
in Barbarei zurücksinkt. Die Kenntnis der aegyptischen Sprache
schwindet so sehr, dafs die darin abgefafsten Inschriften kaum ver-
ständlich sind; dann tritt an ihre Stelle die einheimische uns un-
bekannte Sprache, die man sowohl in einer hierogiyphischen als auch
in einer alphabetischen Kursivschrift schreibt. Beide sind noch un-
entziffert, doch erlaubt das wichtige Denkmal S. 24 einige Zeichen zu
bestimmen.

2261. Ein König mit dem Vornamen Neb-ma-re (dem
Amenophis' III., der soviel in Nubien gebaut hatte, nach-
geahmt) sitzt unter einem Baldachin, von dem noch die
vordere Säule sichtbar ist, und nimmt die Speisen ent-
gegen, die ihm Götter geben. Vor ihm sieht man noch
die Räucherpfanne. Hinter dem Könige Isis, die ihn mit
den Flügeln schützt (fast ganz ergänzt). — Der König hat
Negertypus, einen Backenbart, Ohrringe und das Diadem
der Aethiopenkönige; er trägt Ringe, deren einer 4 Finger
bedeckt (S. 25i), allerlei Schmuck, eine Geifsel und ein
Szepter, das in einen Schlangenkopf und eine Kapelle
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