Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 343
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0357
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Denkstein des Pianchi

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Menschen, bis die Stadt sieh auf den Bauch warf. Die Ge- Zwi-
mahlin des Nemarut kam, um die Weiber im Harem des schen
Pianchi um ihre Vermittelung zu bitten, und dann kamXyy'u
Nemarut selbst mit vielen Schätzen, ein Pferd und ein'xvii,
Sistrum brachte er selbst herbei. Als Pianchi in Schmun XVIII
einzog, standen die Frauen und Töchter des Nemarut und
begrüfsten ihn, aber seine Majestät icandte sein Antlitz, nicht
xu ihnen, sondern ging zum Stall der Pferde und Fohlen;
als er sah, wie diese gehungert hatten, sprach er zu
Nemarut: das ist schlimmer, als alle Sünden, die du begangen
hast, dass du die Pferde hast hungern lassen.

Des Weiteren trifft Pianchi dann vor Memphis auf
unerwarteten Widerstand, da sich Tef-nacht bei Nacht
mit 8000 Mann hineingeworfen hat; das aethiopische Heer
ist ratlos, wie diese stark befestigte und reich verprovian-
tierte Stadt zu nehmen ist. Man sah keine) Möglichkeit,
gegen sie xu kämpfen und alles beriet über die Art, sie zu
belagern, aber der König liefs dennoch stürmen und
nahm Memphis wie eine Wasserwolkc, tötete viele Menschen
darin und schleppte sie als Gefangene fort.

Danach unterwarfen sich alle Fürsten des Delta, zu-
letzt auch Tefnacht selbst, dem durch Gesandte ein Treue-
schwur abgenommen wurde. Die andern Herrscher kamen
selbst zur Huldigung; ihre Beine waren wie Frauenbeine und
sie traten nicht in den Palast ein, weil sie unbeschnitten
waren und Fische assen, was ein Abscheu für den Palast ist.
Nur König Nemarut trat in den Palast ein, weil er rein war und
nicht Fische ass. Dieser letzte Zug charakterisiert den
König; er fühlt sich den verweichlichten und verweltlichten
Aegyptern gegenüber als den Vertreter des alten frommen
Aegyptertums, wie er denn auch in jeder eroberten Stadt
die Tempel besucht und alle Beute, die er macht, dem Amon
von Theben schenkt. — Vgl. das Bruchstück 1068, S. 162.—
(Kairo.)

G 39. Kopf des Taharka (S. 9). Der Aethiopenkönig
hatte, wie unser assyrisches Siegesdenkmal des Assar-
haddon (Verz. der Vorderas. Altert. S. 80) zeigt, Neger-
züge; der aegyptische Künstler hat dieselben idealisiert,
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