Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 337
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0351
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Neues Reich

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Wand XIII

G 93. Denkstein Thutmosis' IV., auf die Freilegung der
grofsen Sphinx von Gizeh. Oben die Sphinx, Harmaohis
„Horus im Horizont" genannt, die auf (d. h. wohl neben)
einem Gebäude im ältesten Stile liegt. Vor ihr opfert und
räuchert der König. — Die Inschrift, die vom ersten Jahre
des Königs datiert ist, erzählt, dafs der König als Prinz
mit dem einen und dem andern seiner Diener, ohne dass es
die Leute wussten, auf seinem Wagen, dessen Pferde schneller
als der Wind sind, in die Wüste gefahren sei und Löwen
geschossen habe. Einen Tag nun kam der Königssohn
Thutmosis um die Mittagszeit und setzte sich in den Schatten
dieses Gottes (d. h. der Sphinx) und er schlief ein zur
Zeit, wo die Sonne am höchsten steht. Da erblickte er im
Traum die Majestät dieses herrliclien Gottes, wie sie mit
eigenem Munde redete wie ein Vater %u seinem Sohne redet:
Sieh mich an, schau mich an, mein Sohn Thutmosis. Ich
bin dein Vater Harmaohis-Chepre-Ke-Atum, der ich dir das
Königtum gebe . . ., du wirst die -weisse und die rote Krone
(S. 21) tragen auf dem Throne des Keb, des Fürsten der Götter.
Dir gehört das Land in seiner Weite und Breite .... Mein
Antlitz ist auf dich gerichtet und mein Herz ist auf dich
gerichtet . . .: mich bedrängt der Sand dieser Wüste, auf der
ich mich befinde. Versprich (?) mir, dass du thust, was ich
wünsche . . . Als der Prinz erwachte, wusste er (noch) die Rede
dieses Gottes; vermutlich hat er dann — die Inschrift bricht
hier ab — nach seiner Thronbesteigung sich des Traumes er-
innert und die Sphinx von dem Sande befreit, der sie bei ihrer
Lage in der Wüste immer wieder verschüttet. — In dem
zerstörten Teile der Inschrift scheint der Name des Chafre
vorzukommen; man hat danach vermutet, dafs dieser
König des a. R. als der Schöpfer der Sphinx gegolten
habe. — (Gizeh.) R. Gr.

G 347. Amon und Har-em-heb, wohl Kultusbild eines
Tempels, in dem auch der König verehrt wurde. Der
König steht neben dem Gotte und umfafst ihn; die Feder-
krone des Amon ist verstümmelt. Auf dem breiten
Rückenpfeiler der Name des Har-em-heb. — (Turin.)
Aegyptische Altertümer. 22
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