Königliche Museen <Berlin> [Hrsg.]
Ausführliches Verzeichniss der Aegyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und Papyrus — Berlin, 1894

Seite: 365
DOI Seite: 10.11588/diglit.6614#0379
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Musterbriefe, Rechenbuch, Medizinisches u. a. 365

Das Buch behandelt die 22 Gefässe des Körpers, die vom Linke
Herzen aus zu den einzelnen Gliedern führen, ist aberWand
hier so entstellt, dafs es nur durch Vergleichung einer
älteren Handschrift verständlich wird: Sein {Leib) hat 22 Ge-
fässe, welche die Luft ziehen von seinem Berxen; sie sind es,
die sie allen Gliedern geben. — Zwei Gefässe führen zu seine)'
Brust; sie sind es, die die Hitze im Hintern erzeugen. —
Was man dagegen anwendet, ist: Grüne Datteln; Ricinus-
blättcr; Syltomorenfeigen; Wasser; mische es zusammen, der
Mann trinlce es bis er gesund ist, an vier Tagen.

P 3027. Aus einem medizinischen Buch, das zu-
meist mit Beschwörungen heilt, z. B.: Um die Nesehu-
kranlclieit an allen Gliedern eines Kindes zu vertreiben:
„Du bist Horas, du wachst auf als Horns, du bist der lebendige
Horus. Ich vertreibe die Krankheit, die an deinem Leibe ist
und das Leiden (?), das an deinen Gliedern ist.'1 Neun mal
(zu sagen). Dann beschwört er die einzelnen Körperteile
wie z. B.: „Fäulnis, steige nicht herab auf seine Zunge; sie
ist die grosse (Schlange) an der Oeffnung ihres Loches'1, oder
„Zerstörung, steige nicht herab auf seine Brust, seine Brust ist
die der Hathoru. Handschrift des n. R.

P 3o55. Aus dem Ritual für den Kultus des Amon-
Re. An jedem Tage mufs der diensthabende Priester das
versiegelte Allerheiligste betreten, vor dem Götterbilde
räuchern, zu ihm beten, es neu bekleiden, schmücken u. s. w.
und bei jeder dieser Handlungen hat er bestimmte Worte
zu sprechen, die dieses Buch angiebt. So wenn er das
Netz (d. h. wohl den Leinenstreifen des Siegels) löst: das
Netz wird zerstört, das Siegel gelöst. Ich Icomme und bringe
dir das Horusauge (S. 247), dein Auge dir, o Horus. Oder
beim Zerbrechen des Thonsiegels: der Thon wird zerstört
. . . ich komme nicht, um den Gott von seinem Sitze zu ver-
treiben, ich komme um den Gott auf seinen Sitz zu setzen.
Du bleibst auf deinem grossen Sitze, Amon-Re von Karnak.
— Handschrift aus der Zeit eines Takelothis' (S. 8); dafs sie
eine Schulübung ist, zeigt der untere Rand, wo der Lehrer
in üblicher Weise ein schlecht geratenes Zeichen ver-
bessert hat.
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