Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 1.1883

Seite: 18
DOI Heft: 10.11588/diglit.15859.13
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15859.14
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15859.15
DOI Seite: 10.11588/diglit.15859#0026
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1883/0026
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
18

kratioil in allen diesen Punkten genau und
ohne Schwierigkeit ansgeführt werden kön-
nen. Auf Dekoration, Bemalung, kost-
bareres Material behalten wir uns vor,
später zurückzukommen. Nur Eins ist jetzt
schon beizusügen. Wenn der Altar mit
Antipendien von Holz umkleidet wird, so
kommt es sehr oft vor, daß deren Gesims
eine ganz unverhältnißmäßige Tiefe hat.
Das geht mit den Rubriken der hl. Messe
nicht gut zusammen und soll daher ver-
mieden werden, und kann es auch, wenn
das Antipendinm vom Fuße an darnach
konstrnirt wird. Streng genommen sollte
die Altarplatte von einer Umkleidung ganz
frei bleiben, also das Antipendinm nur
den Altarstock umkleiden. Die Künstler
und Kunsthandwerker werden sich ein Ver-
dienst erwerben, wenn sie diesen Gedanken
ausführen. Unter allen Umständen muß
die Umkleidung w e n i g st e n s 6 —7 Milli-
meter niedriger sein, als die obere Kante
der Altarplatte. Handelt es sich um Al-
tarrestaurationen, so ist jede Veränderung,
durch welche irgend eine jener Wirkungen
aufgehoben wird, welche sich uns als Pro-
dukte wesentlicher Weiheakte ergeben haben,
die Ursache der Altar-Entweihung.

Die Errichtung eines Altars, seine Kon-
sekration, die Namen der Heiligen, deren
Reliquien darin deponirt sind, der Titel,
ans den er geweiht ist, sind Thatsachen
und Dinge, über welche Auskunft und Ge-
wißheit zu besitzen auch die Nachwelt sehr
interessirt ist. Es empfiehlt sich daher sehr,
Auskunft hierüber den Nachkommen monu-
mental zu überliefern. Das geschieht am
besten durch eine Inschrift etwa auf der Rück-
seite oder einer Seitenwand des Altarsteins.
Man kann dieselbe so einrichten, daß sie
zugleich zur Verzierung dient. Der Vor-
schlag ist neu und hat noch keine Geschichte;
es ist uns aber kein Grund bekannt, wel-
cher seine Ausführung verhindern oder un-
möglich machen könnte.

Das beste Mittel der Belehrung ist die
Anschauung. Wir machen daher den Vor-
schlag, in den Priester-Seminarien einige
Modelle von Altären als Lehrmittel ein-
zuführen. Sie müßten sich auf die ver-
schiedenen Formen ausdehnen, in welchen
der Altarstock, die iVleir3a und das Sepul-
chrum nebst Verschlußplatte dargestellt
werden dürfen. Die Kosten sind gering;

die Frucht dieses Anschauungs-Unterrichts
aber bestünde in der Sicherheit der gewon-
nenen Kenntnis;. Am besten wäre es, sich
zu verständigen und sämmtliche Bestellun-
gen von Einer Hand unter sicherer Auf-
sicht fertigen zu. lassen.

III.

Der tragbare Altar.

Das /Utare portatile, Tragaltar, trag-
barer Altar, auch alt. mobile, itinera-
rium genannt, war nur für Ausnahms-
fälle bestimmt, für Zeiten der Verfolgung,
um nach Zerstörung der Kirchen oder
Vertreibung der Christen aus ihren Ver-
sammlungsorten in Privat-Oratorien, auf
Reisen, im Felde u. dergl. das hl. Opfer
darbringen zu können. In unseren Ver-
hältnissen dienen sie, abgesehen von den
Missionen in den Heidenländern, haupt-
sächlich als Stellvertreter der noch nicht
konsekrirten Altäre in einfach benedizirten
Kirchen unb Kapellen bis zur Zeit der
Kirchen- ltnb Altarweihe. Daß man früher
eifrig darauf bedacht war, bei erster Ge-
legenheit auch die Neben- und Filialkapel-
len, und in ihnen nicht blos den Hochaltar,
sondern auch die Nebenaltäre zu konsekri-
reu, ist eine geschichtliche Thatsache, vor-
ausgesetzt, daß die kanonischen Bedingun- ■
gen hinsichtlich der Unterhaltung gesichert
waren. Wir könnten das allein aus der
uns zunächst berührenden Pfarrei mit meh-
reren Beispielen urkundlich erhärten. Je-
doch die Zeitverhältnisse haben sich geän-
dert. Die jetzigen Diözesen sind nicht blos
sehr ausgedehnt, sondern auch so kümmer-
lich ausgestattet, daß den Bischöfen die
Hilfe eines Weihbischofs fast durchweg ab-
geht. Nebenkapellen können kaum mehr
konsekrirt werden, Pfarrkirchen oft sehr
lange nicht und wenn, so beschränkt sich
die Konsekration manchmal auf die Kirche
und den Hochaltar. In allen diesen Fällen,
seien sie vorübergehend oder andauernd,
muß man sich konsekrirter Tragaltäre be-
dienen. Um so mehr aber soll darauf ge-
sehen werden, daß bei ihrer Herstellung
der sicherste Weg eingeschlagen wird, der-
art, daß sie unbeanstandet konsekrirt und
benützt werden können. Wir sagen das
mit Bezug auf die Gewohnheit, die Tabula
dieser Altäre mit einer breiten Holzrahme
zu umkleiden, znm Schutz des von der
loading ...